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Neue OpenBSD-Release

Seit 1. November[8] ist die neue Version 3.4 des Betriebssystems OpenBSD auf den FTP-Servern[9] verfügbar. Das OpenBSD-Projekt stellt an sich selbst den Anspruch, ein möglichst sicheres Betriebssystem zu entwickeln. Seit der neuen Version ist das ELF-Binärformat auch auf x86-Rechnern Voreinstellung. ELF ersetzt damit »a.out«, das mittlerweile als völlig veraltet und insgesamt sehr problematisch gilt.

Mit dieser wichtigen Änderung kommt auch die »W^X«-Funktionalität auf die x86-PCs, die Buffer Overflows bereits im Kernel verhindern soll. Sie stellt sicher, dass Speicherstellen, die als beschreibbar gekennzeichnet sind, nicht gleichzeitig ausgeführt werden können. Auf diese Weise bleibt das System geschützt, auch wenn Programme laufen, die anfällig gegen Buffer Overflows sind. Der Standardcompiler von OpenBSD verfügt außerdem über Routinen, die häufig auftretende Programmierfehler beim Speicherhandling aufspüren.

OpenBSD 3.4 unterstützt das Lesen von NTFS-Partitionen, das Schreiben ist leider immer noch nicht möglich. Die Entwickler kämpfen hier mit dem gleichen Problem wie die Linux-Gemeinde: Microsoft rückt die Spezifikation dieses Dateisystems nicht heraus. Zwar gibt es für Linux bereits Schreib-Support, er ist jedoch als »DANGEROUS« gekennzeichnet. Im schlimmsten Fall zerstört eine Schreiboperation das gesamte Dateisystem.

Eine Reihe kleinerer Änderungen umfasst die Unterstützung von Privilege Separation im Syslogd und im X-Server. Die GNU-Tools wie »diff«, »grep« und »gzip« haben die Entwickler durch BSD-Pendants ersetzt, der Paketfilter »pf« wurde stark erweitert. Neu in OpenBSD ist das Programm Growfs, das Festplattenpartitionen vergrößert. Auch die Manpages des Systems haben die Entwickler gründlich überarbeitet.

Bei der Hardware-Unterstützung hat sich einiges getan: ATA-100-Support für Apple Powerbooks, experimentelle Unterstützung für Serial-ATA und ein Abgleich des USB-Systems mit dem von NetBSD sind einige Highlights. Zudem verträgt sich OpenBSD nun mit mehr SCSI-Controllern und Netzwerkkarten.

Einige Wochen vor dem Erscheinen von OpenBSD 3.4 entbrannte auf der [misc]-Mailingliste des Projekts eine Diskussion über einen Benchmark, den Felix von Leitner veröffentlicht hat[10]. Er testete dabei Linux, OpenBSD, FreeBSD und NetBSD auf ihre Skalierbarkeit bei gängigen Serveroperationen wie »socket()«, »bind()« und »fork()«. OpenBSD schnitt in fast allen Disziplinen mit Abstand am schlechtesten ab.

OpenBSD-Entwickler Ted Unangst versuchte die schlechten Ergebnisse zu erklären und hob hervor, dass die Programmierer weniger Wert auf Skalierbarkeit als viel mehr auf die Sicherheit des Systems legen. Mittlerweile haben sie trotzdem einige Patches in den Tree eingepflegt, die diverse Performanceprobleme beheben sollen.

Kurz nach der Release von Version 3.4 sorgte die Mail eines französischen Benutzers für Aufsehen. Er beteuerte, dass der Buchhändler, bei dem er OpenBSD 3.3 noch ohne Probleme hatte bestellen können, laut eigener Aussage Version 3.4 nicht mehr verkaufen dürfe. Der Grund dafür sei ein neues französisches Gesetz, das es verbietet, in Frankreich Software zu verkaufen, der keine französische Dokumentation beiliegt.

Trotz des extrem schlechten Abschneidens von OpenBSD in den Benchmarks ist das System bei vielen Benutzern und Programmierern sehr beliebt und bewährt sich vor allem bei sicherheitskritischen Anwendungen.


Abbildung 3: Am 1. November haben die OpenBSD-Entwickler Version 3.4 freigegeben. Leider bieten sie keine ISO-Images zum Download an. Wer OpenBSD auf CD haben will, muss das System bei einem Händler kaufen.

Änderung der Debian-Verfassung

Seit vielen Jahren schon plädieren immer wieder einige Debian-Entwickler dafür, den Non-free-Teil von Debian GNU/Linux aus der Distribution zu entfernen. Diesem Vorhaben steht allerdings der Debian Social Contract[11] im Weg, der »non-free« als festen Bestandteil des Projekts definiert. Um diesen Teil aus dem Archiv zu entfernen, müsste also der Social Contract geändert werden. Das verhinderte wiederum nach Meinung einiger Entwickler bis vor kurzem die Debian-Verfassung[12].

Paragraf 4.1.5 der Verfassung besagt, dass eine "nicht-technische" Dokumentation geändert werden darf. Die Entwickler konnten sich jedoch nicht darin einigen, ob der Abschnitt über das »non-free«-Verzeichnis im Social Contract nun technischer oder nicht-technischer Natur sei. Diese Unklarheit haben sie dem Paragrafen jetzt genommen. Sie stimmten in einer Wahl dafür, ihn so zu formulieren, dass es mit einer Dreiviertelmehrheit jetzt ausdrücklich möglich ist, sowohl den Social Contract als auch die Debian Free Software Guidelines (DFSG[13]) zu verändern. Der gesamte Änderungsprozess der Verfassung hat lediglich einen Monat gedauert.

Am 30. September schickte der Projektsekretär Manoj Srivastava drei Neufassungen des Paragrafen zur Diskussion an die [debian-devel-announce]-Mailingliste[14]. Die erste Fassung stammte von Srivastava selbst. Er führte darin eine Dokumentenklasse namens "Foundation Documents" ein, der auch Social Contract und Verfassung angehören. Diese Foundation Documents könnten die Entwickler mit einer Dreiviertelmehrheit ändern.

Der zweite Vorschlag stammte von Branden Robinson. Er regte an, in der Verfassung lediglich die schwammige Definition des nicht-technischen Dokuments zu präzisieren, sodass Änderungen am Social Contract möglich würden. Der dritte Vorschlag stammte ebenfalls von Branden Robinson. Er stimmte mit dem von Srivastava überein, bis auf die Tatsache, dass ausschließlich der Social Contract Teil der Foundation Documents würde, nicht aber die DFSG.

Die Entwicklergemeinde hatte vom 15. bis zum 29. Oktober Zeit, ihre Stimmen abzugeben. Mehr als 75 Prozent der Wähler stimmten für den ersten Vorschlag. Der Grundstein für eine Entfernung des Non-free-Zweigs aus dem Projekt ist damit gelegt.

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