Nach einer Wartezeit von mehr als 100 Tagen glaubt Curl-Entwickler Daniel Stenberg inzwischen, dass die USA ihm wohl auch ein zweites Mal die Einreise verweigern werde.
“Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem andern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, daß er ihn noch nicht einlassen könne.”
Die Szene aus Kafkas “Vor dem Gesetz” erlebt der Schwede Daniel Stenberg gerade in der Realität. Der Curl-Entwickler glaubt, dass ihm die USA offenbar ein zweites Mal die Einreise zu einer von Mozilla organisierten Konferenz verweigere. Seine offizielle Visa-Bewerbung laufe nun 102 Tage, er sei nicht sehr optimistisch, erklärt Stenberg in seinem Blogpost. Immerhin könne er einige der Theorien, warum ihm die Einreise beim ersten Mal verweigert wurde, nun ausschließen.
Zweiter Versuch
Nachdem der Erfinder des beliebten Tools Curl schon im letzten Jahr nicht an der Mozilla-Konferenz teilnehmen durfte, weil das Land ihn aus unbekannten Gründen die Einreise verweigerte, startete er im April 2018 einen zweiten Versuch, eine ESTA-Genehmigung zu bekommen. Die Ablehnung kam postwendend, er sei für das Programm nicht autorisiert. Er könne sein Visa aber eventuell über das Außenministerium erhalten.
Also versuchte es Stenberg über ein gewöhnliches Visa, füllte geduldig den mehr als 10-seitigen Antrag “DS-160” aus, der auch viele persönliche Details anfragt, zahlte 160 US-Dollar und machte einen Termin, um in der schwedischen US-Botschaft zu erscheinen. Dort erklärte er, er sei nicht im Iran, Irak oder Sudan gewesen und erhielt die Auskunft, dass es ein paar Wochen dauern werde, sein Visa zu bearbeiten.
Private Daten der letzten 15 Jahre
Zurück zu Hause erhielt Stenberg eine Mail, er müsse zusätzlich das Formular “OMB 1405-0226” ausfüllen und seine Reisen, Wohnorte, Arbeitgeber und E-Mail-Adressen der letzten 15 Jahre angeben — um diese sensiblen Daten dann per E-Mail an die Visa-Bearbeiter zu schicken. Er könne verstehen, wenn Besucher an dieser Stelle von einer Reise in die USA absehen, habe sich diesen Aufwand aber trotzdem angetan, weil häufiger Konferenzen in den USA stattfinden und er viele Kontakte und Freunde dort habe, schreibt Stenberg.
Auf eine Bearbeitung seines Visums wartet Stenberg allerdings bis heute. Er sei schon in zahlreichen Ländern mit Visapflicht gewesen, nirgends habe eine Bewerbung länger als ein paar Wochen gedauert. Stenberg glaubt daher nicht mehr an einen Erfolg seiner Bewerbung, befürchtet aber auch, dass die potenzielle Ablehnung sich womöglich auf negativ auf nachfolgende Reisen nach Kanada auswirke.
Stenberg selbst glaubt, dass die Ablehnung mit seiner Arbeit zu tun habe. Die freie Software Curl, die nicht viel mehr tut als Software aus dem Internet zu laden, hat seiner Schätzung nach etwa eine Milliarde Nutzer. Sie wird nicht nur in vielen Security-Tools, sondern auch in Malware eingesetzt. Tatsächlich hatten sich in der Vergangenheit immer mal wieder vermeintliche Opfer seiner Software bei ihm gemeldet, weil seine Adresse in den Lizenzbedingungen steht. Auch seine Internetdomain “haxx.se” könnten weniger IT-affine Menschen missverstehen. Die ESTA-Regeln jedenfalls habe er nicht verletzt.







so ist das eben, wenn man in ein land einreisen moechte, welches von einem solchen verbrecher regime regiert wird!