Novells größter Kunde: Microsoft will Linux für weitere 100 Millionen US-Dollar

Microsoft meldet große Nachfrage nach Software-Lizenzen – für Linux. Daher will das Unternehmen dem Linux-Distributor Novell bis zu 100 Millionen US-Dollar mehr zahlen; die Kooperationsvereinbarung zwischen den Unternehmen wurde deshalb ausgeweitet.

Am 1. November soll Novell das Geld von Microsoft bekommen, zusätzlich zu den bisher vereinbarten 240 Millionen US-Dollar. Wie auch schon im alten Abkommen kauft Microsoft für das Geld bei Novell Software und Support für Suse Linux Enterprise Server (SLES), die an die eigenen Kunden weiter verkauft werden. Die aktuelle Vereinbarung geht jedoch über den Kaufvertrag hinaus: Die Unternehmen wollen ihre wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit weiter ausbauen, mit besonderem Augenmerk auf die Kunden mit heterogener Landschaft aus Windows- und Linux-Servern. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis 1. Januar 2012.

Nach eigenen Aussagen hat Novell in den letzten 18 Monaten 153 Millionen US-Dollar für Lizenzen in Rechnung gestellt, und Microsoft bezeichnet die Resonanz auf die Zusammenarbeit als „überwältigend“. Das Softwareunternehmen zählt einige Kunden auf, die SLES-Lizenzen gekauft haben, darunter die Supermarktkette Wal-Mart, den Finanzdienstleister HSBC Holdings, Autohersteller Renault und BMW sowie die Fluggesellschaft Southwest Airlines. Ron Hovsepian, President und CEO von Novell, sieht seinen Kurs bestätigt: „Die Interoperabilität, die wir mit dieser Partnerschaft ermöglichen, hat die Nachfrage nach SUSE Linux Enterprise durch Kunden und Vertriebspartner weiter gesteigert und bestätigt die Linux-Strategie von Novell“, so lässt er sich in der Pressemeldung zitieren. In der Vereinbarung verpflichtet sich Novell zu weiteren Investitionen in die Technik ihrer Linux-Unternehmensprodukte im Allgemeinen sowie zur Interoperabilität mit den Microsoft Windows Server Produkten im Besonderen; eine Summe wird nicht genannt.

Gemeinsam betreiben die beiden Unternehmen ein Interoperability Lab in Cambridge (USA), und um dem Bereich in Deutschland mehr Gewicht zu verleihen, wurde Anfang Mai die Position als Leiterin Interoperabilität neu geschaffen und mit Sandra Schäfer besetzt (Linux-Magazin Online berichtete). Schäfer kommentiert die Ausweitung der Zusammenarbeit: „Kunden möchten Windows Server und Linux gemeinsam nutzen, aber in vielen Fällen benötigen sie Hilfe bei der Migration von anderen Linux-Umgebungen auf Suse Linux Enterprise Server. Unsere erhöhten Investitionen in der Kooperation mit Novell ermöglichen unseren Kunden und Partnern die Nutzung der optimalen Windows-Linux-Interoperabilitätslösung.“ Auch in weiteren Bereichen wollen sich die Unternehmen austauschen und nennen als Beispiele Virtualisierungslösungen, System-Management, Verzeichnis- und Identitätsverwaltung, Kompatibilität von Dokumentenformaten, Zugriffs-Technologien sowie das Moonlight Multimedia Framework, das die Nutzung der Silverlight-Technologie unter Linux ermöglicht.

Auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite werben die Unternehmen mit weiteren Informationen für ihre Kooperation. Die Zusammenarbeit reicht buchstäblich weit: seit April 2008 werben die Partner gemeinsam um chinesische Kunden.

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