Sun Microsystems feiert in einer offiziellen Presserklärung 20 Prozent Zuwachs in der Open Solaris Storage Community. Gleichzeitig tut sich selbst Suns Open-Source-Beauftragter Simon Phipps schwer, zu erklären, wie Externe an Suns Open-Source-Entwicklung mitarbeiten können.
Innerhalb der letzten Monate hätten sich 20 Prozent neue Mitglieder zur Mitarbeit bei Open Solaris Storage angemeldet, und in der gleichen Zeit sind laut der offiziellen Verlautbarung gut 40 neue Projekte hinzugekommen. Unter den neuen Projekten nennt das Unternehmen das System für verteilte Speicher via Peer-to-Peer-Technologie namens Project Celeste. Celeste speichert Daten als Datei und repliziert diese auf verschiedene Knoten, so dass diese bei Verlust einiger Knoten dennoch verfügbar bleiben. Auch die Solaris-Implementierung des “Filesystem in User Space” (FUSE) findet Sun erwähnenswert, sowie den Common Array Manager, eine Software zur Verwaltung von Festplattenspeicher, geschrieben in Java.
Sun erhofft sich von der Open-Source-Strategie Kundenzuwachs und macht einen Trend aus: „Sun hilft weiter dabei, die Community für Open Solaris heranzubilden, während wir die Einführung unseres (…) Betriebssystems weiter vorantreiben“, meint Jim McHugh, bei Sun zuständig für das Solaris-Marketing, und weiter: „Kein anderes Unternehmen ist besser positioniert, um auf dieser ansteigenden Flut mitzureiten.“ Das Unternehmen wirbt um weitere Beteiligung und verkündet, dass die Webseite ab sofort in sechs weiteren Sprachen verfügbar ist: Chinesisch, Französisch, Japanisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch; weitere sollen folgen.
Trotz des Werbetrommelns scheint eine Beteiligung an der “wachsenden Gemeinschaft” nicht ganz einfach zu sein: Der Sun-Beauftragte für Open Source, Simon Phipps sieht sich in seinem aktuellen Blog zu Erklärungen genötigt und bezieht sich auf die Frage eines Anwenders, warum Open Solaris keine Beiträge von Community-Mitgliedern akzeptiere. Dies will Phipps so nicht stehenlassen: „Open Solaris akzeptiert Beiträge von außerhalb Suns.“ Nach eigener Aussage musste er sich jedoch zunächst selbst schlau machen. Er schreibt: „Ich habe den aktuellen Status erkundet,“ und bemüht sich in seinem um Beipiele für Beiträge, die nicht aus dem Unternehmen selbst stammen.
Zunächst nennt Phipps die Integration von Ksh 93 und deren Urheber Roland Mainz gemeinsam mit seinem Sponsor. Außerdem kommt ihm Shawn Walker mit IPS in den Sinn, der daran arbeitete, bevor er bei Sun angestellt wurde. Darüber hinaus bleibt er vage: „Viele Projekte werden offen auf der Seite entwickelt“, meint Phipps. „Es gibt viele Beispiele von Nicht-Sun-Leuten, die direkte Beitragsrechte auf Projekten haben.“ Dann unternimmt er einen Versuch, das Sponsorensystem zu erläutern. Als Fortschritt betrachtet er hierbei ein neues Versionskontrollsystem namens Mercurial und verlinkt auf ein Wiki, das dieses System näher erklären soll. Hiernach könnten Aussenstehende am Code arbeiten und dann einen ein Sun-Insider finden, genannt Sponsor, der dann den Codebestand bei Sun aktualisiert. Das Open-Solaris-Projekt ON beispielsweise sei nun auf das neue System umgestellt, und Ende Oktober soll das Versionskontrollsystem Ende Oktober im Internet öffentlich einzusehen sein.
Bei seinen Nachforschungen innerhalb des Unternehmens war er offensichtlich nicht überall erfolgreich. Er schreibt: „Ich habe von einigen der Konsolidierungen keine Status-Berichte erhalten, vor allem von SFW.“ In seiner Zusammenfassung kommt er dennoch zu dem Schluss, dass Open Solaris vom Zeitpunkt seiner Veröffentlichung an „ziemlich viele“ Beiträge von Community-Mitgliedern erhalten habe. Er verteidigt das komplizierte System seines Arbeitgebers als „unvermeidbar“ und erklärt: „Es war notwendig, dass Sun-Mitarbeiter in den Fluss integriert waren, als sich das Projekt öffnete, denn das benutzte Versionskontrollsystem war Closed Source und intern.“ Er meint jedoch, dass der Prozess im Laufe der Jahre einfacher wurde, und glaubt an Fortschritte: „Dass die Tore bei Sun intern waren, hat sicher nicht zum Wachstum beigetragen (…), aber das wird endlich korrigiert.“
Sun Microsystems Lizenzpolitik stößt in der Open-Source-Gemeinschaft immer wieder auf Unverständnis. So hatte beispielsweise der Apache-Gründer Fielding die Bezeichnung „Open Source“ als Augenwischerei bezeichnet und seinen Job als Open-Solaris-Community-Manager zurückgegeben. Gleichfalls mit Verweis auf die Lizenz wies Linux-Kernel-Entwickler Alan Cox vor kurzem Gerüchte zurück, das Sun-Speichersystem ZFS könne Aufnahme in das freie Betriebssystem finden (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier. )



