Distributionen kommen meist als (ISO-)Image, das dann ein Tool wie balenaEtcher auf einen USB-Stick schreibt. Letztgenanntes Werkzeug empfahlen ursprünglich auch die Tails-Entwickler. Mittlerweile raten sie jedoch von seinem Einsatz ab.
Stattdessen empfehlen sie das Konkurrenzwerkzeug Rufus. Die Installationsanleitungen auf ihren Seiten haben sie bereits entsprechend angepasst. Der Grund für diese Maßnahme liegt in den privaten Daten, die der balenaEtcher mittlerweile an seinen Hersteller sendet.
Das Werkzeug wird von vielen Linux-Projekten und Seiten empfohlen, weil es besonders einfach zu bedienen ist und unter allen großen Betriebssystemen reibungslos läuft. Aus diesen Gründen empfahlen ihn die Tails-Entwickler seit 2019.
Wie die Tails-Entwickler in ihrer Stellungnahme schreiben, hätte bereits kurz danach der balenaEtcher damit begonnen, Werbung einzublenden. Mit ihr wollte das hinter dem Tool stehende Unternehmen Balena etwas Geld verdienen und die Entwicklung finanzieren. Die Tails-Entwickler stuften die Werbeeinblendungen zunächst nicht als besonders problematisch ein.
Seit dem letzten Jahr schickt das Tool allerdings den Namen des zu schreibenden Images sowie die Modellbezeichnung des USB-Sticks an Balena. Diese Datenweitergabe ist für das Tails-Projekt kritisch: Ihre Distribution soll explizit das anonyme Arbeiten im Internet erlauben. Durch die Datenweitergabe an Balena besteht das Risiko, dass die Informationen von Dritten missbraucht und so die Anonymität aufgeweicht wird.
Den Tails-Entwicklern liegen zwar keine Informationen über erfolgte Angriffe auf Tails-Nutzer vor. Da sie aber ein Missbrauchspotential sehen, gingen sie vorbeugend auf die Suche nach einer Alternative zum balenaEtcher. Insgesamt haben sie sieben Alternativen unter die Lupe genommen und sich schließlich für Rufus entschieden.
Es gibt allerdings noch eine Ausnahme: Da Rufus noch nicht auf macOS läuft, beschreibt die Online-Dokumentation für diese Systeme weiterhin die Installation über den balenaEtcher. Als Alternative rät das Tails-Team zum Kommandozeilenwerkzeug „dd“ oder dem Raspberry Pi Imager. Beim Einsatz von „dd“ sollte man allerdings dessen Parameter gut kennen und kontrollieren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass ein Tippfehler das Hauptsystem überschreibt.




