Die Open Source Initiative hat ihren 20ten Geburtstag gefeiert. Das ging in der letzten Woche durch die Presse und selbst Tageszeitungen berichteten darüber, etwa die Frankfurter Neue Presse.
Vor 20 Jahren, als die US-Hacker-Legenden Eric S. Raymond und Bruce Perens die Open Source Software Initiative gründeten, gab es Open Source schon eine Weile. Linux existierte auch schon und sogar das Linux-Magazin erschien bereits als recht ansehnliches Print-Magazin mit farbigen Umschlagseiten. Wer in den alten Ausgaben blättert, begibt sich auf eine Reise in eine andere Zeit. Eine Zeit, in der ein einfacher Linuxrechner mit heute lächerlichen 64 MByte RAM an die 2000 D-Mark kostete. Die Festplatten waren damals in Gigabyte so groß wie heute in Terabyte. Eine Linux-Distribution auf 3 CDs brachte es auf stolze 400 D-Mark – aber das war ein Schnäppchen, angesichts der Unix-Lizenzkosten von mehreren Tausend Mark pro Rechner. Dabei waren die ersten Unixe an Universitäten entstanden und konnten anfangs als eine Art Open-Source-Vorläufer ziemlich frei weitergegeben werden. Die Kommerzialisierung ab Ende der 70er Jahre machte dem ein Ende.
Die Reise führt in eine Zeit, in der es dem CeBIT-Berichterstatter erwähnenswert schien, dass “mehr als zehn Leute” den Stand von Suse “umlagerten”. Eine Zeit, in der viele zum ersten Mal Bekanntschaft mit Linux und freier Software schlossen und der Bedarf an Aufklärung und Einführung groß war. Kurz zuvor war Raymonds berühmter Essay “The cathedral and the basar” veröffentlicht worden, der die Vorzüge kollaborativer, offener Entwicklung freier Software propagierte. In diese Zeit also fällt auch die Geburtstunde des Open Source-Begriffs und der Institution OSI. Von da an lief der Weg von Open Source vom Außenseiter zur allgegenwärtigen Selbstverständlichkeit parallel zum Aufstieg von Linux vom exotischen Nerd-Spielzeug zu einem der zumindest im Rechenzentrum gängigsten und am häufigsten genutzten Betriebssysteme überhaupt.
Die OSI, die sich von Anfang an als Propagandist und Beschützer der Open-Source-Idee verstand, hat diesen Weg aktiv begleitet. So entwickelte sie gleich zu Anfang eine Open-Source-Definition und stellte kurze Zeit später eine Liste von Lizenzen zusammen, die dieser Definition entsprachen. Diese Liste wird bis heute gepflegt. Auf ihr stehen heute neben der GPL etwa die Apache License, die FreeBSD License, die Mozilla License oder die Common Development and Distribution License (CDDL). Darüber hinaus legte sie die Anforderung fest, die offene Standards auszeichnen sollen (Open Standards Requirement for Software) und engagierte sich vielerorts für die Migration der Software von Behörden und öffentlichen Einrichtungen zu Open-Source-Alternativen. So hat sich die OSI neben der Free Software Foundation inzwischen zu einer von der Community der Entwickler freier Software anerkannten, internationalen Interessenvertretung entwickelt. Happy birthday, OSI!





