Nachdem sich in letzter Zeit die Fälle häuften, in denen Anwälte vor Gericht mit komplett erfundenen und falschen KI-generierten Aussagen zu anderem Prozessen auftraten, weist der High Court of England und Wales darauf hin, dass sie bei der Recherche mit KI-Tools sorgfältiger vorgehen müssen.
Generative KI-Tools, schreibt Richterin Victoria Sharp, seien nicht in der Lage, zuverlässige rechtliche Recherchen auszuführen. “Solche Werkzeuge können nach Aufforderungen scheinbar kohärente und plausible Antworten geben, die sich aber als völlig falsch erweisen”, so Sharp. Das heiße nicht, dass die Nutzung dieser Tools völlig unmöglich sei, jedoch müssten die Anwälte die Richtigkeit solcher Recherchen durch Bezugnahme auf maßgebliche Quellen überprüfen, bevor sie diese im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit verwenden. “Anwälte, die ihren beruflichen Verpflichtungen in dieser Hinsicht nicht nachkommen, riskieren schwere Sanktionen”, fügte sie hinzu.
Konkret ging es um zwei Fälle. In einer der fraglichen Rechtssachen reichte ein Anwalt, der einen Mann vertrat, der gegen zwei Banken auf Schadensersatz klagte, einen Schriftsatz mit 45 Zitaten ein – 18 dieser Fälle existierten nicht, während viele andere “nicht die Zitate enthielten, die ihnen zugeschrieben wurden, die Behauptungen, für die sie angeführt wurden, nicht stützten und für den Gegenstand der Klageschrift nicht relevant waren”, so Richter Sharp. In dem anderen Fall vertrat ein Anwalt einen Mann, der aus seiner Londoner Wohnung vertrieben worden war, und zitierte in einer Gerichtsakte fünf Fälle, die nicht zu existieren schienen.




