Der aktuelle Blog-Eintrag von Ted Ts’o zum Debian-Streit addressiert ein verbreitetes gesellschaftliches Phänomen, unabhängig von Streits um die “richtige” Lizenz für Software. Menschen, die unterschiedliche Grenzen verletzen in der Überzeugung, das Richtige zu tun. Ich könnte diese Leute Extremisten nennen, Fanatiker, Radikale oder Missionierer. Nicht nur in der Freien Software gibt’s Hauen und Stechen, wenn’s um freie oder proprietäre Software geht. Schon in der Schule gibt es Glaubenskriege zu den abwegigsten Themen, und äußerliche Merkmale sollen als Symbole herhalten: Auf einmal soll die Marke der Jeans wichtig sein, die Frisur Rückschlüsse auf die Geisteshaltung zulassen oder die Schnürung der Schuhe für die politische Gesinnung herhalten.
Sich abzugrenzen, eine eigenen Standpunkt zu entwickeln ist sicher wichtiger Teil des Erwachsenwerdens, manchmal begleitet von dem Phänomen der Opposition “schon aus Prinzip”. Extreme Standpunkte helfen wohl auch gelegentlich bei der Identitätsfindung. Spätestens mit dem Ende der Pubertät sollte es mit dem Fanatismus vorbei sein. Das bedeutet nicht, den eigenen Standpunkt aufzugeben. Es bedeutet aber zu respektieren, dass es auch andere Wahrheiten geben kann. Irgendwo hab ich mal den Spruch, so oder ähnlich, gelesen: “Du kannst dein Leben für deine Ideale opfern, jedoch niemals das Leben anderer.”
Natürlich kostet ein Blick über den Tellerrand und ein wenig Offenheit für andere Perspektiven Zeit – aber dieses Opfer könnte sich tatsächlich lohnen.

