All Systems Go!: Arm, aber sexy

Mit der All Systems Go! startete die ehemalige Systemd-Konferenz am Wochenende in Berlin neu durch. Erfolgreich, möchte man sagen: 200 Besucher kamen, um Vorträge auf hohem Niveau zu hören.

Anders als etwa die Chemnitzer Linux-Tage, die sich vorrangig an deutschsprachige Entwickler, Sysadmins, aber eben auch an normale Linux-Nutzer richten, positioniert sich die All Systems Go! als internationale Konferenz für professionelle Entwickler und Sysadmins. Entsprechend war Englisch die Sprache der Wahl. Einige Teilnehmer leben und arbeiten ohnehin in Deutschland, andere reisten aus dem Rest der Welt an.

Auf eher hohem Niveau zeigte sich die Themenauswahl: Die Vortragenden redeten über Container, Kubernetes, (Wireless)-Netzwerke, den Berkeley Paket Filter (BPF), Cgroups v2, Machine Learning, Embedded-Systeme, IoT und häufiger über Systemd. Letzteres ist kein Wunder, gehörten zu den Machern der All Systems Go! neben Hauptorganisator Chris Kühl (Kinvolk) verschiedene Entwickler aus dem Umfeld von Systemd und der ehemaligen Systemd.conf.

Laut Kühl erhielten die Konferenzmacher im Zuge der zwei Systemd-Events immer wieder interessante Themenvorschläge, die sich aber nicht auf das Initsystem bezogen. Dem will die neue Konferenz Rechnung tragen und widmete sich ganz allgemein Low-Level-Userspace-Themen. Die Vorträge waren nahezu frei von Marketing und dennoch hochkarätig besetzt, die Entwickler von Red Hat, Core OS, Facebook, Microsoft und Intel redeten schlicht über die technischen Fragen bei der Arbeit an ihren Projekten.

Dass die Vorträge an jene von großen Konferenzen wie der Linux-Foundation erinnerten, wundert wenig, denn einige der Redner treten auch bei anderen Veranstaltungen wie der Fosdem, Debconf und Cloud Native Con + Kube Con regelmäßig auf. Viele zogen direkt nach der Konferenz auch gleich weiter zum Open Source Summit der Linux Foundation, der heute in Prag startet.

Im Unterschied zu den großen Events der Linux Foundation sind die Ticketpreise aber vergleichsweise zivil und auch für interessierte Laien finanzierbar: Community-Tickets kosteten zwischen 28 und 45 Euro. Als weiteres Plus fand die All Systems Go! nicht in einem sterilen Hotelkomplex statt, sondern an einem für Berlin typischen Ort, einem ehemaligen Fabrikgebäude, einer Münzdruckerei direkt an der Spree.

Um die Kosten zu decken, reichen die Einnahmen laut Organisator Chris Kühl aber noch nicht, es fehle ein mehrstelliger Betrag. Mit rund 200 verkauften Tickets erreichte die Konferenz immerhin das selbst gesteckte Ziel und will im nächsten Jahr weitermachen. Dann hoffen die Organisatoren auf noch mehr Publikum und weitere Firmensponsoren.

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