Der bekannte Kryptographie- und Security-Experte Bruce Schneier kündigt an, künftig für das Solid-Projekt von Tim Berners-Lee zu arbeiten.
Mit Solid will WWW-Erfinder Tim Berners-Lee die Probleme eines dezentralisierten Internets lösen, in dem die Daten in den Händen einiger großer Tech-Player landen. Berners-Lee konnte Schneier offenbar für eine Mitarbeit gewinnen. Inoffiziell arbeitet der Krypto-Experte bereits seit dem Sommer 2019 bei Inrupt, das Schneier als eine Art Red Hat für Solid bezeichnet.
Die Idee hinter Solid: Die Anwender verwalten ihre Daten selbst, in so genannten Pods. Zum Beispiel kann es Pods mit Fotos geben, die den Zugriff für Freunde erlauben und solche mit den Fitnessdaten, auf die ein Versicherungsunternehmen zugreifen darf und so weiter. Insbesondere für den Bereich des Internets der Dinge sieht Schneier zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten.
Im Idealfall sollen sich die Pods in der Obhut der Nutzer befinden. Sie können diese aber auch, schreibt Schneier, temporär an Unternehmen auslagern. Wollen sie ein Unternehmen verlassen, kassieren sie den Pod wieder ein. Schneider vergleicht das mit dem Umzug einer Telefonnummer.
Pods für Privatsphäre
Schneier hält das Solid-Protokoll für einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Autonomie der Benutzer. Er erhofft sich davon eine größere Unabhängigkeit von großen Anbietern und Regierungsinstitutionen. Zudem könnten Pods durchschnittlichen Anwendern mehr Privatsphäre und Unabhängigkeit bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, habe man für Solid die vorhandenen Protokolle zur Internetsicherheit recht weit ausgereizt, schreibt Schneier.
Wie weit Solid mit dem Konzept kommt, muss sich zeigen. Einerseits müssen die Unternehmen selbst mitspielen und das Pods-Konzept akzeptieren. Andererseits ist der Ansatz weniger radikal als andere Dezentralisierungsideen, die Big Tech am liebsten komplett ausschließen wollen, ohne aber den Durchschnittsnutzern einfache und realistische Alternativen für lieb gewonnene Dienste anzubieten.


