Deutsche Unternehmen übernehmen eine Vorreiterrolle: 58,7 Prozent setzen bereits Open-Source-Software ein. Ihnen folgen Großbritannien mit 47,9 und USA/Kanada mit 37,7 Prozent. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Firma Actuate im Mai.
Länderübergreifend waren sich alle Befragten über den wichtigsten Vorteil freier Software einig: Keine Lizenzgebühren. Für 82,8 Prozent der deutschen Unternehmen ist dies das wichtigste Argument, in Großbritannien trifft das auf 64,3 Prozent zu und in USA/Kanada für 56 Prozent. Ein weiterer bedeutender Grund für den Einsatz freier Software ist die Unabhängigkeit von kommerziellen Softwareanbietern. Für 63,4 Prozent der deutschen Unternehmen ist dies wichtig, in Großbritannien und den USA/Kanada spielt das für rund 40 Prozent eine Rolle.
Auch die Hinderungsgründe beim Einsatz von Open Source Software sind für alle Befragten ähnlich: Es fehlt an langfristigem Support und Wartung. Das glauben jedenfalls 54,8 Prozent in Deutschland, 49 Prozent in USA/Kanada und 46 Prozent in Großbritannien. Tatsächlich tragen auch die Rechtsstreitigkeiten rund um Linux und Open Source zur Verunsicherung bei: Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten befürchten, dass Dritte Rechte an freier Software geltend machen könnten. Ebensoviele gehen davon aus, dass bestehende Datenbestände und Anwendungen nicht mit Open-Source-Programmen kompatibel sind. 43 Prozent der IT-Verantwortlichen denken, dass unter den Mitarbeitern nicht ausreichend Fachwissen vorhanden ist, um Open Source Software zu implementieren.
Trotz der Bedenken überwiegen die Vorteile. Das sagen 61 Prozent der deutschen Geschäftsleute und 52 Prozent der britischen, nur in USA/Kanada ist die Akzeptanz mit 45 Prozent geringer. Noch besser sieht es für Open Source dann aus, wenn es um die Neuanschaffung von Software geht: Im direkten Vergleich würden knapp 73 Prozent der deutschen IT-Verantwortlichen freier Software den Vorzug geben.
In einer Hinsicht sind die deutschen Entscheider jedoch vorsichtiger als die übrigen Befragten: Rund die Hälfte führen neue Technologien erst dann im Unternehmen ein, wenn diese in Praxis ausführlich getestet sind. Da die Verbreitung von Open Source in Deutschland dennoch am höchsten ist, ist eine Folgerung, dass Freie Software für deutsche Unternehmen heute zu den bewährte Technologien gehört. Da in rund einem Drittel der Unternehmen die Geschäftsleitung die Entscheidung über Software-Anschaffungen trifft, folgert Studienherausgeber Actuate außerdem, dass Open Source in der Chefetage angekommen ist und die Einführung nicht mehr allein von technischen Mitarbeitern abhängt.
An der Befragung haben sich rund 600 Unternehmen aus den Branchen Finanzdienstleister, Telekommunikation, öffentliche Hand und Industrie in Deutschland, Großbritannien, den USA und Kanada beteiligt.



