Mit Trusted Contacts nimmt Google eine Überwachungs-App in sein Universum auf. Die Initiative geht aber natürlich von den Überwachten selbst aus.
Trusted Contacts erlaubt es, den Aufenthaltsort von Freunden und Familienmitgliedern per App im Auge zu behalten. “Let your loved ones know you’re safe with our new personal safety app”, heißt es in der Ankündigung. Man sieht den zugehörigen TV-Spot förmlich vor sich. Eine Mutter schaut sorgenvoll aus dem Fenster ihres luxuriösen Einfamilienwohnsitzes, draußen regnet es, sie kaut leicht nervös auf der Unterlippe. Im Hintergrund ein melancholisch klimperndes Klavier. Geht es der Tochter auch wirklich gut, was macht sie wohl gerade? Schwenk auf Googles neue Überwachungsapp.
Bei Trusted Contacts ist die Überwachung natürlich freiwillig. Die Überwachten statten ihre engsten Freunde und Familienmitglieder mit einem “Trusted”-Status aus. Die dürfen dann sehen, wo sich der oder die Überwachten gerade aufhalten und ob sie online sind, auch ohne Google Account. Fühlen sie sich in einer Situation unwohl, teilen sie den Überwachern ihren Aufenthaltsort mit. Umgekehrt fordern Freunde und Familie mit Google Account den Standort an, wenn sie sich Sorgen machen. Die Überwachten können solche Anfragen ablehnen, dann erhalten die Überwacher eine Mail oder Nachricht. Antworten sie nicht, wird der Aufenthaltsort automatisch nach Ablauf von fünf Minuten veröffentlicht. Das soll helfen, die Überwachten auch dann zu lokalisieren, wenn diese offline sind. Die App gibt dann den letzten bekannten Aufenthaltsort an. Zugleich kennt sie den Batteriestatus des Überwachten, weiß also, ob eine Nicht-Antwort zum Beispiel an einer leeren Batterie liegt.
Ob sich diese Fünf-Minuten-Automatik abstellen lässt, ist nicht bekannt. Insgesamt sollten Nutzer der App nicht zur Datensparsamkeit neigen, landen doch alle Daten auf Googles Rechnern, darunter Bewegungsabläufe, Aufenthaltsorte der Nutzer und Informationen zu den Beziehungen der involvierten Personen zueinander. Ob die App überbesorgten Eltern ruhiger schlafen lässt, dürfte erst die Praxis zeigen. Vermutlich erfreut es nicht alle Jugendlichen, dass ihre Eltern ständig ihren Aufenthaltsort kennen. Sie dürfen dann kreative Wege erfinden, der Überwachung zu entkommen.






