ITU verschiebt Entscheidung über Schaltsekunden

Die International Telecommunication Union (ITU) hat auf ihrer World Radio Conference (WRC) beschlossen, die Entscheidung über eine Systemzeit für Rechner ohne die gefährlichen Schaltsekunden erneut zu vertagen – diesmal bis 2023.

Schaltsekunden werden von Zeit zu Zeit eingefügt, um die Zeitmessung der sich um winzige Beträge verlangsamenden Erdrotation anzupassen. Das ist insbesondere in der Astronomie wichtig, wäre für die Belange der IT aber eigentlich ohne große Bedeutung. Dagegen bringen die Schaltsekunden regelmäßig Tausende Rechner und Netzwerke zum Absturz, weil ihre Zeitmessung auf dem Zählen der Sekunden seit Beginn der so genannten Epoche (meist der 1. Januar 1970) beruht. Schaltjahre können dabei mit einer simplen Formel berücksichtigt werden, aber die in unregelmäßigen Abständen eingefügten Schaltsekunden lassen sich nur in Tabellen nachschlagen.

Wie die Rechner dann mit der zusätzlichen Sekunde umgehen ist ebenfalls unterschiedlich: Maqnche wiederholen eine Sekunde, andere versuchen die Zeit schleichend über den Tag verteilt zu verlängern. Das führt dazu, dass Komponenten nicht mehr syncronisiert sind und kann Abstürze provozieren, die zuletzt 2008 auch namhafte Unternehmen wie Reddit, Linkedin oder das Buchungssystem der Luftfahrtgesellschaft Quantas trafen. Deshalb liegt bereits seit 2012 ein Vorschlag auf dem Tisch der ITU, für Rechner zu einer kontinuierlichen Systemzeit ohne Schaltsekunden zu wechseln.

Der Vorschlag wurde 2012 auf 2015 vertagt, weil man noch Studien zu den Auswirkungen betreiben wollte. Nun aber folgte an Stelle einer Entscheidung eine erneute Vertagung und die nicht einmal nur bis zum nächsten Treffen der Experten 2019, sondern gleich bis zum übernächsten 2023.

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