Redis ändert seine Lizenz nicht

Der Redis-Entwickler Salvatore Sanfilippo hat etwas Klarheit in die Kontroverse um die angebliche Relizenzierung von Redis gebracht. Zugleich befeuert der Streit die Diskussion um Lizenzen und die GPL.

Die Kontroverse entspann sich nach einer Lizenzänderung von Redis Labs. Die wurde so verstanden, dass Redis neben der Apache-2.0-Lizenz nun auch unter der Common Clause steht. In dieser Zusatzklausel steht, dass die Software nicht weiterverkauft oder gegen einen geldwerten Vorteil weitergegeben werden darf.

Redis Labs begründet den Schritt damit, dass sich zum Monopol neigende Cloudprovider die Software ohne Gegenleistung nehmen und sie in eine proprietäre Dienstleistung verwandeln, um damit Millionen zu verdienen. Zugleich gäben die Cloud Provider nichts an die Open-Source-Community zurück und beschädigen diese eher. Der Redis-Labs-Artikel verlinkt dabei auf einen Geekwire-Artikel, der vor allem Google, Amazon und Microsoft als Beispiele für Open-Source-Profiteure nennt.

Redis-Entwickler Salvatore Sanfilippo ruderte gestern in einem eigenen Blogpost aber zurück: Der Redis-Labs-Post sei missverstanden worden, die Lizenzänderung beziehe sich lediglich auf einige Redis-Module (meist Enterprise-Add-ons) von Redis Lab, darunter Redisearch, Redis Graph, Re-Json, Redis-ML und Rebloom.

Opfer des Erfolgs

Tatsächlich weist der Redis-Streit gleich auf mehrere tiefergehende Probleme im Open-Source-Bereich hin. Denn auch die Open-Source-Entwicklung findet nicht in einem kapitalismusfreien Raum statt und wirft Fragen auf: Können Open-Source- und Free-Software-Entwickler heute und künftig von ihrer Arbeit leben? Sollten sich die großen Cloudanbieter, auch wenn sie mittlerweile viel Software an die Community zurückgeben, stärker an der Finanzierung von Entwicklern kleinerer Projekte beteiligen? Profitieren kleinere Projekte tatsächlich vom Einsatz liberaler Lizenzen wie der MIT- oder Apache-2-Lizenz oder sollten sie nicht besser Copyleft-Lizenzen wie die GPL oder ähnliche nutzen?

Im Fall von Redisearch genügte den Entwicklern am Ende offenbar selbst die AGPL nicht: Das Modul steht künftig unter der Apache-2-Lizenz mit Common Clause. Es darf also eingesetzt werden, so lange die Unternehmen nicht direkt von der zugehörigen Software profitieren. Unternehmen dürfen Redisearch beispielsweise in der eigenen Infrastruktur einsetzen, auf deren Basis sie dann die eigentliche zu verkaufende Software herstellen. Im Rahmen eines kommerziell angebotenen Clouddienstes dürfen sie Redisearch allerdings nicht mehr einsetzen.

Finanzierungsfragen

Ein mögliches Modell, um das Open-Source-Finanzierungsproblem anzugehen, liefert der Security-Bereich. Hier sammelt die Core Infrastructure Initiative der Linux Foundation das Geld verschiedener großer Unternehmen ein und verteilt es an die Entwickler in wichtigen Krypto-Basisprojekten.

Allerdings haben hier die Unternehmen eingesehen, dass sie alle von einer besseren Codequalität profitieren und steuern die Entwicklung der Software unter Umständen auch mit. In anderen Bereichen dürfte dieses Modell schwieriger umzusetzen sein. Die Diskussion dürfte daher noch eine Weile anhalten.

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1 Kommentar
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Heia Rulott
7 Jahre her

Schade, dass es immer erst soweit kommen muss. Aber nicht nur in dem Bereich.
Was nicht explizit verboten ist, wird getan, kein Gedanke daran, ob man das nicht doch lieber lassen sollte.

Im Bus darf ich auch keinen Kaumgummi mehr kauen, hab selber aber noch nie einen dort hingeschmiert…

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