Der Linux-Anbieter Suse und das spanische Unternehmen Openchip & Software Technologies haben eine Absichtserklärung zur Entwicklung eines europäischen Technologie-Stacks unterzeichnet.
Nach Angaben von Suse soll die Zusammenarbeit offene Software mit in Europa entwickelter RISC-V-Hardware verbinden und damit eine Alternative zu bestehenden, häufig auf außereuropäischen Chiparchitekturen basierenden Infrastrukturen schaffen.
Suse begründet die Initiative mit wachsenden Anforderungen an digitale Souveränität sowie möglichen Risiken durch geopolitische Spannungen, Handelsbeschränkungen und Störungen globaler Halbleiterlieferketten. Während viele europäische Organisationen Softwareebenen nutzen, die auf Open Source aufbauen, stützt sich ihre zugrunde liegende Infrastruktur häufig auf proprietäre Chip-Architekturen, die außerhalb Europas entwickelt wurden, teilt Suse mit. Beide Unternehmen wollen deshalb ihre Technologien aufeinander abstimmen und eine durchgängige Plattform aus Hard- und Software entwickeln.
Im Rahmen der Vereinbarung sollen die kommenden RISC-V-Prozessoren und Beschleuniger von Openchip den gesamten Software-Stack von Suse unterstützen. Dazu zählen unter anderem Suse Linux Enterprise Server, die Kubernetes-Plattform Rancher Prime, die Kubernetes Engine sowie die von der Gemeinschaft entwickelte Distribution OpenSUSE Tumbleweed. Darüber hinaus planen die Unternehmen die Unterstützung des RVA23-Profils mit Vektorerweiterungen für Hochleistungsrechnen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz sowie Funktionen für Virtualisierung in Cloud-Umgebungen.
Für den Betrieb großer Container-Infrastrukturen wollen die Partner zusätzliche Erweiterungen für die Kubernetes-Verwaltung entwickeln. Geplant sind außerdem Werkzeuge für die Überwachung und Verwaltung umfangreicher Cluster-Umgebungen auf Openchip-Hardware. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer Infrastruktur für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, die den Suse-AI-Stack mit RISC-V-Beschleunigern von Openchip kombiniert.
Nach Darstellung von Suse soll die gemeinsame Plattform Organisationen dabei unterstützen, regulatorische Anforderungen wie die Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit, den Digital Operational Resilience Act sowie den Cyber Resilience Act einzuhalten. Als mögliche Einsatzgebiete nennt das Unternehmen Rechenzentren, lokale Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, Supercomputing-Umgebungen sowie den öffentlichen Sektor, das Gesundheitswesen, den Verteidigungsbereich und Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Openchip beteiligt sich bereits an mehreren europäischen Förderprogrammen. Das Unternehmen wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen eines wichtigen Vorhabens von gemeinsamem europäischem Interesse im Bereich Mikroelektronik ausgewählt und erhält nach Unternehmensangaben Fördermittel aus europäischen Programmen.




