Am Rande des Firmenkongresses HP Discover in Las Vegas gab HP Einblicke in den Stand der Entwicklung seines zukunftweisenden Rechnerkonzepts The Machine.
Mit dem Konzept The Machine will HP die sich abzeichnenden Beschränkungen für den Zuwachs an Rechenleistung herkömmlicher Architekturen überwinden. HP Forscher zeigen sich überzeugt, dass sich ihr Ansatz langfristig überall durchsetzen wird. Im Moment befindet sich das Projekt allerdings noch in einer frühen Entwicklungsphase: In einem Jahr soll es einen funktionierenden Prototypen geben, in zwei Jahren soll sich dessen Skalierbarkeit deutlich erweitern und zum Ende des Jahrzehnts soll die Serienfertigung beginnen.
Im Unterschied zu heutigen IT-Architekturen steht bei The Machine der Speicher im Mittelpunkt des Universums. Zukünftig wird es sich dabei um nichtflüchtigen Speicher (non-volatile Memory) handeln, der in der Prototypphase noch durch herkömmliche DRAMs simuliert werden soll, später aber aus Phase-Change Memory (PCM) und danach aus Memristors bestehen soll.
Um den Speicher herum gruppieren sich CPUs, die unabhängig vom Speicher angehalten und hochgefahren werden können. Die gesamte Kommunikation basiert auf Lichtwellenleitern anstelle von Kupferkabeln, die Inhalte sind durchweg verschlüsselt. Allein dieser Sicherheitsgewinn, so HP-Verantwortliche, würde die Entwicklung von The Machine rechtfertigen.
Was man sich aber eigentlich davon verspricht, ist ein Zuwachs an Rechenleistung, der vor allem darauf beruht, dass der zeitraubende Transfer von Daten aus dem Massenspeicher in den RAM entfällt, weil sich von Anfang an alle Daten im Hauptspeicher befinden. Damit sollen nicht nur heute bekannte Workloads enorm beschleunigt, sondern auch Workloads berechenbar gemacht werden, die mit heutiger Technik nicht zu bearbeiten sind, weil sie dafür zu komplex sind. Als ein Beispiel wurde etwa auf die Flughafenlogistik verwiesen. Holt heute ein Flugzeug im Reiseflug einen Zeitgewinn heraus, muss es diese Zeit oft später nach der Landung warten, weil es unmöglich ist, ihm schnell ein Gate mit allen damit verbundenen Prozessen zuzuweisen (Bodencrew, Gepäck, Sicherheit, Reinigung, Betanken und so weiter). Mit The Machine soll es möglich werden, alle Gates und die Parameter aller nötigen Abfertigungsprozesse eines Flughafens im Speicher zu behalten und das sehr komplexe Zusammenspiel in kürzester Zeit zu optimieren, sodass die Wartezeit entfällt.
An Betriebssystemen für The Machine wird geforscht, zunächst soll es aber auf ausdrücklichen Wunsch der meisten Kunden Linux sein. Ein neues Betriebssystem würde zusätzliche Risiken bergen und Linux erscheint den meisten potenziellen Anwendern als ausgereifte und performante Alternative, die sie zumindest in der Anfangsphase bevorzugen. HP beteiligt sich gezielt an der Entwicklung des Linux-Kernels um dort Features einzubringen, die eine solche speicherzentrierte Architektur benötigt.





