Kein Centrino 2 mit Linux in Sicht

Chiphersteller Intel hat am 30. Juli in München offiziell seine neue Mobilprozessor-Plattform Centrino 2 vorgestellt. Dazu hatte er auch rund 20 Notebook-Vertriebspartner für eine Mini-Ausstellung versammelt. Nach ihrer Linux-Strategie gefragt, hatte kaum einer solche zu bieten. Die wenigsten haben Linux-Notebooks auch nur im Angebot.

Die Frankfurter Herstellerfirma MSI Technology GmbH richtet sich mit ihrer Palette von Garfikkarte über Mainboard bis TV-Tablets, Barebones, Notebooks und Server sowohl an Konsumenten als auch an Geschäftskunden und Industrie. Jedes der MSI-Geräte sei mit einem alternativen Betriebssystem zu haben, auch wenn das nicht auf der Webseite stehe, sagte der Sprecher vor Ort zu Linux-Magazin Online. Dabei handelt es sich aber nicht um Linux oder Unix – sondern Free DOS. Im Moment ist weder für die Centrino-2-Plattform noch für ältere Modelle die Verfügbarkeit mit Linux geplant.

Weder Linux-Pläne noch Anfragen gibt es weiterhin bei der Medion AG, die in Essen für das Privatkundensegment produziert. “Wir hatten intern mal die Diskussion um Linux”, sagte ein Produktmanager, “es hat sich aber noch nicht durchgesetzt.” Seine Kollegin aus dem Marketing, Ivonne Metje, hob lächelnd, aber bedauernd die Brauen: “Die meisten Leute wollen Windows.” Der leitende Produktmanager Uwe Hüfner von der Tarox GmbH, Hersteller und Systemhaus aus Lünen, verneinte ebenfalls sowohl die die Frage nach einer Linux-Strategie wie auch nach entsprechender Kundennachfrage. Tarox zielt auf Gewerbe und Industrie und verkauft manchmal bis zu 3000 Desktops an einen Kunden. Oft kümmern sich diese Kunden auch selbst um ihr Betriebssystem, sagte Hüfner. “Eine Suse-Zertifizierung könnten wir an jedes unserer Angebote kleben”, so Hüfner, “prinzipiell funktioniert das natürlich.” Aber selbst werde das Unternehmen aufgrund mangelnder Nachfrage nicht aktiv.

Die Maxdata-Gruppe, eine Aktiengesellschaft ebenfalls nördlich des Ruhrgebiets, zielt mit Servern, Desktops und Notebooks auf das Geschäftskundensegment. Am Maxdata-Stand hieß es, die Firma plane keine Linux-Aktivitäten, Anfragen kämen jedoch herein. Man beobachte die Entwicklung zum Beispiel anhand Testberichten.

Ähnlich zaghaft äußerte sich die konsumentenorientierte LG Electronics Deustchland GmbH. Produktmanager Tomas Oubailis verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Linux-Notebooks. Man arbeite bei LG daran, Linux auf die eigenen Notebooks zu bringen, sagte er: Dafür müssten die eigenen Applikationen angepasst werden. Ab 2009 soll auch eine Linux-Strategie vorliegen. Im Moment gibt es aber noch keine LG-Notebooks mit Linux, schon gar nicht mit Centrino 2. Von den anderen befragten Firmen erteilten sowohl Sony (“Nein”) als auch das IT-Haus Wortmann AG aus Nordrhein-Westfalen (“Alles alternativ mit Free DOS”) als auch HP (“Alles alternativ mit Free DOS”) der Linux-Perspektive zur Zeit eine Absage.

Mit Acer und Asus waren auf der Centrino-2-Ausstellung auch Unternehmen vertreten, die jüngst die Aufmerksamkeit von Linux-Nutzern auf sich gezogen haben: Asus mit dem Eee-PC, und Acer mit dem Konkurrenten Aspire One. Acer setzt nur im niedrigen Preissegment der Mini-Notebooks auf Linux und wird es auch weiterhin tun, wie es am Stand von Acer hieß (Linux-Magazin Online hat das Acer-Netbook Aspire One in einem Video vorgestellt). Asus-Marketingleiter Holger Schmidt bringt die Sache auf den Punkt: “Die Nachfrage ist nun mal Windows.” Weitere Asus-Notebooks mit Linux – außer einem Eee-Nachfolger – seien nicht geplant. Schmidt verriet aber gleichzeitig, dass Linux in den Asus-Notebooks sehr wohl zum Einsatz kommt, und zwar an ganz bestimmter Stelle.

Alle neuen Asus-Geräte mit Centrino 2 verfügen über einen alternativen Boot-Modus, der ein auf Splashtop basierendes Linux hochfährt, sagte Schmidt auf der Intel-Ausstellung zu Linux-Magazin Online. Damit soll der Nutzer die Möglichkeit haben, schnell mal eben nach E-Mails zu schauen oder zu surfen, ohne dass er den gesamten Bootvorgang von Windows abwarten muss: Splashtop kommt zu diesem Zweck seit Mai dieses Jahres vermehrt auf Asus-Mainboards zum Einsatz (Linux-Magazin Online berichtete). Die reduzierte Betriebssystem-Variante mit dem Namen “Asus Express Gate” ist in diesen Fällen direkt auf den Bords angesiedelt, laut Schmidt bei neuen Asus-Notebooks aber in eine eigene Partition der Festplatte gewandert. Asus nutzt Linux also in seinen Notebooks, gibt es aber nicht als eigenes Betriebssystem an den Kunden weiter. “Linux muss solche Nischen besetzen”, ist Schmidts Einschätzung, “in denen es seine Stärken ausspielen kann.” Im Retailgeschäft und im Fachhandel und auch bei Systemhäusern gäbe es bislang hingegen einfach zu wenig Nachfrage.

Ein kleinerer Mini-Notebook-Anbieter ist die Gruppe Brunen IT aus Niedersachsen, die neben den XMX-Spielerechnern als zweite Marke die “One”-Rechner vertreibt. Brunen IT waren auf der Intel-Ausstellung die einzigen, der zur Zeit mit Linux klar beschäftigt sind: Nachdem vor einiger Zeit das Mini-Notebook One A110 mit Linux anbot (wir berichteten), arbeitet das kleine Team zur Zeit daran, das bereits mit Windows erhältliche Mini-Notebook A440 für Linux startklar zu machen. Dafür sei zur Zeit die Treiberanpassung im vollen Gange, sagte Produktmanager Frerik Precht zu Linux-Magazin Online: Man sorge dafür, dass alle Hardware-Komponenten wie Wlan und Webcam auch wirklich funktionieren, “sonst ärgert sich der Kunde nur”. Weitere Projekte oder eine Linux-Strategie nannte aber auch er nicht.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben