Für die Sicherheitsbranche in Deutschland ist Edward Snowden Fluch und Segen zugleich, sein Name fiel jedenfalls in der Pressekonferenz des Bundesverbandes IT-Sicherheit e.V. (Teletrust) und von Secusmart, die heute in Berlin stattfand, mehrmals.
Ein Segen ist das Thema, weil die Aufmerksamkeit für das Thema Sicherheit gestiegen ist und mehr Firmen nach sicheren Lösungen suchen. Zugleich ist es auch ein Fluch, weil das Vertrauen in Verschlüsselungslösungen von Drittanbietern durch die Enthüllungen stark gelitten hat.
Im Mittelpunkt stand eigentlich das sichere Handy von Secusmart (Das Linux-Magazin berichtete). Aber die anwesenden Referenten, mit ihren Firmen allesamt Mitglieder im Bundesverband für IT-Sicherheit e.V. (Teletrust), warben zugleich für Deutschland als Standort für IT-Sicherheit. Das ist kein Wunder, leben sie doch alle unter anderem vom Verkauf sicherer IT-Lösungen und priesen im Laufe der Pressekonferenz bekannte, weniger bekannte und teils umstrittene Lösungen an (TPM, DE-Mail).
Sicherheit durch Separation
Neben der Smartphone-Vorstellung redete unter anderem Norbert Müller von Secunet über Sicherheit durch Separation. Er verwies auf eine Sina Multilevel Workstation, die in Arbeit sei und die nicht mehr auf einem Linux-Kern, sondern einem Microkernel, basiere. Ralf Benzmüller von G Data stellte die gängigen Cybercrime-Businessmodelle vor, die Firma Net at Work präsentierte ihre Secure-Gateway-Lösung Enqsig.
Auf die Frage hin, ob Closed-Source-Software im Sicherheitsbereich nicht ein Problem darstelle, wies ein Referent darauf hin, dass in der Vergangenheit auch Sicherheitslücken in Open-Source-Produkten erst nach einer Weile entdeckt wurden. Zudem, so andere, würde auch der Quellcode einiger kommerzieller Produkte von externen Sicherheitsforschern begutachtet. Am Ende müssten die Kunden den Anbietern natürlich vertrauen, diese würden aber ihren Ruf und gegebenenfalls ihre Lizenzierung aufs Spiel setzen und zudem – anders als in den USA – gegen Gesetze verstoßen.
Gehärtetes Blackberry-Smartphone
Dass das Security-Geschäft seit Snowden moderat boomt, zeigte das als “Kanzlerhandy” vermarktete Smartphone, das Hans-Christoph Quelle von Secusmart vorstellte. Es handelt sich um ein für die sichere Sprach- und Datenübertragung gehärtetes Blackberry auf Basis des Modells Z10 mit Touchscreen. Dieses erhielt nun eine vorläufige Zulassung des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) für die Geheimhaltungsstufe “nur für den Dienstgebrauch” (VS-NfD). Laut Secusmart hätten bereits 23 Behörden etwa 1200 der Geräte geordert, deren Stückpreis Anfang des Jahres auf etwa 2500 Euro geschätzt wurde. Die Tatsache, dass Blackberry, die gleichnamige Firma hinter dem Smartphone, in Schwierigkeiten steckt, scheint den Bestellungen keinen Abbruch getan zu haben.
Auf den Smartphones läuft die Secu-Suite, die zwischen einer sicheren (geschäftlichen) und unsicheren (persönlichen) Zone unterscheidet. Erstere lässt die Anwender mobile Daten und Sprache verschlüsselt nutzen. Die persönliche Zone gebe es, um die Nutzer nicht in ihrem Komfort einzuschränken. Das käme unter anderem aus der Erfahrung mit früheren Modellen sicherer Handys. 2009 sollten die Mitarbeiter zwei sichere Handys mit sich herumtragen, eins zum Telefonieren, eines zum Surfen. Tatsächlich wurde in der Praxis häufig noch ein drittes Handy verwendet, ein I-Phone, weil es den beiden anderen Modellen an Bedienkomfort mangelte.






