Ende gut

Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich in der damaligen Linux Technical Review einen Beitrag des amerikanischen Performance-Experten Neil Gunther betreut, der sich mit der Instrumentierung des Kernels beschäftigte, also der Sammlung von Performance-Kennzahlen durch das Betriebssystem, mit dem Ziel, die Ressourcen insbesondere von großen Servern besser managen zu können. Linux, so Neil Gunther damals, hinke dem, was 2008 Mainframes auf diesem Gebiet zu bieten hatten, ein bis zwei Jahrzehnte hinterher.

Aber gerade Linux, so argumentierte er damals, habe die Chance, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Anders als kommerzielle Unix-Anbieter müsse es keinem kurzfristigen Return-on-Investment hinterherlaufen. Begabte Entwickler und eine große Community hatte es natürlich auch damals schon. Trotzdem war er skeptisch.

Und er behielt damit recht: Es tat sich zwar auch im Unix/Linux-Lager einiges in Sachen besserer Instrumentierung. Zu verweisen wäre etwa auf die Entwicklung von DTrace unter der Ägide von Sun Microsystems, das einen großen Fortschritt brachte. Doch für Linux war es wegen der falschen Lizenz lange nicht nutzbar. Als Oracle DTrace später dann doch noch unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlichte, schien es zu spät zu sein. Inzwischen waren SystemTap und das Linux Trace Toolkit Next Generation (LLTng) entwickelt, später kam BPF-Trace auf der Grunlage des Berkeley Packet Filter und seiner virtuellen Maschine im Kernel dazu und diese Werkzeuge waren DTrace bereits mehr als ebenbürtig. Der Dtrace-Erfinder Brendan Gregg selber bezeichnete sie als Dtrace 2.0. Allein die vielen im Laufe der Zeit entwickelten DTrace-Skripte in der Sprache D blieben noch ein Kapital des Tracing-Seniors.

Nun, endlich, zehn Jahre nach Neil Gunthers Aufruf, eine neue System-Instrumentierung für Linux zu entwickeln, scheint sich alles zu fügen: DTrace soll auf der Grundlage von BPF unter einer freien Lizenz von Grund auf neu geschaffen werden. Das kündigt der Oracle-Developer Kris Van Hees an. Damit scheint am Ende zu entstehen, was sich Neil Gunther vor zehn Jahren gewünscht hatte: Ein Instrumentierungssystem für das 21. Jahrhundert unter Linux.

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