Zehn Jahre nach der Gründung stellt Nextcloud mit Hub 26 Winter das bislang größte Architektur-Update seiner Geschichte vor. Die neue ADA Engine verspricht deutlich bessere Performance für große Installationen, während erweiterte Föderation und verbesserte Datenmigration die digitale Souveränität weiter stärken.
Am 18. Februar 2026 hat Nextcloud die neue Version seiner Open-Source-Kollaborationsplattform veröffentlicht. Hub 26 Winter markiert einen Wendepunkt in der technischen Entwicklung: Mit der ADA Engine hat das Team zentrale Teile der Datenzugriffsschicht neu geschrieben, in PHP, Go und Rust. Doch das Release liefert weit mehr als nur Architekturarbeit unter der Haube. Erweiterte Föderationsfunktionen, eine überarbeitete Datenmigration und zahlreiche Verbesserungen in Talk, Mail und Office machen Hub 26 Winter zu einem umfangreichen Update.
Nextcloud läuft nach eigenen Angaben inzwischen auf über 500.000 Servern weltweit, einige davon mit Millionen von Nutzern. Allein 2025 seien mehrere Hunderttausend, teils Millionen neue digitale Arbeitsplätze pro Monat ausgerollt worden, im öffentlichen Sektor allein über 100.000 monatlich. Zu den prominenten Anwendern zählen die Deutsche Telekom mit ihrem MagentaCLOUD-Dienst, das französische Bildungsministerium mit über einer Million Beschäftigten, das österreichische Wirtschaftsministerium sowie zahlreiche Städte, Universitäten und Krankenhäuser. Im Pressbriefing nannte Jos Poortvliet, Co-Founder von Nextcloud, außerdem die Stadt Amsterdam, die mit rund 200 eigenen Entwicklern eine Pilotierung vorbereitet.
Frank Karlitschek, CEO und Gründer von Nextcloud, ordnet das Release ein: “Seit den Anfängen von Nextcloud vor zehn Jahren war unser Kernprinzip immer klar: Organisationen und Einzelpersonen behalten die Hoheit über ihre Daten, statt in ein herstellergesteuertes Ökosystem zu wechseln. Und die zunehmende Verbreitung gibt uns Recht. Jedes Jahr werden Millionen digitaler Arbeitsplätze mit Nextcloud eingerichtet. Und wir nehmen noch mehr Fahrt auf.”
Die ADA Engine: Nextclouds größtes Architektur-Update
Das Herzstück von Hub 26 Winter trägt den Namen ADA Engine. Dahinter steckt eine Hommage an Ada Lovelace, die als erste Programmiererin der Geschichte gilt. ADA steht für “Accelerated Direct Access” und beschreibt den Kerngedanken des Umbaus: Daten sollen schneller und direkter zu den Nutzern gelangen, ohne unnötige Umwege über Zwischenschichten und Caches.
Um zu verstehen, warum dieser Umbau nötig war, hilft ein Blick auf Nextclouds besondere Herausforderung. Anders als Plattformen, die einzelne isolierte Dienste anbieten, verfolgt Nextcloud einen integrierten Ansatz: Dateien, Chat, Videokonferenzen, Kalender, Aufgaben, Office und KI-Assistent greifen ineinander. Eine Datei, die in einem Talk-Chat geteilt wird, taucht auch in der verknüpften Aufgabe auf und lässt sich direkt im Office-Editor bearbeiten, alles mit konsistenten Zugriffsrechten. Nextcloud beschreibt die eigene Architektur als “modularen Monolithen”: Die Module sind logisch getrennt, kommunizieren aber prozessintern über ein zentrales Datenmodell. Das ermöglicht die tiefe Integration, macht aber die Skalierung zu einer besonderen Herausforderung.
Diese tiefe Integration hat ihren Preis. Wenn ein Nutzer einen Ordner öffnet, muss das System nicht nur die Dateien auflisten, sondern auch prüfen, welche Freigaben existieren, welche Teams Zugriff haben und welche Anwendungen Daten beisteuern. Bei einem privaten Server mit wenigen Dutzend Nutzern fällt das kaum ins Gewicht. Bei Installationen mit Zehntausenden oder Hunderttausenden Nutzern wird es zum Flaschenhals, und genau solche Installationen nehmen derzeit rapide zu.
File Cache: Halbierte Tabellengröße und Snowflake-IDs
Die ADA Engine setzt an drei zentralen Stellen an: dem File Cache, dem Mount-System und dem direkten Dateizugriff. Der File Cache ist trotz seines Namens kein klassischer Zwischenspeicher, sondern die zentrale Datenbankschicht für Dateimetadaten. In ihr speichert Nextcloud Informationen zu sämtlichen Dateitypen, von Nutzerdateien über Vorschaubilder bis hin zu Avataren und App-Daten. Bei großen Installationen fällt diese Tabelle entsprechend umfangreich aus.
Mit Hub 26 Winter hat das Nextcloud-Team die Vorschaubilder (Previews) in eine eigene Tabelle ausgelagert. Da jede Datei mehrere Vorschaubilder haben kann, reduziert das die Größe der File-Cache-Tabelle erheblich. In der produktionsnahen Testumgebung von Nextcloud schrumpfte die Tabelle um 56 Prozent. Ein willkommener Nebeneffekt: Vorschaubilder lassen sich jetzt mit einer Ablaufzeit versehen und automatisch löschen, wenn sie längere Zeit nicht abgerufen wurden.
Der zweite wichtige Schritt betrifft die Vorbereitung auf Datenbank-Sharding, also die Verteilung einer Tabelle auf mehrere Datenbankknoten. Dafür führt Nextcloud sogenannte Snowflake-IDs ein, ein ursprünglich bei Twitter entwickeltes Verfahren zur dezentralen ID-Generierung. Der Vorteil: Anwendungsserver können IDs eigenständig erzeugen, ohne erst die Datenbank befragen zu müssen. Das reduziert Roundtrips und Wartezeiten, besonders bei ausgelasteten Datenbanken. Konkrete Sharding-Funktionalität ist noch nicht für alle Installationen verfügbar, die Grundlage dafür ist mit diesem Release jedoch gelegt.
Die dritte Verbesserung am File Cache betrifft den Umgang mit großen Datensätzen. Statt beispielsweise bei einem Systembereinigungslauf hunderttausende Nutzer gleichzeitig aus der Datenbank zu laden, liefert eine neue API die Ergebnisse als Stream in kleinen Chargen. Das vermeidet Speicherengpässe auf großen Servern.
Autoritative Mount-Tabelle: 30 Prozent schnellere Ordneranzeige
Sogenannte Mount Points legen in Nextcloud fest, welche Speicherorte und Freigaben einem Nutzer zur Verfügung stehen, von lokalen Dateien über S3-Speicher bis hin zu freigegebenen Ordnern anderer Nutzer. Bisher berechnete Nextcloud beim Zugriff eines Nutzers jeweils neu, welche Mounts gültig waren. Dieser Cache wurde bei Verdacht auf Inkonsistenzen regelmäßig verworfen und neu aufgebaut, was zu spürbaren Verzögerungen führen konnte.
Die ADA Engine ersetzt diesen Cache durch eine autoritative Tabelle, die fortlaufend aktuell gehalten wird. Statt die Zugriffsrechte beim Abrufen zu berechnen, geschieht die Aktualisierung jetzt im Voraus: Beim Erstellen einer neuen Freigabe oder beim Hinzufügen eines externen Speichers wird die Tabelle sofort angepasst. Der Zugriff selbst wird dadurch schneller, weil die Berechnung bereits erledigt ist.
In der Praxis zeigt sich der Effekt deutlich: Das Laden eines Ordners mit Freigaben beschleunigte sich in Nextclouds Testumgebung um etwa 30 Prozent. Bei Ordnern mit besonders vielen Freigaben oder Nutzern mit zahlreichen Shares fällt die Verbesserung noch deutlicher aus. Zusätzlich profitiert das Dateisystem von einer schlankeren Zugriffslogik: Statt beim Abrufen einer einzelnen Datei sämtliche Speicheranbieter und Mounts zu laden, kann das System nun gezielt nur den relevanten Provider und Pfad abfragen. In einem Test verkürzte sich der Zugriff auf einen freigegebenen Ordner dadurch von 1,39 auf 0,44 Sekunden, eine Reduktion um fast zwei Drittel.
Direkte Downloads und High Performance Backends
Große Nextcloud-Installationen nutzen häufig S3-kompatiblen Objektspeicher. Bisher lief der Dateidownload über den Anwendungsserver: Der Client fragte den Server, der Server holte die Datei vom Speicher und reichte sie weiter. Mit der ADA Engine kann der Client stattdessen einen direkten Download-Link erhalten und die Datei ohne den Umweg über den Anwendungsserver direkt vom S3-Speicher beziehen. Der Desktop-Client unterstützt diesen Modus bereits, die Weboberfläche soll nachfolgen.
Besonders für Vorschaubilder ist das Potenzial groß: Beim Öffnen eines Ordners mit vielen Dateien fordert der Client bisher für jede Datei ein Thumbnail vom Server an. Künftig sollen auch diese Vorschaubilder direkt vom S3-Speicher abgerufen werden können. Für Video-Vorschauen bedeutet der direkte Zugriff zudem, dass nicht mehr das gesamte Video zum Server übertragen werden muss, der Preview-Generator kann sich direkt die benötigten Frames vom Speicher holen.
Parallel dazu hat Nextcloud beide High Performance Backends (HPBs) auf Version 2.0 aktualisiert. Das in Rust geschriebene HPB für Nextcloud Files verteilt Benachrichtigungen über Dateiänderungen jetzt zeitversetzt an verbundene Clients, um Lastspitzen zu vermeiden. Zudem enthält jede Benachrichtigung nun eine Liste der betroffenen Dateien. Clients, die diese Dateien gar nicht lokal synchronisiert haben, können die Nachricht ignorieren, statt wie bisher trotzdem einen Sync-Lauf zu starten. In produktionsnahen Tests reduzierte sich der Client-Server-Datenverkehr für Update-Prüfungen um 80 Prozent.
Das in Go geschriebene HPB für Nextcloud Talk übernimmt jetzt zusätzlich das Weiterleiten von Chat-Nachrichten und Teilnehmerinformationen direkt an die Clients. Bisher liefen diese Anfragen über den Nextcloud-Anwendungsserver. In Tests mit über 100 Teilnehmern in einem Chatraum sanken die serverseitigen Chat-Anfragen um bis zu 80 Prozent.
Performance in der Praxis: MagentaCLOUD als Gradmesser
Wie sich die Architekturänderungen auf reale Installationen auswirken, zeigt die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom. Deren MagentaCLOUD-Dienst betreibt Nextcloud in einem Cluster mit Millionen von Nutzern. Bereits mit dem früheren Hub 9 ermöglichte eine verbesserte Datenbank-Cluster-Unterstützung eine Lastreduzierung von 20 bis 30 Prozent. Nach weiteren Optimierungen berichtete das MagentaCLOUD-Team von bis zu sechsfach schnelleren Antwortzeiten bei häufigen Operationen. Konkret sank die durchschnittliche Download-Zeit einer 10-Megabyte-Datei von etwa 2,5 Sekunden auf 0,4 Sekunden.
Die Zusammenarbeit geht über Performance-Optimierung hinaus: Die Deutsche Telekom beschäftigt ein eigenes Entwicklerteam, das Vollzeit an Nextcloud arbeitet und für Hub 26 Winter unter anderem Änderungen an den iOS- und Android-Apps beigesteuert hat, etwa in der Fotoansicht.
Datenmigration: Selbstbestimmt wechseln
Digitale Souveränität bedeutet nicht nur, die eigenen Daten kontrollieren zu können, sondern auch, sie problemlos mitnehmen zu können. Nextcloud hat die Migrationsanwendung für Hub 26 Winter deutlich erweitert. Sie unterstützt jetzt den Export und Import von Mail-Kontoeinstellungen, Kontakten, Kalendern, Tabellen und Deck-Boards, zusätzlich zu den bereits unterstützten Dateien. Tabellen lassen sich nun ebenfalls exportieren und importieren.
Die Anwendung richtet sich an Einzelnutzer, die etwa nach dem Studium ihre Daten von der Uni-Instanz zu einem eigenen Server oder einem anderen Provider mitnehmen möchten. Sie wird je nach gewähltem Config-Preset standardmäßig installiert und aktiviert, bei Dienstanbietern, Universitäten und Privatnutzern etwa ist sie sofort einsetzbar. In Unternehmensszenarien bleibt sie aus naheliegenden Gründen deaktiviert, lässt sich aber vom Administrator aktivieren.
Im Pressbriefing kam eine interessante Diskussion auf: Es gibt Nextcloud-Hosting-Anbieter, die keinen direkten Datenbankzugriff gewähren, was einen vollständigen Serverumzug erschwert. Jos Poortvliet räumte ein, dass dies “eigentlich nicht sein sollte” und kündigte an, das Thema mit den Hosting-Partnern aufzugreifen. Er verwies darauf, dass die Branche sich daran gewöhnt habe, Migrationsoptionen gar nicht erst anzubieten: “Niemand denkt über eine Exit-Strategie nach, wenn er eine Lösung kauft. Das ist nicht gut.”
Jos Poortvliet, exklusiv gegenüber dem Linux-Magazin, identifiziert das Grundproblem: “Die Blockade liegt vor allem in Beschaffungs- und Lock-in-Strukturen: Verträge werden verlängert, weil Wechsel als riskanter wahrgenommen wird als Abhängigkeit. Migrationsaufwand wird oft überschätzt, während Abhängigkeitsrisiken unterschätzt werden. Wir erleben außerdem oft, dass ein ‘Ganz oder Gar nicht’-Denken die Hürde erhöht. In der Praxis lassen sich häufig große Teile eines digitalen Arbeitsplatzes relativ schnell auf souveräne Plattformen übertragen. Es macht Sinn damit zu starten, anstatt auf sofortige Perfektion zu setzen.”
Migration in der Praxis: Österreich als Vorbild
Dass eine schrittweise Migration funktionieren kann, zeigt das österreichische Wirtschaftsministerium. Im Spätsommer 2024 begann das Ministerium mit der Evaluierung von Nextcloud. Weniger als acht Monate später war die Migration abgeschlossen, ein für Behördenverhältnisse bemerkenswert schneller Übergang.
Besonders interessant ist der gewählte Hybridansatz: Obwohl zunehmend Druck bestand, Microsoft Teams einzuführen, wollte das Ministerium die Kontrolle über seine Daten nicht aufgeben, indem es sie auf OneDrive hochlud. Stattdessen wurde Nextclouds Dateispeicher direkt in Microsoft Teams integriert. Die Daten bleiben im eigenen Rechenzentrum, sind aber für die Teams-Nutzer genauso einfach zugänglich. Für Videoanrufe und internen Chat setzt das Ministerium auf Nextcloud Talk, integriert in Outlook. Ein weiteres österreichisches Ministerium befindet sich bereits im Migrationsprozess.
Das Beispiel illustriert genau den pragmatischen Ansatz, den Poortvliet beschreibt: Statt einen vollständigen Systemwechsel auf einen Schlag zu erzwingen, wurden Nextclouds Stärken dort eingesetzt, wo die Datensouveränität am kritischsten ist, bei der Dateispeicherung. Die Integration mit bestehenden Microsoft-Tools senkte die Einstiegshürde. Nextcloud bietet dafür eine Reihe von Integrationsmöglichkeiten: ein Outlook-Add-in (samt einer neuen Variante für Apple Mail), einen Exchange-Connector für Kalender- und Kontaktsynchronisation, eine Microsoft-Teams-Integration, Windows-Netzlaufwerk- und SharePoint-Anbindung sowie Active-Directory- und Entra-Unterstützung für die Identitätsverwaltung.
In Frankreich hat das Bildungsministerium Nextcloud bislang an über 330.000 Beschäftigte ausgerollt. Das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein setzt Nextcloud bereits für die Landesverwaltung ein.
Föderation: Zusammenarbeit über Servergrenzen hinweg
Föderation ist eines der Kernprinzipien von Nextcloud und funktioniert konzeptionell wie E-Mail: Ein Nutzer auf Server A kann mit einem Nutzer auf Server B zusammenarbeiten, ohne dass einer der beiden ein zusätzliches Konto braucht. Das funktioniert über sogenannte Federated Cloud IDs, vergleichbar mit E-Mail-Adressen, nur eben für die Kollaboration. In der Release-Keynote veranschaulichte Nextcloud den Unterschied: Eine Nachricht von iMessage an WhatsApp zu senden oder einem Slack-Chat von Microsoft Teams beizutreten ist bewusst nicht möglich. Eine E-Mail von Gmail an Hotmail zu schicken hingegen schon, das ist Föderation.
Hub 26 Winter erweitert die Föderationsfähigkeiten erheblich. Erstmals lassen sich Nextcloud-Deck-Boards mit Nutzern auf anderen Servern teilen. Die gemeinsame Projektplanung über Organisationsgrenzen hinweg, etwa zwischen Ministerien, Universitäten oder Unternehmen und ihren Dienstleistern, wird damit deutlich einfacher. Ebenso unterstützt der Kalender nun föderierte Freigaben mit vollen Schreibrechten. Im Vorgänger-Release waren föderierte Kalenderfreigaben noch auf Lesezugriff beschränkt.
Auch Nextclouds Teams-Funktion, eine Gruppenverwaltung, über die sich Ressourcen wie Ordner, Chaträume oder Aufgabenboards gebündelt für eine Gruppe freigeben lassen, öffnet sich für die Föderation: Nutzer können jetzt Teams mit Mitgliedern von verschiedenen Nextcloud-Instanzen erstellen und direkt aus dem Teams-Interface heraus gemeinsame Ressourcen anlegen, die automatisch für alle Teammitglieder freigegeben werden.
Besonders hervorzuheben ist die föderierte Dateisperre: Wenn ein Nutzer auf Server A ein Dokument im Desktop-Client öffnet, wird es gesperrt. Nutzer auf Server B, mit denen die Datei föderiert geteilt ist, sehen jetzt ebenfalls die Sperre und erhalten eine Warnung, dass die Datei gerade bearbeitet wird. Das verhindert Dateikonflikte auch über Servergrenzen hinweg. Beide Nutzer können das Dokument dann natürlich gemeinsam in Nextcloud Office in Echtzeit bearbeiten, die föderierte Zusammenarbeit an Dokumenten war bereits im Vorgänger-Release möglich.
Sicherheit: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Browser
Nextcloud hat die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für Hub 26 Winter stark ausgebaut, mit Fokus auf die Browser-Nutzung. Bisher waren verschlüsselte Ordner primär über die Desktop- und Mobile-Clients nutzbar. Mit Hub 25 Autumn gab es eine erste eingeschränkte Web-Oberfläche für E2EE. Jetzt können Nutzer E2EE-Ordner direkt im Browser erstellen, darin navigieren, Dateien hoch- und herunterladen, Dokumente anzeigen und sogar bearbeiten. Das Teilen verschlüsselter Dateien ist sowohl mit anderen Nutzern auf demselben Server als auch über öffentliche Links möglich. Zudem können externe Personen jetzt verschlüsselte Dateien direkt in einen verschlüsselten Ordner hochladen, ein verschlüsselter File-Drop.
Nextcloud weist dabei zu Recht auf einen wichtigen Hinweis hin: Die Nutzung verschlüsselter Dateien im Browser ist grundsätzlich weniger sicher als über die lokalen Clients, da der Browser den Schlüssel zur Laufzeit im Speicher halten muss. Für den bestmöglichen Schutz empfiehlt sich weiterhin der Desktop-Client. E2EE ist zudem ein Werkzeug für bestimmte Anwendungsfälle: In großen Organisationen, in denen Compliance-Anforderungen den Server-seitigen Zugriff für Audits erfordern, wäre eine vollständige E2EE kontraproduktiv. Server-seitige Verschlüsselung ist in solchen Fällen die bessere Wahl.
Darüber hinaus warnt Nextcloud ab diesem Release Administratoren, wenn die Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht aktiviert ist. Sie wird zudem standardmäßig ausgeliefert und in die Quick-Presets für Admins integriert. Die Data Loss Prevention (DLP) wurde ebenfalls erweitert: Die automatische Klassifizierung vertraulicher Dateien passt Sicherheitslabels jetzt in Echtzeit an, wenn sich Dokumenteigenschaften oder Metadaten ändern. Wird etwa eine private Adresse aus einem Dokument entfernt, verschwindet auch das entsprechende Label automatisch. Eine neue Einschränkungsoption für den Kalender verhindert das Versenden von Einladungen an externe Teilnehmer und schützt so vor Phishing-Angriffen über Kalendereinladungen.
Nextcloud Talk: Nachrichten pinnen und planen
Nachdem Hub 25 Autumn Threads in Talk eingeführt hatte, kommen mit Hub 26 Winter weitere lang gewünschte Funktionen hinzu. Nachrichten lassen sich jetzt anpinnen, sodass Ankündigungen, wichtige Links oder Dateien im Chat oben sichtbar bleiben. Die angepinnten Nachrichten sind über ein Seitenmenü verwaltbar, und optional lässt sich eine automatische Entpinnung nach einem festgelegten Zeitraum konfigurieren.
Zeitgesteuerte Nachrichten sind eine weitere Neuerung: Nutzer verfassen eine Nachricht und planen den Versand für einen späteren Zeitpunkt. In der Keynote beschrieb Nextcloud den Anwendungsfall augenzwinkernd: Frühaufsteher, die morgens um sechs Nachrichten verfassen, können diese jetzt auf eine für die Nachteulen im Team akzeptable Uhrzeit terminieren.
Das Chat-Layout bietet jetzt optional eine geteilte Darstellung: Eigene Nachrichten erscheinen rechts, die der Gesprächspartner links, angelehnt an die Darstellung populärer Messenger. Die Option ist standardmäßig deaktiviert und muss von jedem Nutzer individuell eingeschaltet werden.
Für internationale Teams kommt die Live-Übersetzung hinzu. Aufbauend auf der bereits mit Hub 25 Autumn eingeführten Live-Transkription kann Talk jetzt Gesprochenes in Echtzeit nicht nur verschriftlichen, sondern auch in andere Sprachen übersetzen. In der Praxis bedeutet das: Ein französischsprachiger und ein englischsprachiger Teilnehmer können jeweils in ihrer Muttersprache sprechen und das Gesagte als Untertitel in der eigenen Sprache mitlesen. Wie alle KI-Funktionen in Nextcloud ist dies optional und muss vom Administrator konfiguriert werden.
Neue Audiooptionen für Anrufe umfassen automatische Lautstärkeanpassung (Auto-Gain), Echounterdrückung und Rauschunterdrückung, alle drei sind standardmäßig deaktiviert und lassen sich bei Bedarf einschalten. Der Hintergrund-Weichzeichner in Videomeetings nutzt jetzt Hardwarebeschleunigung über die GPU statt die CPU, was energieeffizienter und präziser arbeitet. Diese Verbesserung wurde von einem Community-Mitglied angestoßen.
Mail: Kompakter und übersichtlicher
Nextcloud Mail erhält mehrere Komfortverbesserungen. Anhänge sind jetzt direkt in der Thread-Übersicht sichtbar, Nutzer müssen nicht mehr durch alle Nachrichten eines Threads scrollen, um ein Dokument zu finden. Meeting-Einladungen per E-Mail können automatisch als vorläufige Termine im Kalender erscheinen, wo sie sich annehmen oder ablehnen lassen.
Ein neuer kompakter Modus blendet Nachrichtenvorschauen aus und zeigt mehr E-Mails auf einmal an. Favoriten-Threads lassen sich oben im Posteingang fixieren. Die erweiterten Filteroptionen wurden überarbeitet: Schnellfilter ermöglichen das Filtern nach ungelesenen E-Mails, E-Mails mit Anhängen oder direkt an den Nutzer adressierten Nachrichten. Ordneraktionen erhielten intuitivere Icons und Formulierungen.
Auch die Migrationsfähigkeiten profitieren: Mail-Kontoeinstellungen lassen sich über die neue Migrationsfunktion exportieren und auf einem anderen Server importieren.
Nextcloud Office: Dokumentvergleich und Sheet Views
Nextcloud Office bekommt mit Hub 26 Winter eine häufig gewünschte Funktion: den Dokumentvergleich. Er arbeitet in zwei Modi. Die Seite-an-Seite-Ansicht zeigt beide Dokumente nebeneinander mit hervorgehobenen Unterschieden, eine besonders intuitive Variante, weil sie das Vorher und Nachher direkt sichtbar macht. Der Manage-Changes-Modus stellt Änderungen in einem einzigen Dokument dar, wobei Nutzer einzelne Unterschiede annehmen oder ablehnen und nach Datum, Uhrzeit oder Person filtern können. Verglichen werden können sowohl Dateien aus Nextcloud als auch lokal gespeicherte Dokumente.
Sheet Views ermöglichen es mehreren Nutzern, dieselbe Tabelle gleichzeitig mit unterschiedlichen Sortierungen und Filtereinstellungen zu betrachten, ohne sich gegenseitig zu stören. Ein Vertriebsteam kann so beispielsweise eine große Kundenliste bearbeiten, in der jeder Mitarbeiter nur seine zugewiesenen Konten sieht. Der neue Tab “Table Design” bietet in XLSX-Dateien Stilvorlagen für Tabellen an. Wird eine Microsoft-Datei mit gestalteten Tabellen geöffnet, erkennt Nextcloud Office den Stil und erlaubt einen Wechsel zu alternativen Designs.
Mit “Present to All” können Nutzer Präsentationen synchron online vorführen: Alle Betrachter des Dokuments folgen automatisch den Folienwechseln des Präsentierenden, können aber auch eigenständig zu einer früheren Folie zurückkehren. Das ermöglicht Präsentationen in Talk-Anrufen ohne Bildschirmfreigabe, besonders nützlich bei langsamen Verbindungen, weil die Folien lokal gerendert werden statt als Video gestreamt. Für Nutzer mit Sehbeeinträchtigungen bietet der Modus zusätzlich Barrierefreiheitsunterstützung, da sie sich die Zeit nehmen können, eine Folie per Screenreader erfassen zu lassen.
Weitere Detailverbesserungen: Sprachoptionen, benutzerdefinierte Wörterbücher und Autotext-Konfigurationen lassen sich jetzt direkt in der Office-Oberfläche über den File-Tab anpassen. Die Kommentarfunktion wurde mit verbesserten Karten und schnellerem Bearbeitungszugriff überarbeitet. Die Anzeige von Lese- und Bearbeitungsmodus ist klarer gestaltet. Nextcloud hebt zudem die fortlaufende Arbeit an der Microsoft-Office-Kompatibilität hervor. Zusammen mit Collabora werden laufend Formatprobleme bei importierten Dokumenten identifiziert und behoben, unterstützt durch automatisierte Tests.
Auf mobilen Geräten kollabieren Symbolleisten bei begrenzter Bildschirmhöhe jetzt automatisch, um mehr Platz für den Inhalt zu schaffen. iOS-VoiceOver kann jetzt auch Dateiinhalte vorlesen, wenn die Barrierefreiheitseinstellungen in den Nextcloud-Office-Admin-Settings aktiviert sind.
LaTeX-Support in Nextcloud Text
Ein stark nachgefragtes Feature, besonders im akademischen Bereich: Nextcloud Text unterstützt jetzt LaTeX-Formeln. Nutzer können mathematische Ausdrücke direkt im Text eingeben, die automatisch als formatierte Gleichungen dargestellt werden. Die Funktion war laut Nextcloud das am zweithäufigsten gevotete Feature-Request auf GitHub für Nextcloud Text und richtet sich vor allem an Nutzer in Forschung, Lehre und Technik. Der LaTeX-Support funktioniert auch in Collectives, Nextclouds Wiki- und Knowledge-Base-App.
Nextcloud Text und Collectives arbeiten jetzt robuster bei instabilen Netzwerkverbindungen. Selbst bei minutenlangen Ausfällen können Nutzer weiterarbeiten, Änderungen werden lokal gespeichert und beim Wiederherstellen der Verbindung mit dem Server synchronisiert, auch wenn mehrere Personen gleichzeitig am Dokument arbeiten.
Bei Nextcloud Notes, der Markdown-basierten Notiz-App, können Nutzer Notizen jetzt per Drag-and-Drop zwischen Kategorien verschieben, ein Community-Beitrag, der die Organisation erleichtert.
Whiteboard: Timer, Abstimmungen und Versionierung
Das Nextcloud Whiteboard erhält zahlreiche Erweiterungen für interaktivere Sitzungen. Globale Timer helfen bei zeitlich begrenzten Gruppenaufgaben, sie lassen sich positionieren und sogar während des Laufs verlängern oder verkürzen. Eine integrierte Abstimmungsfunktion ermöglicht Umfragen und Teamentscheidungen direkt auf dem Whiteboard, wobei die Ergebnisse als Element auf dem Board dargestellt werden und sich so über die Zeit vergleichen lassen.
Kommentare lassen sich jetzt an einzelne Whiteboard-Elemente heften, für kontextbezogenes Feedback zu Skizzen, Diagrammen oder Texten. Emoji-Reaktionen bieten eine niedrigschwellige Möglichkeit, auf Ideen zu reagieren. Tabellen können direkt im Whiteboard erstellt, positioniert und skaliert werden, ohne auf externe Quellen verlinken zu müssen.
Die wichtigste strukturelle Neuerung ist die Versionierungshistorie: Whiteboards unterstützen jetzt wie andere Dateien in Nextcloud eine Versionsgeschichte mit benennbaren Versionen und Side-by-Side-Vergleich. Versehentlich gelöschte Inhalte lassen sich so gezielt wiederherstellen.
Nextcloud Assistant: Gedächtnis und Performance
Der KI-Assistent erhält mit Hub 26 Winter eine konfigurierbare Gedächtnisfunktion: Er merkt sich Inhalte aus früheren Unterhaltungen über alle Chats hinweg, sodass Nutzer nicht bei jedem Gespräch von vorn beginnen müssen. Die gespeicherten Erinnerungen lassen sich einsehen, bearbeiten und löschen.
Für lokal betriebene KI-Modelle verspricht Nextcloud deutliche Geschwindigkeitsverbesserungen: bis zu zehnfach schnellere Ergebnisse bei Text- und Bildgenerierung, Sprach-zu-Text- und Text-zu-Sprach-Konvertierung sowie Übersetzung. Die lokale Transkription ist fünf- bis achtfach schneller. Auch auf Mobilgeräten arbeitet der Assistant jetzt merklich flotter im Hintergrund. Neue Modellunterstützung gibt es für Olmo 3 und selbst gehostete IBM-watsonx-Instanzen.
Im Kontext des EU AI Act führt Nextcloud eine KI-Inhaltskennzeichnung ein. Von der KI generierte Bilder, Dokumente und Audiodateien werden mit Wasserzeichen automatisch markiert. Bereits im Vorgänger-Release hatte Nextcloud eine farbliche Kennzeichnung (lila) für KI-generierte Inhalte eingeführt, die neuen Labels gehen einen Schritt weiter und markieren auch Inhalte, die weitergeleitet oder versendet werden.
Wie schon im Vorgänger-Release betont Nextcloud die vollständige Optionalität aller KI-Funktionen. Das Ethical-AI-Rating hilft bei der Auswahl und Konfiguration von Modellen unter Berücksichtigung von Datenschutz- und Kontrollaspekten. Als Praxisbeispiel verweist Nextcloud auf das Bundesland Schleswig-Holstein, das eine eigene souveräne KI für die Landesverwaltung auf Basis des Nextcloud-Assistants betreibt und damit KI-Einsatz im stark regulierten öffentlichen Sektor vorantreibt.
Desktop- und Mobile-Clients
Auf macOS existierten bisher zwei separate Clients: einer mit Virtual File System (VFS) für nahtlose Integration, einer mit klassischem Selective Sync. Hub 26 Winter vereint beide in einer einzigen Anwendung, in der Nutzer den gewünschten Modus selbst wählen. Der Windows-VFS-Client kann jetzt im On-Demand-Modus arbeiten, das Setup ist nahezu sofort abgeschlossen, unabhängig von der Datenmenge auf dem Server.
Der Desktop-Client unterstützt jetzt den Nextcloud-Assistenten für lokale Dateien und kontextabhängige Menüeinträge: Per Rechtsklick auf eine Datei im Datei-Explorer erscheinen Aktionen, die von den auf dem Server installierten Apps bereitgestellt werden. Das kann das Archivieren eines Ordners sein, das Erstellen einer Transkription per KI-Assistent, die Konvertierung in Markdown via Pandoc oder der Import eines Adressbuchs. Dieses System ist erweiterbar, Nextcloud ruft die Community ausdrücklich auf, weitere Dateiaktionen zu entwickeln.
Die mobilen Apps für iOS und Android erhalten zahlreiche Detailverbesserungen bei Design und Performance, darunter verbesserte Suche, optimierter automatischer Foto-Upload und den Nextcloud-Assistant-Chat. Der QR-Code-Login, mit dem sich Mobilgeräte schnell mit dem Nextcloud-Konto verbinden lassen, ist jetzt prominenter im Account-Menü platziert.
Für die Office-Auswahl: Mehr Flexibilität
Nextcloud bietet als Plattform Alternativen bei der Office-Lösung. In der All-in-One-Installation, mit fast 100.000 Installationen eines der populärsten Deployment-Formate, können Admins jetzt direkt zwischen Nextcloud Office (basierend auf Collabora Office) und OnlyOffice wählen. Weitere Optionen sollen folgen. Für Nutzer einer manuellen Installation war diese Auswahl bereits möglich, die Integration in All-in-One macht sie jetzt für die breite Basis zugänglicher.
Nextcloud Flow und Tables
Die Approval-App, die Genehmigungs-Workflows verwaltet, erhält eine kleine, aber nützliche Ergänzung: Beim Ablehnen einer Datei kann jetzt eine Begründung hinzugefügt werden, was weitere Nachfragen minimieren kann.
Nextcloud Tables, die App für strukturierte Daten und No-Code-Anwendungen, erhält erweiterte Datumsfilter für komplexe Tabellenansichten sowie öffentliche Freigabelinks im Lesemodus. Damit können externe Mitarbeiter Tabellendaten einsehen, ohne ein eigenes Nextcloud-Konto zu benötigen.
Für Entwickler: Breaking Changes und neue APIs
App-Entwickler sollten die API-Änderungen in Hub 26 Winter sorgfältig prüfen. Die Files API erhält ein Major-Update auf v4.0.0 mit erweiterten Kontextobjekten und destrukturierten Parametern. Die bisherige Sidebar-API wird durch eine neue Variante auf Basis von Web Components ersetzt. Die Profil-App wurde auf Vue 3 migriert und bietet eine framework-agnostische API.
Die neuen Datenbank-APIs, die Mount-Point-API und die Snowflake-ID-Unterstützung ermöglichen es App-Entwicklern, von den Architekturverbesserungen der ADA Engine zu profitieren. Neu ist außerdem ein OpenMetrics-Endpoint: Nextcloud-Apps können darüber Metriken bereitstellen, die von Monitoring-Tools wie Prometheus eingesammelt und in Grafana visualisiert werden können. Nextcloud verweist auf die aktualisierte Dokumentation im Developer Hub, der zudem ein neues Design erhalten hat.
An Community-Apps hebt Nextcloud drei Neuzugänge hervor: Die iTop-Integration verbindet IT-Service-Management mit Nextcloud, inklusive Unified Search, Smart Picker für Talk und Deck sowie Ticketverwaltung direkt im Arbeitsalltag. Die Attendance-App ermöglicht Anwesenheitserfassung bei Veranstaltungen mit Dashboard-Widget. Die Done-App bietet Aufgabenverfolgung mit Zeiterfassung für Teams.
Für Outlook-Nutzer stellt Sendent neben dem bestehenden Add-in jetzt auch eine Variante für Apple Mail bereit. Die Erweiterung ermöglicht sichere Dateifreigabe und Talk-Integration direkt aus dem Mail-Client und ist kostenlos im Apple App Store erhältlich.
Wartung: Rund 98 Prozent unter der Haube
Wie bereits beim Vorgänger-Release entfällt der Großteil der Entwicklungsarbeit auf Wartung. Nextcloud beziffert den Anteil bei Hub 26 Winter auf rund 98 Prozent aller Änderungen. Im Server-Repository stehen 1904 wartungsbezogenen PRs nur 29 Feature-PRs gegenüber. Bei Groupware liegt das Verhältnis bei 913 zu 29, bei Talk bei 597 zu 11 und bei Office bei 1328 zu 17. Daran kann man erkennen, dass die eigentliche Stabilität einer Plattform nicht aus neuen Features, sondern aus kontinuierlicher Pflege entsteht.
Verfügbarkeit und Update-Wege
Die ADA Engine ist Bestandteil des Nextcloud-Kerns und damit für alle Installationen verfügbar, nicht nur für Enterprise-Kunden. Die High Performance Backends in Go und Rust sind allerdings separate Komponenten: In der All-in-One-Installation werden sie automatisch eingerichtet, bei manuellen Setups müssen sie separat installiert und konfiguriert werden. Nextcloud betont, dass die Plattform auch ohne HPBs voll funktionsfähig ist, die zusätzlichen Komponenten beschleunigen lediglich die Auslieferung.
Nutzer der All-in-One-Installation können Hub 26 Winter bei Neuinstallationen über die “Install Nextcloud 33”-Option einrichten; für bestehende AIO-Installationen stellt Nextcloud einen Upgrade-Leitfaden bereit. Die Enterprise-Version soll verfügbar werden, sobald zusätzliche Tests und Zertifizierungen abgeschlossen sind.
Digitale Souveränität: Mut statt Technologie fehlt
Hub 26 Winter ist nach Angaben von Nextcloud das skalierbarste Release aller Zeiten. Jos Poortvliet erklärt exklusiv gegenüber dem Linux-Magazin: “Dieses Release stärkt das Fundament für den zunehmenden Rollout souveräner digitaler Arbeitsplätze in Europa weiter. Mehrere Deployments im Bereich von Hunderttausenden bis zu einer Million Nutzern beweisen, dass Technologie nicht der limitierende Faktor für diesen Rollout ist. Wie sowohl Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister für Schleswig-Holstein, als auch Florian Zinnagl vom österreichischen Wirtschaftsministerium sagten: Es braucht nur Mut.”
Im Pressbriefing kam auch die Frage auf, ob Nextcloud selbst nicht zum Lock-in werden könne: Wenn eine Organisation ihren gesamten Workflow um die Plattform herum aufbaut, handelt sie sich dann nicht eine neue Abhängigkeit ein? Jos Poortvliet verwies auf den fundamentalen Unterschied: “Nextcloud ist nicht nur ein Unternehmen oder ein Produkt. Es ist eine Community, die ein Produkt baut.” Er verwies auf die zahlreichen Kunden und Partner, die aktiv an der Software mitentwickeln, von der Deutschen Telekom bis hin zur Stadt Amsterdam. “Als Open-Source-Unternehmen sind wir Hüter eines Open-Source-Projekts. Wir stehen in einer symbiotischen Beziehung zu unseren Kunden, unserer Community und unseren Partnern. Wir haben schlicht nicht die Art von Macht, die Microsoft hat.”
Tatsächlich ist die Architektur von Nextcloud so angelegt, dass zentrale Komponenten austauschbar sind: Die Office-Lösung, das KI-Backend, die Automatisierungsengine, sogar die Foto- oder Chat-App, all das lässt sich durch Alternativen ersetzen. Die offenen APIs und das standardbasierte Design machen einen Wechsel zumindest technisch möglich, auch wenn er in der Praxis natürlich mit Aufwand verbunden wäre. Nextclouds breites Integrationsökosystem, von Microsoft-Produkten über Moodle und BigBlueButton bis hin zu Miro und Notion, ermöglicht zudem einen schrittweisen Einstieg, bei dem bestehende Systeme parallel weiterlaufen.
Fazit: Substanz statt Kosmetik
Hub 26 Winter ist ein Release, das seine Stärken unter der Oberfläche hat. Die ADA Engine ist keine Funktion, die Endnutzer direkt sehen, aber sie legt die Grundlage für eine Nextcloud, die mit ihren steigenden Anforderungen Schritt halten kann. Dass die Performance-Verbesserungen besonders bei großen Installationen greifen, ist dabei kein Nachteil für kleinere Setups, es zeigt vielmehr, dass Nextcloud die Ambitionen hat, auch im Enterprise-Bereich mit proprietären Lösungen zu konkurrieren.
Die erweiterten Föderationsfähigkeiten und die verbesserte Migration adressieren ein Kernversprechen von Nextcloud: echte Datenportabilität und echte Dezentralisierung. Dass Nutzer jetzt Deck-Boards, Kalender und Teams über Servergrenzen hinweg teilen können, macht die Föderation erstmals für viele Praxisszenarien nutzbar, von der Zusammenarbeit zwischen Ministerien bis zur universitätsübergreifenden Forschung. Das österreichische Beispiel zeigt dabei, dass Migration nicht als Alles-oder-nichts-Projekt gedacht werden muss.
Die zahlreichen Verbesserungen in Talk, Mail und Office sind einzeln betrachtet keine Revolution, ergeben in der Summe aber ein deutlich reiferes Produkt. Besonders die Nachrichtenplanung, die angepinnten Nachrichten in Talk und der Dokumentvergleich in Office schließen Lücken, die Nutzer von anderen Plattformen kennen.
Mit einem Wartungsanteil von rund 98 Prozent aller Änderungen macht Nextcloud eine klare Ansage: Stabilität geht vor Feature-Feuerwerk. Für eine Plattform, die in sicherheitskritischen Umgebungen wie Ministerien und Krankenhäusern läuft, ist das genau die richtige Priorität.









Danke für den artikel! Ganz ehrlich, der komplette Architektur-Umbau macht mir Bauchschmerzen. Eine neue Engine im Kern klingt erstmal nach Fortschritt, aber wir reden hier von einem massiven Eingriff in ein produktiv eingesetztes System. Wenn plötzlich mehrere Sprachen wie PHP, Go und Rust im Core zusammenspielen, steigt die Komplexität erheblich. Das mag technisch spannend sein, bedeutet aber in der Praxis mehr Abhängigkeiten, schwierigere Fehlersuche und potenziell mehr Bruchstellen, gerade für Installationen mit vielen Apps und individuellen Anpassungen. Ein so tiefgreifendes Refactoring ist kein normales Feature-Update, sondern ein strukturelles Risiko. Und genau das wird im Marketing eher als Performance-Wunder verkauft, statt… Mehr »