Linuxcon Europe: Linus Torvalds bleibt Optimist

Auf der Linuxcon Europe hat sich Linus Torvalds mit Intels Open-Source-Chef Dirk Hohndel und dem Publikum im Saal über Gegenwart und Zukunft des Linux-Kernels unterhalten.

“Läuft die Kernel-Entwicklung zu schnell?”, fragte Hohndel zu Beginn, “sollten die Entwickler nicht besser Bugs fixen als neue Features einbauen?”. Torvalds zeigte sich mit dem gegenwärtigen Vorgehen und Tempo sehr zufrieden: “Wir haben den derzeitigen Prozess seit sechs Jahren, und weder beeilen wir uns mit den Features, noch haben wir monatelange Freezes, in denen gar nichts vorangeht.”

“Wie wird man Maintainer?” lautet die Frage eines studentischen Entwicklers, die Dirk Hohndel mitgebracht hatte. Der Kernel-Chef antwortete, man müsse nicht unbedingt ein Top-Techniker sein, aber vor allem zuverlässig. Der Maintainer müsse sicherstellen, dass die Entwickler seines Subsystems ihm vertrauen und in ihm immer einen Ansprechpartner finden. Vertrauen erwerbe man sich allerdings nur durch jahrelange Arbeit. Übrigens sei die Betreuung “ein Scheißjob, bei dem man 24/7 erreichbar sein muss”, scherzte Torvalds.

Scherzten mit dem Publikum der Linuxcon Europe: Linus Torvalds (links) und Dirk Hohndel.

Scherzten mit dem Publikum der Linuxcon Europe: Linus Torvalds (links) und Dirk Hohndel.

Wie will Linus die Vielzahl von chinesischen Herstellern, die eine Menge Geräte mit schwindligem Linux-Support herstellen, in die Kernelentwicklung einbinden? Das fragte ein Konferenzbesucher. Der Kernel-Chef hält das für eine schwierige Aufgabe, daneben sieht er das “”als eine darwinistische Sache: Die Firmen, die gut mit dem Kernel zusammenarbeiten, sind im Vorteil und werden mehr Erfolg haben.” Daneben gäbe es Konferenzen in Japan, Vietnam, Korea und China, die Bewusstsein schaffen.

Auf die Frage nach der Perspektive für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre musst Torvalds kurz nachdenken. Der Desktop sei nach wie vor eine Herausforderung, insbesondere sollten die Entwickler dort ihre Grabenkämpfe beenden und sich auf die Funktionalität konzentrieren. Im Übrigen habe er noch nie einen Fünfjahresplan gehabt, und Linux habe sich dennoch prächtig entwickelt.

Aufregende neue Features für den Kernel sieht der oberste Linuxer nicht: “Wenn ich es schon wüsste, wäre es nicht aufregend.” Die Core-Funktionalität arbeite zuverlässig, nur es gäbe immer wieder “Verrückte, die irgend etwas Neues brauchen”. Linux tue schon seit 20 Jahren, was sein Erfinder wolle, die größte Herausforderung sei aber immer wieder neue Hardware. “Der Kernel hat einfach die Aufgabe, eine stabile Basis zu bilden, auf die sich die Anwender verlassen und auf der sie ihre Arbeit machen können,” schloss er das Thema ab.

Sieht Torvalds eine Möglichkeit, mehr Frauen in die Kernelentwicklung einzubeziehen? Stimmt etwas mit der Kernel-Kultur nicht? “Wir haben sehr wenige Frauen, aber ich bin optimistisch,” erwiderte er, “Vor zehn Jahren hatten wir die Diskussion, dass wir zu wenige Japaner in unseren Reihen hatten, doch das hat sich geändert.”

Linus Torvalds macht sich keine Sorgen um den Stand der Linux-Welt und mag seinen Posten bei der Linux-Foundation, der ihm viele Freiheiten lässt. “Sollte sich das ändern, und es macht mir keinen Spaß mehr, höre ich auf,” resümiert er. Was passiert, wenn Linus vom Bus überfahren wird, wollte Dirk Hohndel zum Abschluss wissen. Auch hier ist Linus unbesorgt: “Es gibt viele, die schon seit 20 Jahren an Linux mitarbeiten. Manche von 1991 sind noch dabei, manche sind abgewandert, manche schon verstorben. Aber viele wissen, wie ich arbeite – auch wenn sie nicht immer damit einverstanden sind. Daher glaube ich, das auch andere meinen Job machen könnten: Unhöflich sein und Patches annehmen.”

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