Die Verschiebung des Maintainer Summits zeigt, dass Linus Torvalds seinen eigenen Busfaktor offenbar unterschätzt.
Der Busfaktor ergibt sich aus der hypothetischen Frage, was mit einem Projekt passiert, wenn die wichtigste Person unter die Räder eines Busses gerät. Im Idealfall sollte der Busfaktor möglichst gering ausfallen und das Projekt auch ohne eine Leitfigur funktionieren. In der Praxis der Kernelentwicklung scheint die Sache allerdings komplizierter zu sein.
Angesprochen auf seinen eigenen Busfaktor antwortete Linus Torvalds auf der Linuxcon Europe 2013: “Es gibt viele, die schon seit 20 Jahren an Linux mitarbeiten. Manche von 1991 sind noch dabei, manche sind abgewandert, manche schon verstorben. Aber viele wissen, wie ich arbeite – auch wenn sie nicht immer damit einverstanden sind. Daher glaube ich, das auch andere meinen Job machen könnten: Unhöflich sein und Patches annehmen.”
Konferenz verschoben
Offenbar unterschätzt der Kernelchef seinen eigenen Busfaktor damit jedoch. Zumindest wird nun aufgrund des fehlenden Torvalds eine ganze Konferenz verschoben. Der Maintainers Summit soll nicht wie ursprünglich geplant im kanadischen Vancouver stattfinden, sondern im schottischen Edinburgh, wo im Oktober der Open Source Summit campiert. Das teilte Entwicker Ted Ts’o auf der Maintainer-Summit-Mailingliste mit.
Torvalds hat an dem Termin fälschlich einen Familienurlaub eingeplant. Man habe nun die Optionen gehabt, den Maintainer Summit ohne ihn zu starten oder mit ihm an einem anderen Datum. Obwohl der Kernel-Chefentwickler die erste Option favorisierte, was Ts’o als “interessantes Experiment” bezeichnete, soll das Treffen nun nach einer Mehrheitsentscheidung am Rande des Open Source Summit stattfinden. Das habe eine Konsultation mit den Maintainern, der Linux-Foundation und Torvalds selbst ergeben.
Da im Rahmen des Summit vermutlich auch wieder eine Diskussionsrunde mit Linus Torvalds und Dirk Hohndel stattfindet, ließe sich die Frage nach dem Busfaktor wohl einmal mehr stellen. Tatsächlich ist dieser für den Bestand eines Projekts nicht ganz unwichtig und wie es scheint, sind die Kernel-Maintainer abhängiger von Linus als zumindest er selbst es gern wahrhaben möchte.



