Der Gründer des Open-Lava-Projekts, David Bigagli, hat Post von IBMs Anwälten erhalten. Der Vorwurf: Ab Version 3.0 verletze die GPL-Software Copyright von IBM. Bigagli widerspricht, doch die Hintergründe bleiben unklar.
Von der Firma Platform Computing stammt LSF, die Load Sharing Facility, eine Plattform zum Verwalten von Workloads im verteilten High-Performance-Computing. Die Firma veröffentlichte 2007 Lava, eine vereinfachte LSF-Version, die auf einem älteren LSF basierte, unter der GPLv2. 2011 stellte die Firma Lava ein, das Projekt wurde aber als Open Lava weiter betrieben. Das sollte Nutzern eine Chance geben, ihre LSF-kompatible Software weiterhin zu verwenden. Ein Jahr später, 2012, kaufte IBM den ehemaligen Lava-Entwickler Platform Computing.
Laut dem Post von Bigagli auf einer Mailingliste verlangen IBMs Anwälte nun überraschend, den Quellcode für Open Lave 3.0 und 4.0 vom Netz zu nehmen. Der Projektgründer erklärt, er habe den meisten Open-Lava-Code selbst entwickelt und zudem fremde Codebeiträge überprüft. Dabei habe er keinen Zugriff auf IBMs Code gehabt, die Behauptungen des Unternehmens seien falsch und konstruiert. Laut dem zugehörigen Thread habe IBM auch noch nicht verlauten lassen, an welche Stelle das Projekt den Code gestohlen habe.
Er wirft IBM vor, keine technische Antwort auf Open Lava zu finden. IBM bietet mit Spectrum LSF offenbar eine kostenpflichtige Software-Alternative für LFS an und könne laut Bigagli den Kunden gegenüber aber nicht begründen, warum diese besser ist als Open Lava. IBMs Antwort bestehe vielmehr darin, eine Anwaltsfirma anzuheuern. Bigagli sieht sich nun gezwungen, den Quellcode für die Versionen 3.0 und 4.0 zu entfernen. Man ziehe aber die rechtlichen Optionen in Betracht und habe Version 2.2 auf Openlava.org veröffentlicht.
Das scheint aber laut einem Reddit-Thread nicht die vollständige Geschichte zu sein. Darin legen User nahe, dass ehemalige Angestellte von IBM mit Teraproc eine Firma gegründet haben, um das Open-Lava-Projekt zu kommerzialisieren und als Konkurrenz zu IBMs Spectrum zu positionieren. Diese Firma solle unter anderem ehemalige IBM-Mitarbeiter, darunter David Bigagli, angeheuert haben. Die wiederum, so der Vorwurf laut Reddit, sollen den proprietären Quellcode von IBM sowie das dort erworbene Know-how für Open Lava 3.0 verwendet haben.
Teraproc widerspricht dieser Darstellung: Bigagli soll nie für die Firma gearbeitet haben, vielmehr habe Teraproc das Open-Lava-Projekt finanziell unterstützt. Auch die anderen Entwickler hätten keine oder nur eine entfernte Beziehung zu Teraproc gehabt. Welche Seite am Ende recht behält, ist in diesem Fall also noch unklar.






