Mozilla über den Firefox und die Zukunft des Web

Kadir Topal vom Mozilla-Support-Team

Kadir Topal, Community-Manager von Mozillas Support-Abteilung, stand der Redaktion auf dem Linuxtag Rede und Antwort, in welcher Rolle sich Mozilla sieht und was die Zukunft des Web für den Browsermarkt im Allgemeinen und Firefox im Speziellen bringt .

Unter anderem das Einschwenken von Microsofts Internet Explorer hin zu offenen Standards sieht Kadir Topal als Mozillas Verdienst. Die Webentwickler könnten es sich wegen der Präsenz des alternativen Browsers inzwischen nicht mehr leisten, ihre Seiten für den IE zu optimieren, so der Support-Mitarbeiter.

Kadir Topal vom Mozilla-Support-Team

Kadir Topal vom Mozilla-Support-Team

Auch die Integration des neuen Videostandards VP8 in HTML 5 verbucht Mozilla auf seiner Haben-Seite: “Es widerspricht unseren Grundsätzen, prorietäre Techniken wie H264 in unseren Browser zu integrieren.”

Keine Prozesse für Tabs

Topal sieht keine Notwendigkeit darin, wie in Googles Chrome-Browser Tabs in eigenen Prozessen zu starten. Als wichtigsten Einwand dagegen nannte er den hohen Ressourcenverbrauch. Da in der Hauptsache Plug-ins für die Browserabstürze verantwortlich seien, genüge es, diese Prozesse vom Browser abgekoppelt zu starten. Diese Neuerung soll bereits mit dem kommenden Update auf Version 3.6.4 zur Verfügung stehen.

Damit tritt Mozilla auch der Kritik der Instabilität des Browsers entgegen: In der Hauptsache seien Plugins und Erweiterungen für Browserabstürze verantwortlich, was zu Unrecht ein schlechtes Licht auf Firefox werfe. Auch als Ursache für den angeblichen Ressourccenhunger lokalisiert Topal in erster Linie die Plugins: So sei es nicht selten der Fall, dass Firefox 50 MByte, Flash dagegen 250 MByte Hauptspeicher benötige.

Schwächen und Lösungen

Als eine der Hauptursachen für die Skepsis vieler Anwender gegenüber Firefox sieht Mozilla laut Topal die langen Startzeiten, weswegen dieser Punkt ganz oben auf der Agenda der Verbesserungen für Version 4 stehe. Dies soll unter anderem durch das Parallelisieren von Prozessen beim Start erreicht werden. Weiterhin laufen Tasks, etwa das Update von Addons, zukünftig für den Anwender unbemerkt im Hintergrund ab.

Als weiteren wichtigen Bereich nennt Topal die Java-Script-Performance. In Teilen hinkt sie erheblich hinter der Konkurrenz hinterher. Ein Grund dafür ist laut dem Mozilla-Mann, dass beispielsweise Google in Chrome das gesamte Skript kompiliert. Der Firefox optimiert jedoch nur Teile, indem er Schleifen analysiert und “just in time” kompiliert. Firefox 4 soll diese beiden Techniken vereinen und dann eine ähnliche Performance wie Chrome erreichen. Das Verfahren nennt sich “JägerMonkey”.

Ein Blick in die Zukunft

Für die Zukunft sieht Topal in dieser Hinsicht eine Patt-Situation zwischen den Browsern. In etwa eineinhalb Jahren, beziffert er, seien die Möglichkeiten der Code-Optimierungen ausgeschöpft. Um die Performance dennoch zu steigern, seien zukünftig beispielsweise Optimierungen im Verarbeiten des DOM (Document Object Model) zu erwarten. Als eine weitere wichtige Baustelle für die Zukunft sieht Mozilla laut Topas das Tabbed Browsing: Anders als in der Vergangenheit, als der Anwender selten mehr als 5 Seiten gleichzeitig offen hielt, sind es heute nicht selten 20 oder mehr, lautet der Grund. Abhilfe schaffen soll eine Funktion namens “Tabbed Candy”. In welcher Version von Firefox sie einfließen wird, wollte Topal jedoch ebenso wenig verraten wie deren technische Details.

Der Community-Manager sieht auch deutlich mehr Konkurrenz auf dem Browsermarkt. Als Grund dafür nennt er, das dass Mozilla die dominante Stellung des Internet Explorer gebrochen habe uns sich damit die Mehrheit der Webentwickler an offenen Standards orientieren. Erst das ermögliche den Herstellern, akzeptable Produkte auf den Markt zu bringen. Über die Zukunft von Firefox meinte Topal, dass sich Mozilla dynamisch an den sich ständig ändernden Anforderungen das Markts orientieren werde.

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