Software mutiert ohne regelmäßige Pflege und Maintainer zu Legacy. Am Beispiel des Linux-Magazin-Markups wage ich mich ans Bauen eines Compilers für eine Domain-Specific-Language.
Ich kenne kaum jemanden, dem der Prolog Galadriels in “Der Herr der Ringe” fremd ist. Galadriels Rede enthält eine Passage, die ich regelmäßig im Büro zitiere, und zwar immer dann, wenn ich auf allzu schlimme Legacy-Zustände treffe: “Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. Geschichte wurde Legende. Legende wurde Mythos.” Wer kennt sie nicht, die Dateien, die Blöcke Source-Code, die niemand mehr anfassen möchte. Das uralte Gewölbe, für das mancher einen italienischen Maestro einfliegt. Einen Kenner uralter Schriften, jemand, der die Macht besitzt, die letzten verbliebenen Sourcen von Python 2 (zwölf Jahre Übergangsfrist waren allzu plötzlich vorüber) zu kompilieren. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wir beginnen mit einem Format, das kluge Köpfe in den Anfangstagen des Linux-Magazins entworfen haben [1]. In ISO 8859-1 codierter Text, auch bekannt als Latin-1, ruft heute zumindest in der IT ähnliche Reaktionen hervor wie das ältere Futhark, Keilschrift oder Linear B. Später erweiterten sie das bisherige Alphabet um das Euro-Zeichen, und so wurde aus Latin-1 schlussendlich Latin-9, besser bekannt als ISO 8859-15.
Seit jenen Tagen schreiben Autoren des Linux-Magazins ihre Artikel im Latin-9-Encoding. Selbst die großen Disruptionen der digitalen Welt, UTF-8-Encoding etwa oder (quasi-)standardisierte Markup-Formate wie troff, TeX, Markdown, reStructuredText, XML oder gar SGML vermochten es nicht, einen Umbruch auszulösen. Zu groß waren die Bedenken, und man verblieb bei Althergebrachten Riten aus der Altvorderen Zeit – immerhin enthält das Latin-9-Endcoding...
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