Die Electric Coin Company schlägt mit der TGPPL “einen radikal neuen Typus” von Open-Source-Lizenz vor. Tatsächlich handelt es sich wohl eher um Marketing, denn die Lizenz hat schon einen Bart.
Die Abkürzung TGPPL steht für Transitive Grace Period Public License. Die Lizenz sieht vor, eine Software nach einer gewissen Nutzungszeit (nach 12 Monaten) unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen. In dieser Übergangszeit ließe sich die Software dann kommerziell ausbeuten.
Tatsächlich besteht ja die Möglichkeit, eine Software als Closed-Source-Software zu entwickeln und den Quellcode später freizugeben. Der Unterschied liegt darin, dass die Entwickler des Codes von ihren Nutzern bereits im Vorfeld fordern, den Quellcode nach zwölf Monaten zu veröffentlichen. Electric Coin Company, die Software für die die Kryptowährung Zcash anbietet, verwendet die selbst entworfene Lizenz bereits für eine eigene Software namens Halo 2 (nein, nicht das Spiel).
Neuer Typ in alter Hülle
Hintergrund für die Einführung der TGPPL, einem laut Blogpost “radikal neuen Typ von Open-Source-Lizenz”, sei das Problem der Software-Finanzierung. Open-Source-Projekte sind nach Meinung der Electric Coin Company (und sie stützen sich dabei auf die Überlegungen anderer) oft unterfinanziert. Oder sie werden von Investoren finanziert, die die Software später entgegen dem öffentlichen Interesse einsetzen. Die TGPPL soll nun nach Meinung der Firma eine Antwort auf diese beiden Herausforderungen liefern.
Anders als es der Blogpost suggeriert, ist die Idee der TGPPL allerdings nicht neu. Tatsächlich reichte Zooko Wilcox, der Gründer und CEO der Electric Coin Company, seinen Lizenz-Vorschlag für eine TGPPL 1.0 bereits im Jahr 2009 bei der OSI (Open Source Initiative) ein, um sie als Open-Source-Lizenz anerkennen zu lassen. Die OSI lehnte den Vorschlag damals ab, die Kosten würden die Vorteile überwiegen, lautete eine Begründung. Auch im Fedora-Projekt wurde Entwicklern bereits vor einigen Jahren vom Einsatz der TGPPL 1.0 mit Tahoe-LAFS abgeraten. Wer sich die dort zitierte Lizenz (vom Dezember 2014) anschaut, findet eine Eins-zu-Eins-Kopie der nun vorgestellten TGPPL.



