
Das Kernel-Podium von links nach rechts: Linus Torvalds, Paul McKenney, Alan Cox, Thomas Gleixner und Lennart Poettering.
Ein Podiumsgespräch mit Linus Torvalds und anderen Kernelentwicklern bildete den Auftakt der Linuxcon Europe in Prag.
“Ich bin jetzt ja hauptsächlich ein Manager. Ich schreibe kaum Code, sondern helfe anderen, produktiv zu sein”, gab der Kernel-Chef im Gespräch als Selbsteinschätzung an. Mit ihm auf dem Podium saßen Alan Cox, Thomas Gleixner und Paul McKenney, die Moderation hatte der Red-Hat-Entwickler Lennart Poettering. Er fragte, wie wichtig es den Entwicklern sei, die Kompatibilität des Kernels mit Userspace-Programmen zu bewahren. “Den Benutzer zu stören ist tabu,” betonte Torvalds. Gleichzeitig sagte er, “Beim Versionswechsel zu Kernel 3.0 gab es Programme, die einfach schon an der Versionsnummer scheiterten. So ein Programm ist einfach schlecht geschrieben. Dennoch haben wir ein Flag eingerichtet, das auf Wunsch als Version 2.6.40 angibt. Eigentlich ein idiotisches Patch — aber es zeigt, wie wichtig uns der Userspace ist.”

Das Kernel-Podium von links nach rechts: Linus Torvalds, Paul McKenney, Alan Cox, Thomas Gleixner und Lennart Poettering.
Als eher scherzhaften Beitrag fragte Poettering, ob die Kernel-Hacker langsam ein Club alter Herren werde, die früh ins Bett gehen? Das gilt laut Torvalds vor allem für den Kernel Summit, der der Linuxcon voranging: “Manche haben einfach Jetlag, ansonsten trifft man hier die älteren, erfahrenen Entwickler und Maintainer. Aber es gibt auch Junge, die nachwachsen.” Alan Cox sieht das Problem weniger im Alter als im Geschlecht der Entwickler: “Die Geschlechterfrage in der Linux-Community ist immer noch ungelöst.”
Ein Zuschauer richtete eine Frage direkt an Alan Cox: Wie sieht er sein Big Kernel Lock im Jahr 2011, jetzt da es endlich abgelöst sei? Cox: “Es hat länger gedauert, es loszuwerden, als gedacht. Es war vor 10 Jahren sinnvoll und hat Linux früh Multiprozessorunterstützung gebracht. Aber es passt nicht mehr in die heutige Zeit”. Eine weitere Publikumsfrage betraf die ARM-Architektur und deren Linux-Unterstützung. “Ich mag den Befehlssatz von ARM eigentlich,” begann Torvalds seine Antwort, “aber die Implementierung der einzelnen Hersteller ist zu fragmentiert, jeder macht es anders. Das führt dazu, dass ARM zehn Mal so viel Kernel-Code braucht wie x86. Dabei hat x86 gezeigt, wie praktisch Standardisierung ist, das wünsche ich mir auch von ARM. Aber es bessert sich.” Der Embedded-Spezialist Thomas Gleixner fügte an: “Die ARM-Hersteller haben die Punkt überwunden, als jeder seine eigene Lösung für die beste hielt.”
Als kommende Herausforderungen für Linux identifizierte das Podium Skalierbarkeit und Energieeffizienz, aber vor allem die Komplexität: “Man braucht eine gewisse Komplexität, um die Aufgaben des Betriebssystem gut zu erledigen”, erläuterte Linus Torvalds, “aber bei zuviel Komplexität bekommt man Probleme. Das ist beispielsweise bei den Treibern so, die ständig viel neue Hardware unterstützen müssen.” Alan Cox sieht im Kernel Selbstheilungskräfte am Werk: “Sobald ein Subsystem zu komplex wird, entsteht meist ein Konkurrenzprojekt, das die gleiche Funktionalität neu und sauberer implementiert.”
Unmittelbar vor dem Podiumsgespräch hatte Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation die Veranstaltung mit einem kleinen Rückblick auf 20 Jahre Linux eröffnet. Er malte aus, wie die Welt ohne das freie Betriebssystem aussähe. Daneben begrüßte er neue Mitglieder des Verbands und gab eine neue Initiative bekannt: Unter dem Namen Long Time Support Initiative (LTSI) haben sich Hersteller aus der Unterhaltungsindustrie wie Samsung, Sony und Toshiba zusammengetan, um das Linux für ihre Geräte auf eine gemeinsame Basis zu stellen. Gleichzeitig mit der Konferenz feierte das Embedded-Buildsystem Yocto, ein weiteres Projekt der Linux Foundation, die Veröffentlichung der Version 1.1.



