Laut einer aktuellen Umfrage setzt mehr als die Hälfte der US-Behörden derzeit Open-Source-Software ein. Ihre Wahl begründen die Befragten mit Sicherheitserwägungen, sehen diese aber gleichzeitig als größtes Hindernis.
Hinter der Studie stehen die Unternehmen HP, Intel und Linux-Hersteller Red Hat, die unter dem Namen Federal Open Source Alliance den Einsatz von Linux und Open Source Software (OSS) in Behörden vorantreiben wollen. Im Auftrag dieser Arbeitsgemeinschaft wurden im Oktober 2007 per Online-Umfrage 218 Entscheider in US-amerikanischen Behörden befragt, aufgeteilt in die Sektoren Verteidigungsministerium (DoD), Nachrichtendienste (Intelligence) und Bundesbehörden. 55 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass OSS bei ihnen bereits eingesetzt oder derzeit implementiert wird. Von den bisher OSS-Abstinenten wollen dies laut der Umfrage 29 Prozent innerhalb der nächsten zwölf Monate ändern. 71 Prozent der Befragten glauben, dass der Einsatz freier Software mit Vorteilen für die öffentliche Verwaltung verbunden ist.
Als Hauptgründe für ihre Wahl nennen die Behördenmitarbeiter die guten Sicherheitsfunktionalitäten, die Anpassungsmöglichkeiten sowie die Anforderungen durch Konsolidierung der Datenbestände. Unter den Geheimdiensten hat OSS mit 88 Prozent besonders viele Fürsprecher. Allerdings halten 34 Prozent von denen, die mit OSS Erfahrungen sammeln konnten, Sicherheitsaspekte gleichzeitig für die größte Herausforderung. Erst an zweiter Stelle (30 Prozent) wurden die Anforderungen an das Zusammenwirken von freier Software mit proprietären Systemen genannt. Interessanterweise nehmen die Sicherheitsaspekte bei 40 Prozent der OSS-Gegner gleichzeitig den zweiten Rang für die Ablehnung ein. Als einziges Argument, das noch häufiger dagegen sprach, wurde von 42 Prozent “Festhalten am Status quo aus organisatorischen Gründen” genannt. Weiterhin befürchten die Bedenkenträger, dass es an konsistenten Standards und technischem Support mangelt. Ist freie Software erst einmal im Einsatz, sind 97 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Verlauf der Projekte.
“Die Studie zeigt, dass Open Source gleichzeitig Mainstream-Thema und polarisierender Faktor in der Behörden-IT ist”, sagt Nigel Ballard, zuständig für Behördenmarketing bei Intel. Die Aufgabe der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft beschreibt er so: “Wir wollen uns darauf konzentrieren, zum Erfahrungsaustausch diejenigen, die bereits umgestellt haben mit denen in Kontakt zu bringen, die das noch nicht getan haben. So können sie Erfahrungen austauschen, zusammenarbeiten und die besten praktischen Ansätze austauschen.” Unter den Behörden, die im Lauf des nächsten Jahres auf Open Source migrieren wollen, nehmen die Nachrichtendienste mit 66 Prozent wieder eine Vorreiterstellung ein. Eine Ursache könnte darin liegen, dass die amerikanische National Security Agency (NSA) das Linux-Sicherheitsprojekt Security Enhanced Linux (SE Linux) unterstützt. Dies wiederum ist das Sicherheitssystem, das der an der Studie beteiligte Distributor Red Hat in seiner Distribution einsetzt.
Auf der Projektseite steht das Studienergebnis zur Verfügung. Die Befragung soll im Jahresrhythmus wiederholt werden, weitere Studien sind geplant.



