Randnotizen von den Qt Dev Days

Es war richtig nett. Locker. Diesen Eindruck teilte ein Besucher, ein KDE-Projektler, der anmerkte, dass sogar der ansonsten extrem oberflächenversiegelte Qt-Chef Sebastian Nyström – ein Ex-McKinseyaner – seinen Anzug gegen ein langärmliges Qt-Schlabbershirt eingetauscht hat.

Als ich mit Nyström sprach (woraus übrigens diese News entstand), sprachen wir auch über Dinge wie Nokias Öffnung, Qt Softwares/Trolltechs bei Nokia ziemlich akzeptierte Eigenständigkeit und was ein Unternehmen davon hat, freie Software zu unterstützen. Das Ergebnis, dass derlei Reflexionen auf der Führungsebene angestellt werden: Die Stimmung auf den Qt Dev Days war fast wie auf der UDS (Ubuntu Developer Summit) oder auf der Fosdem.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied. Wer an den Qt Dev Days (11. – 13. Oktober 2010 in München) teilnehmen will, muss mindestens 480 Euro bezahlen. Soviel kostet das Early-Bird-Ticket für den zweiten und dritten Tag, also exklusive Workshops am ersten Tag. Zwar werden vereinzelte Projektler eingeladen, zum Beispiel oben genannter KDE-Mitglied. Die Entwicklerkonferenzen Fosdem und UDS hingegen kosten überhaupt keinen Eintritt.

Langärmeliges T-Shirt - hier hochgekrempelt - statt Anzug: Trolltech färbt auf Qt-Chef Sebastian Nyström (links) ab. Rechts im Bild: Lars Knoll. Ja, richtig gesehen, dessen T-Shirt ist kurzärmelig.

Langärmeliges T-Shirt – hier hochgekrempelt – statt Anzug: Trolltech färbt auf Qt-Chef Sebastian Nyström (links) ab. Rechts im Bild: Lars Knoll. Ja, richtig gesehen, dessen T-Shirt ist kurzärmelig.

Natürlich fallen hier “logistische” Kosten für Anreise und Übernachtung an. Bei der ehrenamtlich organisierten Fosdem wäre Besucher-Sponsoring auch schwierig, zumal die Bedingung, Projektentwickler zu sein, ja für fast jeden Besucher zuträfe. Bei Canonical und der UDS sieht das schon etwas anders aus, hier werden Community-Mitglieder teilweise eingeladen. Auch die Konferenzmesse Linuxtag ist mit ihren 10-oder-20-Euro-Messetickets recht bezahlbar. Weiteres Beispiel: Der Chaos-Computer-Kongress verlangt immerhin fast 100 Euro. Dass hier der Eintritt jedoch zur Kostendeckung verwendet wird und nicht der unternehmerischen Gewinnmaximierung dient, “kaufe” zumindest ich diesem Veranstalter ab.

Aber wie will Nokia von Engagement und Talent möglichst vieler Freiwilliger profitieren, wenn die Einstiegshürde hoch ist? Was haltet Ihr von kostenpflichtigen Entwickler-Events – wo ist die Grenze?

Im Übrigen war es interessant zu sehen, dass sich hinter den Kulissen offenbar doch einiges in Sachen “Car Infotainment” tut. Car Infotainment bedeutet im Wesentlichen, Auto-Computer zu bauen und mit Smartphone-ähnlichen User Interface auszustatten, auf dass der Auto-Rechner den fahrenden Nutzer beglücke, wobei noch nicht geklärt ist, wie er dabei die Aufmerksamkeit auf der Straße behalten soll. Naja. Ein junges Beispiel ist jedenfalls das Android-basierte Autolinq. Anfänge, die in diese Richtung weisen, sind die im Frühjahr 2009 gestartete Genivi-Allianz. Zuletzt verkündete die Linux Foundation im Juli 2010, dass die Autosoftware-Allianz auf Meego setze.

Bei den Qt Dev Days ausgestellte Genivi-Referenzimplenentierung.

Bei den Qt Dev Days ausgestellte Genivi-Referenzimplenentierung.

Kein Wunder: Auch Nokia ist Mitglied der Genivi-Allianz. Auf den Qt Dev days gab es eine Reihe Ausstellungsexponate, darunter eine Genivi-Referenzimplementierung und eine Infotainment-Software, die Nokia im Auftrag entwickelt hat.

Thomas Senyk, Junior-Entwickler bei Nokia, ist stolz auf das von ihm mitentwickelte Autosoftware-UI, das hier zur Demo ausgestellt war.

Thomas Senyk, Junior-Entwickler bei Nokia, ist stolz auf das von ihm mitentwickelte Autosoftware-UI, das hier zur Demo ausgestellt war.


Typ und Modell des Boards aus dem Nokia-Autosoftware-Projekt weiß ich nicht mehr. Trotzdem schönes Bild.

Typ und Modell des Boards aus dem Nokia-Autosoftware-Projekt weiß ich nicht mehr. Trotzdem schönes Bild.

Und sonst?

Ein Vater und sein Kind.

Ein Vater und sein Kind.

Der Amarok-Gründer Mark Kretschmann trägt ein Amarok-Tatoo auf dem Oberarm.

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