Der neue EU-Standard 45554 bewertet die Reparierbarkeit von Geräten. Auf seiner Basis lassen sich künftig Label erzeugen, die vor dem Kauf über die Reparierbarkeit von Geräten informieren.
Dinge so lange wie möglich zu nutzen und zu reparieren, macht für Verbraucher nicht nur aus finanzieller Sicht Sinn, sondern schont auch das Klima. Wer sich jedoch beispielsweise die Reparierbarkeit aktueller Smartphones auf Ifixit.com anschaut, stellt fest, dass die meisten aus Sicht der Reparierbarkeit eine Katastrophe sind. Wer schon selbst versucht hat, mit einem Fön und einer Flasche Isopropanol ein aktuelles Smartphone zu reparieren, dürfte diese Erfahrung bestätigen. Es ist durchaus möglich, bereits am Wechsel eines Akkus zu scheitern, mit einigen Geräten ringen selbst Reparaturprofis.
Für Unternehmen hingegen bedeuten lange haltbare Geräte in der Regel: weniger Profite. Geräte werden daher künstlich mit einem Lebenszyklus versehen (gern auch über Software-Updates), im schlimmeren Fall kommt es zu geplanter Obsoleszenz. Nur wenige Anbieter bauen ihre Geräte so, dass sich Teile mit Standardwerkzeugen einfach austauschen lassen.
Neuer EU-Standard EN45554
Diese Situation könnte ein neuer EU-Standard mit der Abkürzung EN45554 ändern, an dem die Europäischen Standardisierungsorganisationen CEN und CENELEC drei Jahre lang gearbeitet haben und der bereits im Februar diesen Jahres veröffentlicht wurde. Er schafft eine Basis, um die Reparierbarkeit von Geräten vergleichbar zu machen. An der Entwicklung des Standards EN45554 (der nicht frei einsehbar ist) hat mit Thomas Opsomer auch ein Mitarbeiter von Ifixit mitgewirkt, der den neuen Standard nun in einem Blogpost vorstellt.
Ihn zu entwickeln, sei nicht leicht gewesen, da in der Arbeitsgruppe überwiegend Vertreter der Hersteller saßen. Gestritten wurde um jedes Wort und sogar Kommas. Einige Hersteller seien offen für die Reparierbarkeit gewesen, andere hätten versucht, die Kriterien so zu verbiegen, dass sie auf eigene Geräte passen, wieder andere hätten den Vorgang mehr oder weniger sabotiert. Dennoch habe man sich nach vielen Vorschlägen am Ende auf einen offiziellen Standard für Reparaturfreundlichkeit geeinigt (siehe Abbildung).

Abbildung aus dem neuen EU-Reparatur-Standard.
Bringt ein Gerät zum Beispiel Schnappverschlüsse mit, die beim Öffnen brechen, gilt es als nicht reparierbar. Produkte mit exotischen Schraubenformen, die sich nur mit den Werkzeugen der Hersteller öffnen lassen, gelten künftig als schwer reparierbar. Ein Produkt das als gut reparierbar gelten will, braucht entweder gar kein Werkzeug, um es zu Öffnen, oder lässt sich mit gängigen Werkzeugen öffnen oder liefert das passende Werkzeug gleich mit.
Reparaturrecht als Standard
Damit ist der Kampf um die Reparierbarkeit aber noch nicht beendet. Auf Basis des Standards sollen nun Labels für die Produkte entwickelt werden. Frankreich will bereits im nächsten Jahr ein obligatorisches Label zur Reparierbarkeit einführen. In Europa sollen dank der Ecodesign-Direktive ab 1. März 2021 bestimmte Gerätegruppen Mindestanforderungen in Sachen Reparierbarkeit und Recycling erfüllen, darunter TV-Geräte, Waschmaschinen, Spülmaschinen und Kühlschränke, aber auch Server.
Ginge es nach Ifixit, würden zudem Smartphones zu den ersten Geräten gehören, die solche Label erhalten. Käufer würden dann schnell sehen, welche Geräte eine teure Reparatur im Shop brauchen und welche sie womöglich selbst reparieren können. Der nun entwickelte Standard ist ein Meilenstein, beendet aber den Kampf um die Reparierbarkeit von Geräten noch nicht. So läuft etwa die Right-to-Repair-Kampagne weiter, die fordert, die Reparierbarkeit von Produkten in Gesetzen festzuschreiben.






Hersteller von Produkten, die bei mir auch nur den Anschein von geplanter Obsoleszenz erkennen lassen, landen automatisch auf meiner Boykottliste.