Mozilla hat letzte Woche ein neues Homeautomationsgateway vorgestellt, dass sich gegen Vendor-Lock-in und Monopolisierungsversuche der Internet- und Elektronikkonzerne in Stellung bringt.
Betrachtet man alleine, welche Alternativen für drahtlosen Informationsaustausch zwischen Sensoren, Aktoren und Servern bei der Heimautomation gebräuchlich sind, kommt man auf eine ansehnliche Liste: Da gibt es Zigbee mit darauf aufsetzenden Technologien wie Ikea Tradfri und Philips Hue, Z-Wave, KNX-RF, BidCos, Bluetooth und ganz normales WiFi mit wiederum davon abgeleiteten Verteilertechniken wie beispielsweise Logitech Harmony. Natürlich sind die meisten dieser Ansätze untereinander inkompatibel und ihre Hersteller versuchen, mit Ihnen Kunden an sich zu binden, sobald die erst einmal Lampen, Thermostate oder Medientechnik ihres Zuschnitts gekauft haben.
Wer mehrere Technologien benutzt, braucht in der Regel auch mehrere Apps und schaltet mit der einen die Stehlampe, mit der anderen den Fernseher und so weiter. Etwas gemildert wird dieses Problem für diejenigen, die sich einen der Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Google Home anschaffen. Vorausgesetzt, der Assistent lässt sich um entsprechende Skills erweitern, taugt er dann als einheitlicher Anlaufpunkt. Allerdings nimmt der Anwender dann auch die potenzielle akustische Dauerüberachung in Kauf.
Mozilla möchte nun eine einheitliche Steuerzentrale für smarte Hausgeräte bieten, die diesen Nachteil nicht hat. Im Rahmen des Projekts Things veröffentlichte es letzte Woche ein neues Things Gateway. Pro Linux berichtete davon.
Das Projekt verspricht, alle Geräte über ein einziges Webinterface zu steuern. Allerdings ist das momentan noch etwas vollmundig, denn die Liste kompatibler Technologien weist nur Zigbee und Z-Wave aus. Allerdings erlaubt es ein Add-on-System, nach und nach weitere Protokolle nachzurüsten. Auch ist die Sprachsteuerung vorerst nur experimentell.
Das Gateway selber läuft auf einem Raspberry Pi und verfügt über eine Reihe interessanter Features. So sollen sich einfache Wenn-dann-Regeln hinterlegen lassen, die beispielsweise verschiedene Geräte gemeinsam ein- und ausschalten könnten. Auch ein Gebäudeplan ist integrierbar, der die Standorte von Geräten verzeichnet.
In Zukunft sollen weitere Adapter für zusätzlich ansteuerbare Technologien folgen und APIs für verschiedene Programmiersprschen. Die Sprachsteuerung soll ausgebaut werden und das Web-Things-Format nebst API stehen zur Standardisierung beim W3C an. Alles in allem ein interessantes Projekt, das sich zu verfolgen lohnt.
Rück-Sichts-voll
Jens-Christoph Brendel





