Das deutsche Unternehmens SerNet hat von Microsoft die Protokoll-Spezifikationen angefordert, um die Open-Source-Software Samba interoperabel weiterentwickeln zu können.
Vor zwei Wochen hatte der Europäische Gerichtshof eine Klage von Microsoft abgewiesen und ein älteres Urteil der Europäischen Kommission bestätigt. Neben einer Zahlung von 497 Millionen Euro wurde der Konzern verpflichtet, die Spezifikationen seiner Software zugänglich zu machen, damit andere Anbieter ihre Software an das Betriebssystem anpassen können. Der Samba-Dienstleister SerNet beruft sich nun auf das Urteil und möchte bis 15. Januar 2008 die Protokoll-Spezifikationen, um Samba interoperabel mit Microsoft Windows zu entwickeln. Mit der Frist orientiert sich das Unternehmen an den 120 Tagen, die das Gericht dem Unternehmen für die Umsetzung der Forderung zugestanden hatte.
Samba ist eine freie Software, die das Server-Message-Block-Protokoll (SMB) für Linux- und Unix-Systeme verfügbar macht und somit Funktionen eines Windows-Servers übernehmen kann. Aktuell arbeitet das Samba-Team an Software, die die Interoperabilität von Samba-Servern mit Windows-Servern und Microsofts Active Directory weiter verbessern soll. Unter dem Namen “samba4AD” soll in einem Teilprojekt ein Active-Directory-Server in Samba entwickelt werden, wofür die Protokoll-Spezifikationen von Microsoft notwendig wären. Das deutsche Unternehmen SerNet ist einer der Hauptakteure im internationalen Samba-Projekt und übernimmt daher eine Sprecherrolle. SerNet-Geschäftsführer Johannes Loxen sieht hinter der Forderung vor allem Lizenzprobleme: “Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass wir Samba weiter unter der GPL Version 3 entwickeln können”, so Loxen. Er hält die von Microsoft angebotenen Lizenzverfahren MCPP und WSPP nicht für praktikabel für das Open-Source-Projekt, zudem seien diese nicht mit der GPL v3 vereinbar.
Microsoft hatte sich in einer öffentlichen Erklärung von der GPL v3 distanziert und die Regelungen vorbeugend für unwirksam erklärt. Das Samba-Projektteam hingegen hatte bereits kurz nach Einführung der dritten Version der GPL auf die neue Lizenz umgestellt und gleichzeitig die umstrittenen Patentvereinbarungen des Softwarekonzerns mit verschiedenen Linux-Anbietern verurteilt. Der SerNet-Chef erwartet deshalb auch kein schnelles Ende der Debatte: “Wenn Microsoft einen Lizenz-Vertrag anbietet, der mit der GPL v3 nicht vereinbar ist, nützen uns die Spezifikationen nichts”, sagt Loxen in einem Gespräch mit Linux-Magazin Online.





