Nach Erkenntnissen der IBM Sicherheitsforscher wurde der Finanzsektor im vergangenen Jahr häufiger als jede andere Branche angegriffen – die Rate lag um 65 Prozent höher als der Durchschnitt über alle Sektoren hinweg.
Das Resultat bricht sämtliche Rekorde: Die Sicherheitsverletzungen haben einen neuen Höhepunkt erreicht und sind gegenüber 2015 um genau 937 Prozent auf über 200 Millionen Angriffe gestiegen. Gleichzeitig zeigen die Daten des IBM X-Force Threat Intelligence Index, dass die Finanzbranche dennoch erst an dritter Stelle steht, wenn es um den tatsächlichen Erfolg solcher Angriffe geht. Dies ist wahrscheinlich mit höheren Investitionen der Branche in einen besseren Sicherheitsschutz zu erklären.
Die finanziellen Vorteile, die sich Cyberkriminelle durch das Hacken der Finanzdaten von Privatkunden und Unternehmen versprechen, machten den Tätern 2016 offensichtlich noch größeren Appetit: Der gesamte Sektor musste mit einem weiteren Anstieg der Cyberattacken um 29 Prozent gegenüber 2015 fertig werden. Dabei haben die Hacker 2016 interessanterweise insgesamt mehr Daten gestohlen als die im Vergleichszeitraum von IBM X-Force ermittelte gleichbleibend hohe Anzahl öffentlich gemeldeter Vorfälle.
Wenn man die Ergebnisse für die Finanzbranche genauer betrachtet, wird deutlich, dass der Sektor noch stärker mit Insider-bezogenen Attacken (58 Prozent) als mit reinen Angriffen von außen (42 Prozent) zu kämpfen hatte. Darauf lässt deren Entstehung schließen, da viele dieser Sicherheitsvorfälle das Resultat unrechtmäßigen internen Datenzugriffs oder das Ergebnis von Manipulationen waren.Der unrechtmäßige Datenzugriff ist meist das Ergebnis von Unachtsamkeit (53 Prozent), etwa weil ein Mitarbeiter mit einer sogenannten Phishing-Mail dazu gebracht wird, Malware auf seinen Rechner herunterzuladen, mit deren Hilfe die Hacker dann ungehindert auf Informationen zugreifen können. Sehr viele dieser Angriffe passieren, ohne dass sie von Mitarbeitern oder Organisationen frühzeitig bemerkt werden.
Hacker legten ihren Fokus dabei insbesondere auf Konten von Geschäftsbanken und verwendeten dabei Malware wie Dridex, Neverquest oder GozNymund TrickBot. Da sich größere Organisationen aber immer besser gegen solche Angriffe wappnen, haben die IBM X-Force Experten herausgefunden, dass die erst kürzlich identifizierten TrickBot-Malware-Kampagnen vor allem gegen weniger bekannte und kleinere Institute und Unternehmen gestartet wurden. Dazu gehören Privatbanken, Vermögensverwalter oder besonders hochwertige Kontotypen. Dieses Vorgehen lässt darauf schließen, dass ambitionierte Malware-Gangs neue Territorien erschließen wollen.





