Rück-Sicht 09/18

Die blutigen Browserkriege liegen heute Jahrzehnte zurück. Einen einsamen Browser-Monopolisten wie damals gibt es auch schon längst nicht mehr. Aber immer mal wieder neue Herausforderer, wie letzte Woche den Sushi-Browser.

Die älteren werden sich noch erinnern: Es war Anfang der 90er Jahre, das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und als Browser für das brandneue WWW hatte sich der Netscape Navigator etabliert, mehr als 80 Prozent der Benutzer surften damit durch das Netz. Microsoft hatte die Entwicklung zunächst etwas verschlafen und wäre vielleicht auch damals noch nicht aufgewacht, hätte sich der Netscape Navigator nicht angeschickt, sich zu einer Art Schweizer Taschenmesser zu entwickeln, ein universelles Tool, das mit allerlei Zusätzen aufgewertet wurde, die sich auf Netscapes APIs stützten. Am Ende, befürchtete Microsoft, würde das Betriebssystem nich mehr so wichtig sein, weil viele Applikationen im Browser laufen könnten. Und den Netscape Browser gab es für viele Plattformen.

Von dieser Vision aufgeschreckt, setzte Microsoft ab Mitte der 90er Jahre alles daran, Netscape vom Markt zu drängen.
Der Konzern hatte dabei zwei Asse im Ärmel: Erstens das Geld. Microsoft investierte, wie vor Gericht festgestellt wurde, jährlich um die 100 Millionen Dollar in die Entwicklung und Vermarktung seines Internet Explorers. Den offerierte es zudem von Anfang an kostenlos, wogegen Netscapes Navigator zunächst kostenpflichtig war. Zweitens die Integration des Browsers in das Betriebssystem. Dadurch landete der Microsoft Browser auf Anhieb auf fast allen neu verkauften PCs. So gelang es Microsoft binnen weniger Jahre die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen: Bis 2003 stiegt der Microsoft-Anteil auf 95 Prozent und der Navigator schmierte auf unter vier Prozent ab.

Freilich, auch diese Monopolstellung war nicht von Dauer. Heute rangiert der Internet Explorer in Deutschland wieder bei um die vier Prozent. Die Spitzenpositionen sind an Googles Chrome (38 Prozent), Apples Safari (24 Prozent) und Mozillas Firefox (18 Prozent) vergeben. Einen nicht unbeachtlichen Anteil haben inzwischen Browser auf Mobilgeräten (Samsung-Browser: 6,4 Prozent) und zu den vielen kleineren Projekten wie Opera oder Vivaldi gesellen sich immter wieder auch neue Mitbewerber.

Wie in der vergangenen Woche der Sushi-Browser. Der Blog deskmodder.de meldet das.  Eine der Neuerungen dieses Browsers ist beispielsweise, dass sich das Hauptfenster in viele kleinere, horizontal und vertikal anordenbare Panels aufteilen lässt, von denen einige Terminalfenster, Datei-Explorer oder Texteditoren aufnehmen können. Der Browser versteht Mausgesten und kann Musik oder Bilder in parallelen Streams downloaden. Auch ein Addblocker ist serienmäßig eingebaut. Allerdings plagen ihn auch noch einige Kinderkrankheiten. So ist der Adblocker bislang nicht konfigurierbar, sodass dem Benutzer die meisten modernen Medienwebseiten versperrt bleiben, die sich über Anzeigen finanzieren wmüssen und deshalb Blocker verbieten. Weil sie sich von der Anzeigensperre nicht ausnehmen lassen, sind sie für den Sudshi-Browser nicht erreichbar. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler dieses Problem noch lösen, schließlich ist der Sushi-Browser mit Version 0.14.3 noch im Kleinkindalter.

Rück-Sichts-voll

Jens-Christoph Brendel

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