IBM zeigt auf dem Stand 204 in Halle 7.2a eine nützliche Anwendungsmöglichkeit für PS3-Linux: Eine PS3, die in Echtzeit dank der im Cell-Prozessor integrierten SPUs mehrere HD-Streams gleichzeitig dekodiert.
IBM nutzt dafür NMM, das Network Multimedia Framework und eine selbstgebastelte HD-Receiverbox auf PPC440-Basis. Diese schickt die Streams vom Satelliten per Gigabit-Netzwerk an die PS3, aber auch ein Netzwerkstreaming per Universal Plug and Play ist denkbar, auch vom PC. Laut IBM ist auch eine Echtzeit-Transkodierung des Fernsehstreams in der PS3 für andere Streaming Clients kein Problem, etwa für Sonys PSP oder Apples iPhone.
Die Demoanwendung von IBM decodiert vier MPEG2-HD-Streams in Echtzeit und stellt diese skaliert und wahlweise transparent auf einem Bildschirm dar, die Böblinger Entwickler arbeiten an gleichzeitiger Decodierung von zwei H.264 HD-Streams. Cell benötigt 3 SPUs (Synergistic Processing Unit)zur Decodierung eines 1080p H.264- Streams, da unter PS3-Linux allerdings nur sechs SPUs zur Verfügung stehen und eine SPU für das Skalieren und Transparenz-Compositing notwendig ist simuliert IBM virtuelle SPUs um die real vorhandenen möglichst optimal zu nutzen.
Eine PS3-basierte HD-Videorekorderlösung à la MythTV/VDR ist damit in greifbare Nähe gerückt, wodurch PS3 Linux erstmalig echten Mehrwert für den durchschnittlichen PS3-Besitzer bieten könnte. Hierzu ist allerdings ein Gerät zum Empfangen der HD-Streams notwendig, IBM sucht noch nach Produktionspartnern für ihre selbstentwickelte Netzwerk-Receiverbox, die in einer kommenden Version sogar dank Common Interface Slot Pay-TV unterstützen soll.
IBM will die Cell-optimierten Decoder für MPEG2- und H.264-Decoding auch der Community zur Verfügung stellen, so dass Video-Frameworks wie FFmpeg/Mplayer und damit alle Linux-Mediaplayer darauf zurückgreifen können.
Die Böblinger favorisieren für die PS3 und ihre ebenfalls am Stand zu besichtigenden Cell-Blades Fedora Core, was von IBM-Mitarbeitern für die mit lediglich 256MByte ausgestattete PS3 zusätzlich stark eingedampft wurde. Die Entwickler erreichen dies durch Verzicht auf überflüssige Systemteile und dynamisches Laden von Kernelmodulen, nur wenn diese auch wirklich benötigt werden. Dieses angepasste Linux braucht weniger als 40 MByte Speicher, leider enthält es einige IBM-interne Projekte und ist damit nicht öffentlich verfügbar. IBM schließt dies für die Zukunft allerdings nicht aus.



