OOXML: DIN dementiert Berichte über Unregelmäßigkeiten

Erneut wird von Unregelmäßigkeiten bei der ISO-Standardisierung von Microsoft OOXML berichtet. Das deutsche Institut für Normung (DIN) sieht sich zur Klarstellung genötigt.

In einer Pressemitteilung am späten Freitagabend wehrt sich das Institut gegen die Vermutung von Unregelmäßigkeiten beim deutschen Abstimmungsergebnis. Ausgelöst wurden die Gerüchte von öffentlichen Spekulationen durch den Standards-Aktivisten Andy Updegrove, die von einigen Medien aufgegriffen wurden. Dieser hatte unter Berufung auf einen Freund innerhalb des Ausschusses auf seiner Webseite Consortiuminfo.org berichtet, dass der DIN-Ausschuß aufgrund falscher Informationen zugunsten von OOXML gestimmt habe. In seiner offiziellen Stellungnahme bezeichnet das DIN die Berichterstattung als “falsch und irreführend”. Das Institut stellt klar, dass das zitierte Abstimmungsergebnis sieben zu sechs bei sieben Enthaltungen inhaltlich nichts mit der Standardisierung des Dokumentformats zu tun hatte. Stattdessen habe die zitierte Abstimmung den Abstimmungsvorgang bei der ISO-Organisation selbst zum Thema gehabt.

In einem Treffen im Februar in Genf sollten abstimmungsberechtigte Länder die zahlreichen Kommentare und Änderungsvorschläge zu OOXML diskutieren. Berichten zufolge verlief dieses “Ballot Resolution Meeting” zumindest ungewöhnlich (Linux-Magazin Online berichtete). Nun sollte ein DIN-Mitarbeiter zu den Vorgängen Stellung nehmen. In der Erklärung heißt es: “Zur Entscheidung stand lediglich, ob nach formalen Kriterien der Prozessablauf in der ISO nach Meinung des Lenkungsgremiums fehlerhaft gewesen sei.” Das Lenkungsgremium sei nicht aufgerufen gewesen, die fachliche Entscheidung zu OOXML als Standard zu beurteilen und diesbezüglich auch nicht zur Abstimmung berechtigt. Vielmehr sei es in der zitierten Sitzung am 27. März um die Regularien des so genannten JTC1-Fast-Track-gegangen; die Ausschussmitglieder sollten darüber entscheiden, ob die Regeln des ISO-Prozessablaufs eingehalten wurden. Es heißt: “Mit einer Mehrheit von 7 zu 6 Stimmen bei 7 Enthaltungen hat das Lenkungsgremium den Prozessablauf als regelgerecht anerkannt und damit keinen Grund gesehen, das Ja-Votum des Arbeitsausschusses aufzuheben.” Dieses denkbar knappe Ergebnis führte dazu, dass das Votum des deutschen Gremiums über OOXML nicht automatisch in eine Enthaltung geändert wurde, wie es in der Erklärung heißt. In dem ersten Durchlauf der ISO-Abstimmung hatte das deutsche Gremium mit “Ja, mit Kommentaren” gestimmt. Nach der umstrittenen Sitzung im Februar hielt der Ausschuß sein Votum aufrecht, mit fünfzehn zu vier Stimmen. Das Institut betont: “Abgestimmt haben hierbei die im Gremium mitarbeitenden Experten. Das DIN als solches hat in einem Arbeitsausschuss keine Stimme.”

Unterdessen berichtet eine Informationsseite des IADBC-Projekts der Europäischen Kommission über weiter zunehmende Kritik an der Standardisierung: Die Präsidentin der europäischen Akademie für Standardisierung, Tineke Egyedi, zweifelt grundsätzlich am Sinn eines zweiten Dokumentstandards. Egyedi arbeitet in der Forschung für technische Standards an der Technischen Universität in Delft und sagte in einer öffentlichen OOXML-Diskussion an der Universität: “Was sollen wir mit einem zweiten Standard machen, der sich mit dem ersten überschneidet? Dies steht im Konflikt mit den Regeln der World Trade Organisation.” Hiermit bezieht sie sich auf eine WTO-Vereinbarung über Technische Barrieren im Handel, wonach Überschneidungen und Doppelungen vermieden werden sollen. Die ISO hatte das freie Open Document Format (ODF) im Jahr 2006 als Standard eingeführt.

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