All Systems Go! 2018: Linux Userspace Tools im Fokus

Die All Systems Go! 2018 versammelte am Wochenende einmal mehr namhafte Entwickler aus dem Open-Source-Bereich in Berlin und kreiste thematisch vorwiegend um Werkzeuge rund um den Start von Linux-Systemen, mit Ausflügen in die Containerwelt.

Die Location blieb unverändert, die Besucherzahl, trotz etwas höherer Ticketpreise, konstant: Die All Systems Go! blieb in diesem Jahr ihrem Themenmix weitgehend treu und steht wohl auch finanziell auf soliderem Boden. Laut Chris Kühl, einem der Hauptorganisatoren, werde das Event wohl schwarze Zahlen schreiben und sei damit auf den Weg zur Nachhaltigkeit.

Die Userspace-Werkzeuge rund um den Bootprozess blieben ein zentraler Fokus der Konferenz. Kernelspezifische Themen will Organisator Kühl bewusst aussparen, es gehe auf der Konferenz eher um die so genannte Plumbing-Schicht. Die umfasse etwa die Prozesse vom Booten bis zum fertigen System, aber auch Kernel-nahe Werkzeuge wie Kexec und Kdump.

Alles im Container

Daneben legte die Konferenz einen Fokus auf Containertechnologie verschiedener Couleur. Das begann mit “systemd-nspawn”, dass es erlaubt, ressourcensparend Namespace-Container zu starten. Das Tool unterstützt dabei die Container Interface Specification (CSI).

William Smith von Facebook verwies auf ein neues Tool namens Capmon, für das Facebook demnächst die Quellen veröffentlichen will. Es ist in der Lage, die von Container benötigten Capabilities festzustellen, um diese anschließend zu beschränken. Es verwendet dazu BPF, Cgroups und Extended Attributes. Facebook brauche so ein Tool, weil das soziale Netzwerk die Container bewusst mit Rootrechten laufen lasse.

Auch Flatpak, das noch junge Paketformat aus dem Fedora-Gnome-Umfeld, basiert letztlich auf Containertechnologie. Alexander Larsson und Philip Withnall gaben hierzu Einblicke. Nicht zuletzt stellte Red-Hat-Mitarbeiter und SE-Linux-Erfinder Dan Walsh mit Podman eine alternative Verwaltung für Docker-Container vor. Podman erlaubt es, Docker-Container ohne Rootrechte zu betreiben, in den Containern läuft Systemd als PID 1. Eduardo Silva von Fluent Bit widmete sich hingegen dem Thema Logging in verteilten Containerumgebungen.

Systemd-Updates

Lennart Poettering nutzte das Forum einmal mehr, um auf die Neuerungen von Systemd seit seinem letzten Auftritt im Jahr 2017 hinzuweisen. Dabei hob er als wichtigstes neues Feauture die Portable Services hervor. Ihnen widmete er einen eigenen Talk, sie seien nun produktionsreif. Dabei versammeln einfache Images auf der Festplatte sämtliche zum Service gehörigen Dateien, was diesen Dienst portabel und vor allem einfacher verwaltbar mache. Neben nativen Systemd-Diensten und solchen mit Sysvinit-Support handele es sich quasi um einen dritten Modus für Systemd-Dienste.

Boot Counting hilft, gezielter auf Reboots von Systemen zu reagieren. Eine System Call Whitelist erlaubt Sandboxing und beschränkt Dienste auf eine bestimmte Auswahl an verfügbaren Systemaufrufen. Memory Accounting ist für die Systemd-Dienste neuerdings standardmäßig aktiviert, weil der Kernel dieses fast ohne Kosten erledigt. Weitere Accounting-Typen sollen folgen, sobald der Kernel diese ohne Kosten implementiert.

Ordnungsversuche

Weiterhin versuchte Vincent Batts Ordnung ins Chaos der zahlreichen Container-Runtimes und -Technologien zu bringen und stellte in diesem Zusammenhang zahlreiche der in den letzten Jahren entstandenen Projekte vor. Einen zweiten Talk hängte er nahtlos an den ersten an. Dieser beschäftigte sich mit den Möglichkeiten und Fallen beim Verifizieren von Dateien auf Dateisystemen. Er versuchte die Frage zu klären, wie sich feststellen lasse, ob sich wirklich die gewünschtem Dateien auf dem Dateisystem befinden. Klassische Software arbeite nicht reproduzierbar, Batts empfiehlt M-Tree-Implementierungen. Aus dem Publikum kam zudem der Hinweis auf “fs-verity”.

AWS-Mitarbeiter Frank Becker widmete sich hingegen der Frage, wie sich die Performance von Systemen sinnvoll messen lasse. Hier lautet die Faustformel bekanntliche “Wer misst, misst Mist”. Becker pickte nicht nur für die verschiedenen Mess-Szenarien jeweils hilfreiche Tools aus, sondern wies auch auf die Fallen, die lauern, wenn die Messdiener Caches nicht leeren oder arithmetisches Mittel und Median nicht unterscheiden.

Freies Booten

Nicht zuletzt versuchten Google-Mitarbeiter Chris Koch und der Max-Planck-Forscher Paul Menzel den Anwesenden die Freuden eines freien Bootsystems näher zu bringen. Google versucht bereits länger, die zahlreichen Hardware-Blobs auf Intel-Systemen und die UEFI-Treiber (DXEs) los zu werden oder zumindest zu umgehen. Als Ersatz könnte künftig ein Linux als UEFI-Payload dienen.

Daraus würden mehrere Vorteile entstehen: Nicht nur gibt es mehr Linux- als UEFI-Entwickler. Die Systeme würden auch deutlich flotter laden, weil die DXE-Initialisierung Zeit brauche. Dank der größeren Zahl an Entwicklern würden vermutlich auch Bugs einfacher gefunden als in den bisherigen Setups.

Im Großen und Ganzen also interessante Themen, wobei nur Teile des Publikums aus Berlin oder Deutschland kamen. Insbesondere die Sponsoren Facebook und Red Hat hatten zahlreiche Entwickler aus den USA einfliegen lassen, viele weitere Besucher kämen laut Chris Kühl aus allen möglichen Teilen Europas. Geht es nach ihm, wird die Veranstaltung im nächsten Jahr ohne große Änderungen erneut stattfinden.

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