Die Macher von Postmarket OS, einem freien und alternativen Betriebssystem für Smartphones, liefern ein Statusupdate und erklären, warum man mit ihrer Firmware noch nicht telefonieren kann.
Ziel des Postmarket-OS-Projekts ist ein zehn Jahre lang unterstütztes Linux, das auf Smartphones läuft. Es in die Praxis umzusetzen, erfordert vor allem Zeit. Aktuell arbeitet das Projekt vor allem daran, die Plumbing-Schicht zum Laufen zu bringen, die unterhalb der grafischen Oberfläche liegt. Es will die verschiedenen Komponenten der Entwicklung miteinander verbinden und sucht nach einem Weg, die Software in den Paketquellen zu aktualisieren, Updates einzuspielen und einen Prozess zu entwickeln, der greift, wenn solche Updates fehlschlagen.
Einen Fortschritt an der Basistechnologie kann das Projekt ankündigen: Das Flashtool “pmbootstrap” arbeitet nun getrennt von den Package Building Recipes (Aports). Beide dürfen unterschiedlichen Releasezyklen unterliegen: Während Aports dem Alpine-Linux-Branch folgt, lässt sich die Python-Software für Pythons Paketmanager Pip paketieren und nur gelegentlich aktualisieren.
Stabiles Alpine
Apropos Alpine: Bislang haben die Entwickler mit dem Developer-Zweig der leichtgewichtigen Linux-Distribution gearbeitet. Der Nachteil: Ungefähr einmal im Monat kam es zu Installationsproblemen und mussten die Entwickler ihr OS anpassen. Auf Consumer-Telefonen wäre das definitiv ein Problem. In Zukunft will das Projekt auf den Stable-Zweig wechseln, und das System im Gleichschritt mit Alpines Releasezyklus aktualisieren, das heißt, alle sechs Monate.
Builds und Nexus-5-Updates
Auch das Bauen neuer Images zog sich bislang eine Weile hin. Nun testet das Projekt einen neuen Buildservice von https://builds.sr.ht. Der soll die bislang verwendete x86_64-Buildmaschine mit 3 GHz Quadcore ablösen. Landet ein neuer Commit in den Code-Repositories des Projekts, startet der Buildprozess.
Das aktuell vom Projekt unterstützte Telefon ist das Nexus 5. Ein Entwickler hat ein Framebuffer-Problem behoben, damit der Bootprozess tatsächlich jedes Mal funktioniert. Zugleich lassen sich nun alle Backlights des Gerätes fehlerfrei verwenden.
Open-Source-Austausch
Postmarket OS läuft hauptsächlich auf älteren Geräten, will aber auch neuere unterstützen. Dazu zählen speziell die Geräte, die andere Open-Source-Projekte mit freier Software betreiben wollen, etwa die von Purism, Pine64 und Necunos. Die Entwickler arbeiten daher mit den Herstellern dieser Geräte zusammen — und profitieren auch davon. Einige der Probleme betreffen zum Beispiel sowohl Postmarket OS als auch Purism. Den Code dafür müssen die Projekt dank ihrer Kooperation nicht doppelt entwickeln.
Der Erfolg, solche Open-Source-Smartphones an normale Nutzer zu bringen, dürfte mit der Benutzbarkeit der Oberfläche stehen und fallen. Aktuell experimentiert das Projekt sowohl mit Ubports, dem inoffiziellen Nachfolger von Ubuntu Touch und mit Phosh, dem System, mit dem Purism seine Geräte ausliefern möchte. Sie auf dem Alpine Stack zum Laufen zu bringen, halte aber einige ungelöste Probleme bereit, heißt es in dem Blogpost.
Der listet am Ende nicht nur die für Entwickler interessanten Updates und neuen Features auf (etwa Tab Completion in der Shell), sondern auch die bislang von Postmarket OS unterstützten Geräte. Insgesamt bootet das System auf 112 Devices, 28 davon sind neu dazu gekommen.




