Wer verstreut sitzende Mitarbeiter Windows-PC-mäßig zu betreuen hat oder schnell mal an einen Windows-Server ohne Monitor und Maus muss, kam und kommt an dem Klassiker PC Anywhere meist nicht vorbei. Damit zieht der Admin die laufende Sitzung eines entfernten Rechners (bei Symantec Host genannt) zu sich heran. Der eigentliche Besitzer des Rechners kann ihm bei der Arbeits zuschauen und auch selbst eingreifen. In der aktuellen Version 11.5 unterstützt PC Anywhere nun auch Linux-Hosts.
Ernüchternd ist vielleicht die Tatsache, dass mindestens einer der beteiligten Fernsteuer-Partner ein auf Windows installiertes PC Anywhere sein muss - da nützt auch ein Pinguin auf der Schachtel nichts. Dafür braucht der (Thin) Host vorab keine Software zu installieren - sehr praktisch. Der Admin gibt einfach die IP des Ziels an, dann startet einmalig ein Verbindungsassistent, bei dem er Verschlüsselungsart und -tiefe und eins der 13 Verfahren zur Authentifizierung wählt. Dann gibt er der Software die Daten eines User- und des Root-Zugangs preis.
Anywhere kontaktiert ohne weiteres Zutun den Host per SSH, kopiert dann ein nach den Vorgaben gestricktes Shellskript auf den Host und führt es aus. Eine kurze Analyse des Skripts ergab, dass es wiederum Perl-Code und - UU-ähnlich kodiert - ein Tar.gz-File enthält. Im Archiv liegen zwei Binär- und einige Konfigurationsdateien, etwa für PAM. Das Skript ändert ziemlich wild die Rechte vieler Linux-Konfigurationsdateien und tätigt diverse Einträge. Wenigstens sichert es die Originalfiles ordentlich.
Vielleicht heiligt der Zweck diese Mittel, denn der Linux-Host verbindet sich nun zügig zurück und exportiert die Bildschirminhalte und die Cursorposition mit nur geringer Verzögerung in Richtung Anywhere-Fenster (Abbildung 1). Laut Handbuch eignen sich nur Red Hat und Suse Linux als Thin Host - im Test funktionierte Debian Sarge nach Einspielen einer fehlenden Library aber auch.
Zügiges Arbeiten
Die Qualität und Geschwindigkeit des Grafikstreams ist auffallend gut. Die Software misst die Bandbreite zwischen beiden Rechnern und optimiert die Datenmenge anhand des Ergebnisses, was Aussetzer weitgehend vermeidet. Einziger Schönheitsfehler hier: Der Mauscursor ist jener von der lokalen Maschine, was beim Navigieren der Eingewöhnung bedarf.
Wer PC Anywhere von Windows zu Windows einsetzt, kommt in den Genuss noch anderer Features, etwa des Bandbreite schonenden Direktzugriffs auf Taskmanager, Dienste, Registry und so weiter. Außerdem kann er im Hintergrund Dateien kopieren und ein zermurkstes Windows wieder herstellen.
Anders herum mit Java
Symantec sieht auch die umgekehrte Richtung des Fernsteuerns vor: Dazu verbindet man sich per Browser zu einem PC-Anywhere-Host. In Frage kommen neben dem Internet Explorer 6 (Windows) auch Mozilla 1.6 (Linux und Windows), beide brauchen J2RE oder JVM ab 1.4.
Bei dieser "PC Anywhere Web Remote"-Sitzung läuft der Windows-Host in der Betriebsart »Wartend«. Das lokal (auch von der Installations-CD direkt) im Browser gestartete Java-Applet authentifiziert sich gegen den Anywhere-Host und übernimmt die entfernte Sitzung. Im Test mit Firefox sowie Java 1.5 auf Debian Linux klappte das nur im Ansatz. Zwar kam die Connection offenbar zustande, das Login-Fenster (im typischen Java-Look) war aber nur zum Teil bedienbar und das Applet warf einen Fehler, der auf eine schlecht abgefangene Versionsprüfung deutete.
Dem Web Remote ähnlich arbeitet ein natives Remote-Anywhere-Tool für Windows CE (PC Anywhere Mobile). Installiert auf einem digitalen Begleiter vermag es Anywhere-Hosts zu steuern.
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Gattung: Fernsteuer- und Administrationswerkzeug
Hersteller: Symantec
Web: [http:// enterprisesecurity. symantec.de]
Lieferumfang: 1 CD, 320-seitiges Benutzerhandbuch (deutsch)
Lizenz: Proprietär
Preis: 1 Host/Remote 300 Euro (Rabatte ab 50 Lizenzen), 1 Remote + 5 Hosts 915 Euro
Vertrieb: über den Fachhandel
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Abbildung 1: PC Anywhere läuft auf Windows und übernimmt hier die Regie über ein Debian. Dort arbeitet ein automatisch per SSH eingespieltes Shellskript.