Rück-Sicht 16/18

Ein weiteres Zeichen der Kehrtwende von Microsoft in Sachen Linux, ging in der letzten Woche durch die Presse: Der Konzern aus Redmond startet ein richtungsweisendes IoT-Projekt nicht unter Windows, sondern mit eigenem Linux-Kernel.

Wie können uns nicht mehr vorstellen, wie es gewesen sein muss, tagelang in einer Postkutsche über Land zu rumpeln, und das für eine Entfernung, die man heute im Auto in ein paar Stunden überbrückt. Und unsere Kindeskinder werden sich nicht mehr vorstellen können, dass man dabei noch selber lenken und bremsen musste. Fast genauso unverständlich muss es einem jüngeren IT-Anwender anmuten, der erlebt wie Microsoft heute Linux umgarnt, wie erbittert der Redmonder Konzern noch vor zehn Jahren seinen vermeintlichen Todfeind bekämpfte. Da war vom Krebsgeschwür die Rede, wurde Linux als “unamerikanisch” beschimpft und Microsoft-Verkäufer waren angehalten, ihre Kunden nach Linux-Installationen auszuforschen und sie ihnen mit aller Macht auszureden. Und heute? Kündigt Microsoft sein eigenes Linux an.

Auf der Konferenz RSA 2018 stellte Microsoft eine Preview seines Linux-basierten Microcontroller-OS Microsoft Azure Sphere vor. Die Software will ganz besonderen Wert auf Sicherheit legen und adressiert damit ein gerade im IoT-Umfeld lange vernachlässigtes Thema. Die Sicherheitsmechanismen sollen bei der Hardware beginnen und sich bis in die Cloud hinein erstrecken, und das mit einer schlüsselfertigen Lösung, die keine zusätzliche Infrastruktur braucht. Das System wird einen Zertifikats-basierten Authentifizierungsmechanismus haben und sämtlichen Code in voneinander isolierten Containern ablaufen lassen. Ein von Microsoft designter Chip, den Prozessorhersteller kostenlos nachbauen dürfen, soll die physische Komponente bilden. So sieht sich Microsoft gut gerüstet für eine Welt, in der in naher Zukunft Milliarden Geräte in Haushalten wie in der Industrie miteinander vernetzt sein werden.

Erste öffentliche verfügbare Entwicklerkits von Azure Sphere sollen Mitte des Jahres erhältlich sein.

Rück-Sichts-voll

Jens-Christoph Brendel

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben