Interview mit Sandra Schäfer, Leiterin Interoperabilität, Microsoft

Sandra Schäfer, Microsofts neue Leiterin Interoperabilitätsstrategie beim Abschluß des ersten Community-Treffens in München

Sandra Schäfer hat Anfang Mai bei Microsoft die neugeschaffene Position als Leiterin Interoperabilität übernommen. Am Rande eines ersten Community-Treffens in München unter dieser Überschrift sprach sie mit Linux-Magazin Online über OOXML und Microsofts Patentversprechen.

Linux-Magazin Online: Frau Schäfer, Sie haben vor kurzem die neu geschaffene Stelle als Leiterin Interoperabiltität angetreten, und Microsoft will diesem Bereich mehr Gewicht verleihen. Was qualifiziert Sie für den Job?

Sandra Schäfer: Ich bin Wirtschaftsingenieurin mit Schwerpunkt auf Software und Consulting. Schon von daher hatte ich Einblick in verschiedene Bereiche, und auch aus meiner Arbeitshistorie. Ich habe vom Vendor bis zum Partner verschiedene Ebenen betreut, und ich war in verschiedenen Unternehmen und Bereichen tätig. In der Projektbetreuung und als Kundenanforderung habe ich häufig ein heterogenes Umfeld erlebt, und auch im Produktumfeld spielte das eine Rolle, beispielsweise im CRM-Bereich oder bei Managementsoftware. Auch in den letzten zwei Jahren bei Microsoft ist dies ein starkes Thema. Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Zielgruppen, mit Partnern und Kundengruppen, letztlich auch mit Wettbewerbern, voranzutreiben.

Linux-Magazin Online: Betrachten Sie sich also vorwiegend als Kommunikationsschnittstelle?

Sandra Schäfer: Das ist mit eine der wichtigsten Aufgaben, auch und gerade bei der Community-Arbeit mit den verschiedenartigsten Partnern, wie wir sie gerade hier gesehen haben.

Linux-Magazin Online: Im Lauf der Veranstaltung hatten wir gerade das Thema Office Open XML, also OOXML, das als Microsoft-Standard propagiert wird. Aktuell haben ja vier Länder Einspruch gegen die ISO-Standardisierung eingelegt, wie die ISO-Organisation offiziell bestätigt hat. Inwiefern spielt für sie eine Rolle, dass die Standardisierung bei der ISO im Moment wieder verzögert wird?

Sandra Schäfer: Wie ich am Anfang meiner Präsentation gezeigt habe, beruht unsere Strategie auf vier Säulen, und eine davon sind Standards. OOXML ist der Standard auf den wir bauen, und er ist nicht nur bereits ISO-zertizifiert, sondern auch von der ECMA. Das spielt natürlich eine ganz wichtige Rolle in der ganzen Strategie, aber eben nur als ein Faktor. Zu dem momentan laufenden Prozess bei der ISO selbst kann ich natürlich nichts sagen.

Linux-Magazin Online: Die native Unterstützung für das freie Dokumentformat ODF ist für die erste Jahreshälfte 2009 geplant. Gibt es auch schon einen Termin für die hauseigene OOXML-Unterstützung?

Sandra Schäfer: Der offizielle Termin in dem die ISO-zertifizierte Spezifikation unterstützt wird, ist hier mit dem Service Pack 2 in der ersten Jahreshälfte 2009. Wir unterstützen ja heute schon weit über 90 Prozent in den Office-Anwendungen, und viele Spezifikationen sind schon umgesetzt in den Formaten, die wir nutzen. Auch das hat man heute schon gesehen, wie Partner das als europäischen Standard auf dieser Basis einsetzen. Der größte Anteil ist also schon umgesetzt und in Verwendung.

Linux-Magazin Online: Das Patentversprechen, das Open Specification Promise (OSP), das Microsoft in Zusammenhang mit der Nutzung von OOXML gibt, wird von Open-Source-Vertretern immer wieder kritisiert. Von Michael Grözinger, National Technology Officer von Microsoft Deutschland, haben wir gerade erfahren, dass Microsoft das Patentversprechen trotz der nicht eindeutigen Formulierung als dauerhaft gültig und unwiderruflich betrachtet. Gibt es Bestrebungen, das noch weiter auszubauen oder ist das OSP momentan das Ende der Fahnenstange?

Sandra Schäfer: Dazu kann ich nur sagen, die Lizenz wie sie momentan formuliert ist, hat Gültigkeit. Alles andere wäre nur Spekulation.

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