Desktop Summit: Komische Heilige, Ehrenmänner und Schüler

FSF-Gründer Richard Stallman erfreute die Desktop-Entwickler mit seinem Auftritt als komischer Heiliger.

Zu Beginn des Gran Canaria Desktop Summit haben Richard Stallman, Robert Lefkowitz (ACM) und Walter Bender (Sugar Labs) die anwesenden Open-Source-Entwickler auf die gemeinsame Arbeit auf der Tagung eingestimmt.

Richard Stallman, Begründer der Free-Software-Bewegung, referierte seine bekannten Ansichten über freie und proprietäre Software. Entwickler sollten über die Technik hinaus an die sozialen Bedingungen der Computerbenutzung denken: Freie Software ermächtige die Anwender, bei proprietärer Software dagegen bemächtigten sich die Konzerne der Rechner der Anwender – wie die Kolonisatoren früherer Jahrhunderte. In diesem Zusammenhang warnte er die versammelten Entwickler vor dem Einsatz der C#-Technologie von Microsoft, die mit Patenten belastet sei.

FSF-Gründer Richard Stallman erfreute die Desktop-Entwickler mit seinem Auftritt als komischer Heiliger.

FSF-Gründer Richard Stallman erfreute die Desktop-Entwickler mit seinem Auftritt als komischer Heiliger.

In seinem Vortrag problematisierte Stallman auch die Vergangenheit von KDE, dessen verwendetes GUI-Toolkit Qt ursprünglich nicht frei war. Gnome war damals als freie Alternative gedacht. Seit der Lizenzierung von Qt unter GPL fiel das Problem weg, das gestartete Gnome-Projekt arbeitete jedoch weiter. Das Ergebnis seien die heute existierenden zwei großen freien Desktop-Projekte, so Stallman. Seinen Auftritt beendete er in der als GNU-Folklore bekannten Verkleidung als St. IGNUtius of the Church of Emacs samt weihevollen Worten und dem Free Software Song im 7/8-Rhythmus.

"Software, die ein gebildeter Ehrenmann benutzen würde": Robert Lefkowitz brachte klassiche Bildung und Open Source zusammen.

“Software, die ein gebildeter Ehrenmann benutzen würde”: Robert Lefkowitz brachte klassiche Bildung und Open Source zusammen.

Einen erfrischenden und amüsanten Blick auf freie Software warf Robert “r0ml” Lefkowitz vom Verband ACM in seiner Keynote. Er wählte nicht “Free Software” oder “Open Source” für freie Programme, sondern “Liberal Software”. Unter Bezug auf die griechische Antike füllte er diesen Begriff mit Leben: Es gehe in der Open-Source-Welt nicht so sehr um das Ergebnis eines Herstellungsprozesses (“techne”), sondern um einen besseren Prozess (“praxis”), ja manchen sogar um das Nachdenken über diese Dinge (“theoria”).

Software ist laut Lefkowitz ein Kunstwerk, daher sei auch das Urheberrecht dafür zuständig, nicht das Patentwesen. Genauer gesagt sei sie so etwas wie schöne Literatur oder Rhetorik. Schließlich sähen Codezeilen wie Lyrik aus, und in der Redekunst wie beim Programmieren gehe es darum, Ideen mit Hilfe von Symbolen zu transportieren.

Die Open-Source-Community ist laut Robert Lefkowitz eine Gemeinschaft zum Austausch von Wissen, wie die freien Künste. Er schloss seinen Vortrag mit einer knappen Formulierung, was Liberal Software bedeute: “Ein Programm, das ein gebildeter Ehrenmann benutzen würde.”

Walter Bender von den Sugar Labs legte dem Publikum die ursprünglich für den OLPC entwickelte GUI Sugar samt ihren Anwendungen ans Herz. Die Software sei bereits bei rund 1 Million Schüler in Gebrauch, denen sie helfe, “das Lernen zu lernen”, beispielsweise in einem Projekt in Peru.

Open-Source-Software eigne sich besonders für pädagogische Zwecke, betonte Bender: Sie lasse sich kostenlos verbreiten und sei auch geprägt von eine Kultur des Teilens. Außerdem lerne man am besten durch Selbermachen und Diskussion mit anderen, und das seien Kernbestandteile der Open-Source-Welt.

Zum Abschluss zeigte der Sugar-Mann, wie er seine Präsentation selbst mit der Sugar-Anwendung Turtle Art gebastelt hatte, und versuchte Desktop-Entwickler für seine Sache zu gewinnen. Er präsentierte eine Wunschliste für die kommenden Tage der Konferenz: Bessere SVG-Unterstützung, bessere Tools zur Internationalisierung sowie verbesserte History- und Archiv-Funktionen und mehr Kollaborationstools für den Desktop. Dies seien schließlich Features, an denen alle Projekte – KDE, Gnome, und Sugar – ein gemeinsames Interesse hätten.

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