Eine Gruppe Hardware-Enthusiasten plant für Anfang November den offiziellen Launch des neuen Open-Hardware-Labels “OHANDA” (Open Source Hardware and Design Alliance). Interessenten für das Etikett gibt es bereits.
Das Label, das wie eine Marke gedacht ist, soll die Funktion einer auf dem Gerät sichtbaren Nutzungsrechtserklärung erfüllen. Zweck ist, dass Hersteller ihre Geräte mit auf Hardware angepassten, standardisierten Copyleft-Rechten ausstatten können. Daher entstand die Idee des Ohanda-Labels und einem entsprechenden Registrierungsprozess. Das Projekt Ohanda will sich um den entsprechenden Registrierungs- und Zertifizierungsprozess kümmern.
Die vorliegenden freien Softwarelizenzen seien auf Hardware schlecht anwendbar, heißt es in einer Selbstdarstellung des Projekts. Zu dem Ohanda-Label gehören vier Freiheiten, die der Hersteller dem Anwender gewährt. Sie stützen sich auf die vier Freiheiten der Free Software Definition, in denen das Projekt nach eigenen Angaben lediglich das Wort “Programm” mit dem Verbund “Gerät und Design” ersetzt hat: Das Projekt versteht sich als pragmatisch und möchte in erster Linie einen ersten Schritt in die Richtung gehen, GPL-Bedingungen auf Hardware anzuwenden. Bis ins Letzte möglich ist das nicht: Wer GPL-Software verändert und weiter verteilt, ist verpflichtet die GPL wieder zu verwenden. Wer aber Ohanda-Hardware nachbaut, kann nicht in gleichem Maße zum Labelling verpflichtet werden wie der Ohanda-registrierte Hersteller – denn der Nachbauer müsste seine Hardware ebenfalls registrieren.
Das Ohanda-Label ist übrigens nicht zu verwechseln mit der “Respects your Freedom”-Initiative der Free Software Foundation. Während Ohanda sich auf Geräte aller Art bezieht, also konkret Hardware, geht es der Free Software Foundation im Gegensatz dazu eher Software-orientiert um Hardware, die mit freier Software kompatibel ist. In seinem Wiki nimmt das Ohanda-Projekt selbst zu der Frage Stellung, warum es ein neues Label gründet und nicht mit der FSF oder auch den Creative-Commons-Leuten zusammenarbeitet. Auch die Open Source Hardware Definition deckt einen anderen Aspekt ab als Ohanda, nämlich einen theoretischen und rechtlichen.

Ohanda ist das Ergebnis einer Initiative von Teilnehmern der Gosh 2009, von denen hier einige abgebildet sind.
Einer der treibenden Kräfte hinter dem Projekt ist Jürgen Neumann, IT-Manager aus Berlin. Er ist seit Beginn der 2000er Jahre in diverse Projekte involviert, unter anderem Freifunk.net, und hatte im Jahr 2007 “die Nase voll davon, ständig Geräte zu flashen”, wie er auf seiner Webseite schreibt. Nach Initiativen wie der Open Hardware Initiative 2007 und nach der Mitorganisation eines Open Technology Summit in Taiwan 2008 wurde der heute 44-Jährige im Jahr 2009 von den Machern zu dem Open-Hardware-Treffen Gosh (der Grounding Open Source Hardware) nach Kanada eingeladen. Dort entstand aus einem Arbeitsgruppentreffen die Idee Ohanda.
Im Moment ist Ohanda nach den Worten Neumanns eine “lose Community”, die mit dem Launch Anfang November offiziell als Open-Hardware-Lizenzierungsstelle in Erscheinung treten will. Interessenten gibt es schon: Darunter befindet sich der vom Milkymist-Projekt bekannte Sébastien Bourdeauducq mit zwei Systemen, sowie der Franzose Xavier Carcelle mit einer kommerziellen Asterisk Appliance (Carcelle tauchte auch schon bei Linux-Magazin Online auf). Insgesamt gibt es derzeit fünf bis zehn Hersteller, darunter auch größere und sogar staatliche, die sich für das Label interessieren oder bereits Verhandlungen aufgenommen haben, sagte Neumann der Redaktion.

