Debian diskutiert Wechsel zu Systemd oder Upstart

Debian gehört zu den wenigen großen Distributionen, die noch auf das Init-System Sysvinit setzen. Nun denken die Debianer auf der Mailingliste laut über einen Wechsel zu einem neuen Init-System nach. Das Thema ist recht komplex und bietet Zündstoff für lange Diskussionen.

Upstart wird bereits seit einigen Jahren von Ubuntu-Entwicklern gepflegt, während das jüngere Systemd vor allem bei Red Hat und den Gnome-Entwicklern Anklang findet – der Gnome-Desktop integriert Systemd inzwischen recht weitgehend in die eigene Infrastruktur.

Das aber stellt Debian vor Probleme unterschiedlicher Art. Auf der technischen Seite werde die Festplattenverschlüsselung per “dmcrypt” nicht ausreichend integriert, funktioniere GDM 3 nicht ohne Systemd und würden andere als der Linux-Kernel nicht von Systemd unterstützt. Als Argument für Systemd wird vorgebracht, dass es sich einfach modularisieren lasse, aktiv betreut werde und Gnome insgesamt ein besseres Benutzererlebnis beschere. Die Systemd-Gegner unter den Debian-Entwicklern sehen hingegen eine Embrace-and-Extend-Taktik und möchten Systemd zumindest modularisieren, um sicherzustellen, dass Debian notfalls andere Init-Systeme verwenden kann – man fürchtet ein Lock-in.

Am Ende soll aber das Debian Technical Committee (tech-ctte) entscheiden. Doch auch das wirft Probleme auf. Auf der Mailingliste streitet man sich zudem über Interessenkonflikte einiger Mitglieder, die nicht nur im Debian-Projekt, sondern auch für Canonical arbeiten oder gearbeitet haben. Zudem hätten sich die Entscheider womöglich zu wenig mit Systemd beschäftigt, um dieses wirklich zu verstehen. Bis zu einer Entscheidung wird es zwar noch eine Weile dauern, allerdings erzeugt die Verknüpfung von Gnome und Systemd offenbar einigen Druck, sich für einen Weg zu entscheiden.

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