Nokias hauseigene Qt-Entwicklungsumgebung Qt Creator [1] ist noch jung. Wer bislang Anwendungen für KDE und Qt entwickeln wollte, griff häufig zur IDE Kdevelop [2]. Im Laufe seines Lebens wuchs das Werkzeug jedoch zu einem wahren Funktionsmonster heran, das mit seinen vielen Fenstern und Symbolleisten den Einstieg erschwerte. Auch unter der Haube schien es den Entwicklern zu unübersichtlich zu werden. Kurzerhand zogen sie die Notbremse, warfen den alten Quellcode fast vollständig über Bord und wagten am Reißbrett einen kompletten Neuanfang. Schlanker und übersichtlicher sollte Kdevelop 4 werden.
Hürdenlauf
Das war vor über vier Jahren. Den bislang erzielten Fortschritt demonstriert die recht weit gediehene fünfte Betaversion. Da die Arbeiten an ihrem Vorgänger bereits 2008 eingestellt wurden, erwägen viele Kdevelop-3.x-Nutzer schon jetzt einen Umstieg, unter anderem weil mit der Einbindung von Testwerkzeugen, Cmake und verteilten Versionierungssystemen interessante Features locken. Das Vorhaben entpuppt sich jedoch als recht mühsam. Zunächst erfordert die zum Redaktionsschluss aktuelle Beta 5 (Version 3.9.95) ein möglichst neues KDE 4 als Basis, Version 4.2 ist hierbei das absolute Minimum.
In den Repositories der Distributionen schlummert zudem meist nur ein älteres Kdevelop 4. Da die Entwickler jedoch mit jeder Release zahlreiche Fehler beheben und neue Funktionen einbauen, sollte man möglichst zur letzten Version greifen - was bedeutet, den Quellcode per Hand zu übersetzen. Obendrein stürzte Kdevelop 4 auf einem Testsystem unter Open Suse 11.1 reproduzierbar ab. Das gilt selbst für die etwas ältere Version aus dem Repository.
Die Entwickler haben nicht nur die Benutzeroberfläche generalüberholt, sondern auch gleich den Unterbau in das Projekt Kdevplatform ausgelagert. Hinter dem kryptischen Namen verbirgt sich eine Sammlung aus Bibliotheken, mit deren Hilfe Interessierte sehr einfach IDEs oder IDE-ähnliche Anwendungen erstellen können - hier stand offenbar das Eclipse-Projekt Pate. Die erste Entwicklungsumgebung, die auf Kdevplatform basiert, ist das eigentliche Kdevelop 4. Folglich muss man beide Pakete in zueinander passenden Versionen installieren. Im Moment fällt das nicht weiter schwer, da das Duo einträchtig auf dem KDE-Server wartet [3]. Bei der Installation assistiert der Kasten "Übersetzungshilfe".
Großes Kino
Das Hauptfenster von Kdevelop 4 gibt sich wesentlich aufgeräumter als in früheren Versionen. Trotzdem tummeln sich rund um den Hauptbereich weiterhin mehrere Register, über die der Anwender zahlreiche Informations- oder Funktionsleisten auf- oder zuklappt. Da ein Entwickler viele von ihnen im laufenden Betrieb benötigt, verlangt Kdevelop nach großen Bildschirmen. Unterhalb einer Auflösung von 1024 mal 786 Pixeln gerät die Arbeit zur Qual.
Der erste Schritt eines Anwendungsentwicklers dürfte geradewegs ins »Project«-Menü führen, wo der kleine Assistent hinter »New From Template« ein neues Projekt erstellt. Fehlt dieser Eintrag, hilft der Kasten "Verschwundene Menüs". Derzeit kennt der Dialog nur eine C++- sowie einfache KDE- und Qt-Vorlagen. Wer das KDE-SDK installiert hat, kann außerdem ein KDE-4-Ruby-, Py-KDE-4- oder Py-Qt-4-Projekt erstellen. Unterstützung für andere Sprachen lässt sich über Plugins nachrüsten, die teilweise schon im Internet bereitstehen. Von einem vergleichbaren Angebot wie für den Vorgänger Kdevelop 3.5 ist die neue Version jedoch noch weit entfernt.
Abbildung 1: Die automatische Code-Vervollständigung, wie sie auch aus anderen IDEs bekannt ist.
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Der Quellcode von Kdevplatform und Kdevelop 4 verlangt nach den Paketen »kdelibs-devel« (ab Version 4.3), »qt-devel« (ab Version 4.5.2), Boost (ab Version 1.35) »g++« (ab Version 4.0), Gnu Make sowie Cmake (ab Version 2.6.2) sowie nach den dafür jeweils nötigen Paketen. Optional, aber dringend empfohlen, sind noch »subversion-devel« (ab Version 1.4, meist als Paket »libsvn-devel« bekannt) und das KDE-SDK (ab Version 4.3.61), um mit dem enthaltenen Kompare später Dateien vergleichen zu können. Für die spätere Ausführung der IDE müssen zudem »kdelibs« ab Version 4.3 und Qt ab Version 4.5.2 vorhanden sein.
Optional sind der Qt Designer, der Speicherleck-Spürhund Valgrind (ab Version 3.2.0) und der Debugger GDB (ab Version 7.0). Alle genannten Abhängigkeiten sollte jeder Paketmanager auflösen können.
Die Installation beginnt mit dem entpackten Kdevplatform-Archiv. Im Terminal wechselt der Anwender in das Quellcode-Verzeichnis, wo er folgende Befehle absetzt:
mkdir build
cd build
cmake ../
make
sudo make install
Das gleiche Verfahren wiederholt sich für den Kdevelop-Quellcode. Ein »kdevelop« startet künftig die komplette IDE.
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