Open Source im professionellen Einsatz

Kartentrick

Als ich vor rund zehn Jahren meinen ersten GPS-Empfänger erstand, war das nicht nur ein praktischer Wegbegleiter in unbekanntem Terrain, sondern auch ein ziemlich teures Hightech-Gadget und taugte durchaus als Statussymbol für den IT-affinen Outdoor-Fan. Inzwischen nimmt sich das gute Stück aber aus wie ein kiloschweres Ur-Handy zwischen iPhones: Vier AA-Batterien sorgen eben für einen eher korpulenten Handheld. Zudem kann man keine Karten laden, das Display ist schwarz-weiß, die Schnittstelle seriell - kurz: Es war Zeit für einen Generationswechsel.

Der Nachfolger ist jetzt bunt und braucht keine Schwenkantenne und nur halb so viele Batterien. Und weil er kartentauglich ist, möchte man natürlich unterwegs auch auf eine ordentliche topografische Karte zugreifen. Die bietet der Hersteller selbst an, fertig vorinstalliert auf einem Micro-SD-Chip. Alles scheint gut. Bis man auf den Preis schaut. Die Kartendaten sind noch einmal so teuer wie das Gerät!

Da sollte es doch auch eine freie Alternative geben, oder? Gibt es. Allerdings muss man suchen. Etliche der freien Karten sind ziemlich unvollständig, einige enthalten kein Höhenprofil, was sie für den praktischen Einsatz disqualifiziert. Schließlich brachte mich aber der gute Tipp eines Kollegen auf eine heiße Spur: Die OSMC Reit- und Wanderkarte (http://topo.openstreetmap.de). Sie ist derzeit für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Italien verfügbar und bietet fast alles, was sich der Wanderer wünscht. Viele Details, bis hin zu markanten Wegkreuzen oder Hochständen, ein Höhenprofil, zahlreiche Points of Interest (POI) wie Gaststätten, Unterkünfte, Haltestellen des Nahverkehrs und so weiter. Neben der Version für Garmin-Geräte gibt es die Karte auch im Mapsource-Format, dass es beispielsweise erlaubt, die Daten in das gleichnamige Programm des Geräteherstellers oder unter Linux besser in QLandkarte zu importieren.
Danach kann man am Rechner Routen planen und auf das GPS-Device übertragen oder auch unterwegs gespeicherte Wegpunkte und Tracks in der Karte einblenden.

Kein Wermutstropfen? Doch: Zum einen - und noch recht leicht verschmerzbar - funktioniert das Routing beim Garmin nur entlang von Straßen, nicht entlang von Wegen. Das liegt daran, dass sich der Kartenhersteller dafür strikt an die Garmin-Wegetypen hätte halten müssen. Tatsächlich unterscheidet er aber im Interesse seiner Zielgruppe Wanderreiter viel feiner, etwa zwischen befestigten Wegen und befestigten Spuren mit unbefestigtem Zwischenstück. Mit diesem selbst definierten Wegtyp aber kann Garmins Routingfunktion nichts anfangen. Zum anderen - und zugleich schmerzlicher - sind die verwendeten NASA-Daten für das Höhenprofil nur mäßig genau. In vielen Gegenden sicher kein allzu großes Problem, aber beispielsweise im Hochgebirge könnte ein enges Tal schon mal komplett als Plateau erscheinen. Es gäbe genauere Höhendaten, auch kostenlose, nur verbietet es die Open Street Map-Lizenz, sie zu integrieren.

Dennoch: Routing auch für alle Wanderwege und hier und da genauere Höhenangaben - ist das 200 Euro für eine kommerzielle Karte wert? Für mich nicht.

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