Bruce Perens und US-Unternehmerverband streiten über GPLv3

Der Open-Source-Aktivist Bruce Perens und der amerikanische Verband ACT sind über den dritten Entwurf der GPL 3 heftig in Streit geraten.

Die Free Software Foundation (FSF) hatte den dritten Entwurf vor knapp zwei Wochen der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt.

Die Auseinandersetzung zwischen Perens und dem Verband begann, als der Rechtsberater des ACT, Richard Wilder, Anfang April 2007 eine Analyse zu den rechtlichen Konsequenzen (“GPLv3: The Legal Risks of Overreaching for Third Party Rights”) auf den Webseiten des ACT veröffentlichte. Der ACT nennt als seine zentrale Aufgabe den rechtlichen Schutz kleiner Unternehmen. In seinem Rechtsgutachten für den ACT nimmt Wilder Bezug auf die Vereinbarung zwischen Novell und Microsoft zu gegenseitigem Schutz vor Patentklagen. Wilder sagte, dass die Teile des GPLv3-Entwurfs, die gegen ähnliche Vereinbarungen zum Patentschutz gerichtet seien, für Software-Entwickler rechtlichen Risiken bergen würden.

Bruce Perens nannte daraufhin den ACT gegenüber US-Medien einen Verein, der für Microsoft Lobby-Arbeit betreibe. Offensichtlich werde Microsoft von GPL-Software oft ausgebootet und dies bei wichtigen Kunden. “Ein Anwalt muss die Gegenseite einschüchtern,” meinte Perens in einem
Interview. “Das ist billiger, als den Prozess vor Gericht zu führen. Deshalb malen die das Bild so schwarz, wie sie können.”

Auf die Anschuldigungen reagierte Wilder in einem Blog-Eintrag und bezeichnet Perens als Blockierer, der den Verein nur deshalb nicht möge, weil Microsoft Mitglied sei. Er wirft Perens vor, dass er nicht sachlich auf das Hauptrisiko der GPLv3 einginge, nämlich dass sich die Free Software Foundation widerrechtlich in einen rechtsgültigen Vertrag zwischen zwei Parteien einmische. Perens hatte gegenüber der Presse den Fall Daniel Wallace gegen FSF angeführt, bei dem die Gültigkeit der GPL von einem US-Gericht bestätigt wurde. Wilder meint, der Fall sei nicht vergleichbar, da es hier nicht um das Boykott einer ganzen Gruppe gegangen sei, wie dies nun die GPLv3 vorschlage.

Perens erwidert, dass nicht die “ärmlich konstruierte” Klage von Wallace entscheidend sei, sondern die Kommentare des Richters zur GPL 2, in denen das Gericht auch Stellung zu Patentregelungen bezogen habe. Die Inhalte der GPLv3 seien von der inhaltlichen Absicht gleichbedeutend mit der GPL 2, nur klarer formuliert. Weltweit akzeptierten Unternehmen die Bedingungen der GPL und arbeiten damit. “Was ich an (Wilders) Gruppen-Boykott-Theorie lächerlich finde ist, dass seiner Ansicht nach Leute verklagt werden könnten, die ihre Arbeit der ganzen Welt kostenlos zur Verfügung stellen. Dies nur deshalb, weil sie ihre Arbeit in einer Form abliefern, die Microsofts Zielen widerspricht”, schließt Perens seine Argumentation.

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