Neben der Telefonie beherrscht FreePBX auch den Empfang und das Versenden von Faxen. Dabei nutzen Sie das Fax entweder direkt aus FreePBX heraus oder spannen ohne weitere Kosten Hylafax und IAXmodem dafür ein. Allerdings fällt die Umsetzung unter Debian nicht leicht.
Unser FreePBX-Workshop biegt auf die Zielgerade ein: Nachdem die vergangenen drei Teile sich vorrangig mit Telefonie und ihren diversen Facetten befasst haben, steht in diesem vierten und letzten Teil das Thema Fax im Vordergrund. Das braucht man in Deutschland tatsächlich noch immer, weil es neben der klassischen Briefpost einer der wenigen Wege für eine halbwegs rechtssichere schriftliche Kommunikation ist. An der deutschen Vorliebe für analoge Dienste ändert auch der Umstand nichts, dass gerade jüngere Semester in anderen Ländern mit dem Begriff Fax schon gar nichts mehr anfangen können. Wer in Deutschland keine Faxen machen kann, hat ein Problem.
Einmal mehr kommt FreePBX hier zu Hilfe. Wie die Telefonie sind der Empfang und Versand von Fernkopien mittlerweile durchgehend digitalisiert. Es liegt auf der Hand, dass Anbieter wie Sipgate, die auch eine Fax-Funktion offerieren, keinen geheimen Raum haben, in dem Mitarbeiter Dokumente ausdrucken, um sie händisch über analoge Faxgeräte zu versenden. Stattdessen lassen sich die Signale, die anderenfalls über eine klassische Telefonleitung gingen, über einen SIP-Anschluss versenden.
In FreePBX gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Die einfachste besteht darin, das Fax-Plugin des Herstellers zu verwenden. Das schlägt mit runden 200 Euro zu Buche und ist mithin einigermaßen günstig, zumal die angebotene Software mit einem 20-jährigen Nutzungsrecht daherkommt. Sie lässt sich problemlos auf einem anhand dieser Artikelserie ausgerollten und konfigurierten FreePBX verwenden, denn dabei handelt es sich um eine standardkonforme FreePBX-Installation. Allerdings hat der Ansatz auch Nachteile: Wer die eingebaute Faxfunktion in FreePBX nutzt, versendet Fernkopien immer über das Web-Interface. Eine Integration etwa mittels Druckertreiber in Linux, Windows oder MacOS wäre wünschenswert, existiert in diesem Fall aber nicht.
Open Source kommt zu Hilfe
Anders sieht die Sache aus, greift man für Empfang und Versand von Faxen auf die dafür seit einer gefühlten Ewigkeit existierenden Werkzeuge aus der Open-Source-Welt zurück. Gestandene Admins haben den Begriff Hylafax sicher schon einmal gehört. Diese Software und ihr inoffizieller Nachfolger Hylafax+ galten über Jahrzehnte im Gespann mit einem analogen Modem als Königsweg, um Faxe im Büro digital zu versenden.
Auch heute noch lässt sich Hylafax für diesen Zweck einsetzen. Lediglich die analogen Modems sucht man in modernen Büros vergeblich. Kein Problem: FreePBX springt in die Bresche und bietet in Form von IAX eine Alternative. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Hylafax aufsetzen und so konfigurieren und an FreePBX anbinden, dass der Versand und Empfang von Fernkopien klappen.
Die Basis
Ganz eingängig ist der Prozess allerdings nicht. Wer FreePBX nutzt, tut das heutzutage fast immer unter Debian GNU/Linux. Das aber hat ein Problem im Schlepptau: Die Integration von FreePBX und Hylafax erfolgt üblicherweise über das Asterisk-eigene Clientprotokoll IAX. Die Verbindung zwischen Fax und Asterisk stellt dabei ein in Software implementiertes Modem namens IAXmodem [1] her. Das liegt Debian GNU/Linux 12 zwar bei, ist allerdings an mehreren Stellen so kaputt, dass es für Hylafax nicht zu gebrauchen ist.
Sind Sie den Ratschlägen dieses Workshops gefolgt und haben FreePBX auf Proxmox virtualisiert, bietet sich hier ein leichter Ausweg aus der Misere. CentOS 8 sowie dessen inoffiziellen Nachfolgern AlmaLinux und Rocky Linux liegt Hylafax+ bei, das einige Fehlerkorrekturen gegenüber dem klassischen Hylafax enthält. Im Rahmen von Community-Repositories gibt es für CentOS 8 und kompatible Systeme zudem ein aktuelles IAXmodem. Genau darum geht es in diesem Artikel: Sie installieren Hylafax in einer virtuellen Maschine mit AlmaLinux 8, von der aus es im Anschluss mittels IAXmodem mit FreePBX kommuniziert.
Der erste Schritt besteht also darin, eine zusätzliche VM mit AlmaLinux 8 anzulegen und sie grundlegend zu konfigurieren. Dabei ziehen Sie auch gleich die Pakete für Hylafax+ auf das System. Darüber hinaus benötigen Sie einige zusätzliche Pakete aus einem Community-Verzeichnis [2], die der Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 auf die frisch installierte Instanz holt. Danach bringt das Kommando aus der zweiten Zeile eine aktuelle Version von IAXmodem nebst Hylafax Plus auf das System. Die Installation der benötigten Dienste ist damit bereits abgeschlossen.
Listing 1
Installation
$ wget http://repo.iotti.biz/CentOS/8/noarch/lux-release-8-2.noarch.rpm && rpm -Uvh lux-release*rpm $ dnf install iaxmodem hylafax+ hylafax+-client
FreePBX einrichten
Im nächsten Schritt gilt es, FreePBX so zu konfigurieren, dass IAX zur Verfügung steht. Ein Klick auf Einstellungen | Asterisk IAX-Einstellungen führt Sie zunächst ins benötigte Menü. Dort tragen Sie bei Erweiterte Einstellungen als Bind Address »0.0.0.0« und als Port »4569« ein (Abbildung 1). Bei den Codec-Einstellungen aktivieren Sie g722, alaw sowie gsm und positionieren sie in dieser Reihenfolge am Kopf der Liste. Ein Klick auf Submit hinterlegt die Einstellungen dauerhaft.

Abbildung 1: Um dem Fax die Kommunikation mit FreePBX zu ermöglichen, aktivieren Sie dort zunächst die IAX-Schnittstelle und lassen sie auf allen IP-Adressen lauschen.
Darüber hinaus benötigt das Fax in FreePBX eine eigene Nebenstelle sowie einen eigenen Benutzer. Ein Klick auf Connectivity | Nebenstellen | Neue IAX2 Nebenstelle hinzufügen führt zum passenden Menüpunkt. Bei User Extension geben Sie die lokale Durchwahl des Anwenders an. Die Outbound CID ist stets die gesamte Faxnummer des Anschlusses samt internationaler Vorwahl im Format »+49…«. Als Kennwort genügt »iaxmodem«. Die Optionen für das Anlegen eines neuen Nutzers belassen Sie wie vorgegeben. Dasselbe gilt für alle übrigen Werte bei Voicemail und den anderen Registerreitern. Hier schreiben Sie die Einstellung mittels Absenden und Konfiguration anwenden fest.
Nun fehlt auf FreePBX-Seite noch eine eingehende Route für Faxe. Aktuell würde FreePBX sie an die normalen Telefone weiterleiten statt an das noch zu konfigurierende Hylafax. Doch das Problem ist flott gelöst: Über den Menüpunkt Connectivity | Inbound Routes legen Sie eine neue Route an, deren Durchwahl die komplette Faxnummer im internationalen Format enthält. Hier stellen Sie unter General als Ziel zunächst Nebenstellen ein und dann als konkretes Ziel die eben frisch für IAXmodem angelegte Nebenstelle (Abbildung 2).

Abbildung 2: Neben den IAX-Einstellungen ist in Asterisk auch eine eingehende Route nötig, die zumindest die Zieltelefonnummer enthält.
Unter Erweitert sollten Indication Zone Country auf Germany und Signal RINGING auf Nein stehen (Abbildung 3). Es mag verlockend sein, unter Fax die Einstellungen für Faxe zu nutzen. Doch Vorsicht: Dieser Menüpunkt steuert keineswegs Hylafax, sondern das interne Fax-Modul von FreePBX. Falls Sie die entsprechende Erweiterung kaufen und verwenden, sind Sie hier also richtig. Das Beispiel in diesem Artikel setzt jedoch eine andere Konfiguration voraus. Einmal mehr gilt es, die Werte abzuspeichern.

Abbildung 3: Es mag verlockend sein, bei der eingehenden Route in FreePBX die Faxerkennung zu aktivieren. Das geht aber nicht, dafür ist ausschließlich Hylafax zuständig.
Hylafax konfigurieren
Bis hierhin war die Konfiguration weitestgehend ein Kinderspiel. Das liegt daran, dass dieser Teil des Setups in FreePBX nicht übermäßig komplex ausfällt. Zu früh sollten Sie sich allerdings nicht freuen, denn es steht noch das gesamte Hylafax-Setup aus, und das ist eher biestig. So viel gleich vorab: Wenn Sie im Netz nach Hilfe oder Erfahrungsberichten zu Hylafax suchen, finden Sie vorwiegend über 20 Jahre alte Mailing-Listen-Einträge, die sich auf aktuellen Systemen kaum mehr anwenden lassen. Ungemach lässt sich durch ein systematisches Vorgehen vermeiden.
Zunächst steht die Konfiguration von IAXmodem auf dem Programm. Das Werkzeug selbst ist nach der anfänglichen Installation bereits auf dem System vorhanden. Zunächst legen Sie eine Systemd-Unit an, mittels derer sich IAXmodem aus Systemd heraus steuern lässt. Die Datei gehört auf CentOS 8 und kompatiblen Systemen nach »/etc/systemd/system/iaxmodem@ttyIAX0.service/«. Ein Beispiel findet sich in Listing 2.
Listing 2
Systemd-Unit für IAXmodem
[Unit] Description=iaxmodem for %I Documentation=man:iaxmodem(8C) [Service] ExecStart=-/usr/bin/iaxmodem %I Type=idle Restart=always RestartSec=0 UtmpIdentifier=%I TTYPath=/dev/%I KillMode=process IgnoreSIGPIPE=no [Install] WantedBy=multi-user.target
Den Ausdruck »%I« ersetzt Systemd zur Laufzeit automatisch durch den Wert hinter dem »@«, also »ttyIAX0«. Danach steht »systemctl daemon-reload« auf dem Programm, damit Systemd die neue Unit auch erkennt. Im Anschluss lässt sich IAXmodem mittels »systemctl –now enable iaxmodem@ttyIAX0.service« starten. Dieser Befehl muss allerdings noch kurz warten, denn auf dem System gibt es noch keine Konfigurationsdatei für IAXmodem. Der Dienst könnte also starten, aber nicht mit FreePBX kommunizieren. Das ändern Sie durch Anlegen der Datei »/etc/iaxmodem/ttyIAX0«, die so aussehen kann wie in Listing 3.
Listing 3
IAXmodem-Konfiguration
device /dev/ttyIAX0 owner uucp:uucp mode 660 port 4570 refresh 60 server 10.42.0.9 peername 1002 secret iaxmodem nojitterbuffer codec alaw iax2modem yes dspdebug yes
Als Wert für »server« verwenden Sie die lokale IP-Adresse von FreePBX. Mit »port« ist keineswegs der Port gemeint, auf dem FreePBX für eingehende Verbindungen von IAXmodem zur Verfügung steht. Stattdessen öffnet IAXmodem für die eigene Clientkommunikation einen Port, und der ist im Beispiel eben »4570«. Haben Sie beim Einrichten des IAXmodem-Nutzers ein anderes Passwort als »iaxmodem« in Asterisk hinterlegt, geben Sie es bei »secret« an. Nach dem Speichern der Datei führen Sie erneut den »enable«-Befehl von Systemctl aus.
Dass alles geklappt hat, lässt sich auf gleich mehreren Wegen verifizieren: Zunächst sollte in der AlmaLinux-Instanz ein Prozess namens »iaxmodem« für »ttyIAX0« in der Prozessliste auftauchen. Im Systemjournal hinterlässt IAXmodem ebenfalls seine Spuren, was Sie mittels des Kommandos »journalctl -xeu iaxmodem@ttyIAX0.service« prüfen. Hier sollte IAXmodem mitteilen, dass es die Verbindung mit FreePBX erfolgreich aufbauen konnte.
Schließlich lässt sich der Verbindungszustand auch direkt in FreePBX prüfen. Dazu verbinden Sie sich per SSH mit dem FreePBX-System und führen dort den Befehl »rasterisk -crv« aus. Anschließend sollte »iax2 show peers« in der dann offenen Shell eine Verbindung zu IAXmodem mit dem Status »OK« anzeigen. Ist das der Fall, läuft IAXmodem und ist erfolgreich mit FreePBX verbunden. Außerdem sollte auf der Hylafax-VM nun die Gerätedatei »/dev/ttyIAX0« existieren. Dabei handelt es sich um das virtuelle Modem, das Sie Hylafax im nächsten Schritt als Faxmodem unterjubeln.
Hylafax aufsetzen
Hylafax besteht aus mehreren Komponenten. Die Brücke zum Faxmodem schlägt eine kleine Komponente namens Faxgetty, die es als Erstes zu konfigurieren gilt. Unter »/etc/systemd/system/faxgetty@ttyIAX0.service/« muss dazu eine weitere Systemd-Unit mit dem Inhalt aus Listing 4 entstehen. Sie aktiviere die Faxgetty-Unit mit den Befehlen »systemctl daemon-reload« und »systemctl –now enable faxgetty@ttyIAX0.service«. In der Prozesstabelle der VM mit Hylafax sollte sich im Anschluss der Prozess »faxgetty« finden.
Listing 4
Faxgetty-Systemd-Unit
[Unit] Description=HylaFAX faxgetty for %I Documentation=man:faxgetty(8C) After=iaxmodem@ttyIAX0.service [Service] ExecStart=-/usr/sbin/faxgetty %I Type=idle Restart=always RestartSec=0 UtmpIdentifier=%I TTYPath=/dev/%I KillMode=process IgnoreSIGPIPE=no [Install] WantedBy=multi-user.target
Dann steht die Konfiguration der Hylafax-Dienste selbst auf dem Programm. Dazu starten Sie mit »faxsetup« einen kleinen Assistenten, der Hylafax beiliegt. Findet er einen bereits laufenden, unkonfigurierten »faxq«-Prozess vor, bittet er um die Erlaubnis, ihn zu beenden – das geht in Ordnung. Anschließend stellt Hylafax etliche Fragen, unter anderem nach dem Country Code und dem Area Code. Der Country Code für Deutschland lautet im Hylafax-Kontext »0049«, der Area Code entspricht der Ortsvorwahl ohne die vorangestellte Null. Bei Phone Number of fax modem geben Sie die gesamte Nummer des Faxes im Format »+49.Vorwahl.Telefonnummer« an. Der Local Identification String kann zum Beispiel der Name des Absenders sein. Der Long Distance Prefix lautet »0«, der International Prefix ist »00«.
Wenn bereits eine Instanz von Faxgetty läuft, erkennt Hylafax sie automatisch. Es versucht dann, während des Konfigurationsprozesses automatisch deren Art und Funktionen zu erkunden. Dazu gilt es, sich zu vergegenwärtigen, dass Faxe per se eine sehr antiquierte Technik sind, bei der unter anderem die genutzte Baudrate für die Kommunikation über einen seriellen Port noch eine wichtige Rolle spielt.
IAXmodem ist darauf ausgelegt, all diese Funktionen in Software nachzuahmen. Hylafax erkennt das Modem im Beispielszenario deshalb zuverlässig und richtet es entsprechend ein. Es prüft zudem, ob es über die genannte Konfiguration ein Freizeichen bekommt und prinzipiell in der Lage wäre, ein Fax zu versenden. Am Ende des Vorgangs legt es die nötigen Konfigurationen in den zwei Verzeichnissen »/etc/hylafax/« und »/var/spool/hylafax/etc/« an. In »/etc/hylafax/« gibt es nach erfolgreicher Erstkonfiguration im Regelfall nichts mehr zu tun, wohl aber in »/var/spool/hylafax/etc/«.
Sendeberichte, Faxkonfiguration
In der Standardkonfiguration ist Hylafax klar auf amerikanische Standards ausgerichtet. So kommt etwa das US-Papierformat Letter anstelle von DIN A4 zum Einsatz. Ebenso nennt Hylafax in der Standardkonfiguration keinen Absender. Wo bei einem händisch konfigurierten stationären Faxgerät also “Mustermann GmbH” steht, fehlt bei Hylafax jede Angabe. Diese Einstellungen lassen sich über Dateien in »/var/spool/hylafax/« beeinflussen. Hylafax erstellt keinen Sendebericht und verschickt bei eingehenden Faxen keine entsprechende Nachricht, doch hier können Sie nachbessern. Aus heutiger Sicht und vor dem Hintergrund gut strukturierter Prozesse und Konfigurationsdateien wirken die Abläufe, die Hylafax für die entsprechenden Einstellungen vorgibt, allerdings etwas archaisch.
Dazu gehört auch, dass es eben doch ein paar Schalter in »/etc/hylafax« gibt, die es zu betätigen gilt, damit Hylafax sich etwas besser hiesigen Gepflogenheiten anpasst. In »/etc/hylafax/hyla.conf« sollten Sie insbesondere die Parameter »PageSize: ISO A4« und »UseJobTagLine: No« sowie »TagLineFormat: “Von %%n|%d.%m.%Y %T|Seite %%p von %%t”« setzen. Der erste Parameter sorgt dafür, dass Hylafax als Papierformat DIN A4 verwendet. »UseJobTagLine« bringt Hylafax dazu, seine interne Job-ID nicht auf ausgehenden Faxen zu verewigen. Stattdessen kommt der Platzhalter des Parameters »TagLineFormat« zum Einsatz, auf den Faxen steht später also beispielsweise Von +49123456789**06.07.2025**Seite**1 von**6. Entsprechend taucht die Tagline auf jeder Seite des Faxes auf.
Soll Hylafax eingehende Faxe per E-Mail versenden (Abbildung 4), müssen Sie die Datei »/var/spool/hylafax/etc/FaxDispatch« anlegen. Ihren denkbar einfachen Inhalt zeigt Listing 5. Hylafax macht aus dem Fax dann eine PDF-Datei und sendet sie über die »mail«-Funktion des Systems ab. Das setzt voraus, dass auf dem System ein Mailserver läuft, der korrekt konfiguriert sein muss. Betreiben Sie Hylafax in einer Instanz im eigenen Büro über die dortige Leitung, wollen Sie von dieser aus keine E-Mails direkt ins Internet versenden. Betreiben Sie Ihren Mailserver nicht selbst, müssen Sie auf dem Hylafax-System also zumindest einen Postfix im Relay-Modus mit entsprechendem Smarthost aufsetzen.
Listing 5
FaxDispatch
SENDTO=mustermann@musterfirma.de FILETYPE=pdf

Abbildung 4: Per Dispatch-Funktion lässt Hylafax sich dazu bringen, Faxe per E-Mail an einen definierten Empfängerkreis zu versenden. Dazu muss aber ein Mailserver eingerichtet sein.
Ein heikles Thema sind zudem Sendeberichte. Ein Anwender, der ein Fax per Hylafax schickt, will selbstverständlich wissen, ob es angekommen ist. Dafür gibt es in Hylafax die Funktion »FaxNotify«, die Sie über die Datei »/var/spool/hylafax/etc/FaxNotify« steuern. Die Einträge aus Listing 6 erstellen einen Sendebericht in deutscher Sprache als PDF. Nicht in der Datei erwähnt ist »SENDTO«, weil diese Variable bereits in »FaxDispatch« gesetzt wurde.
Listing 6
FaxNotify
RETURNFILETYPE=pdf TEMPLATE=/de/ NOTIFY_FAXMASTER=never FILEMERGING=yes
Qualifizierte Sendeberichte
Es ist offenbar noch nicht exotisch genug, dass in Deutschland Faxe neben der Briefpost einer der wenigen Wege sind, rechtssicher schriftlich mit Behörden oder Gerichten zu kommunizieren: Um nachweisen zu können, dass man ein bestimmtes Fax zu einer bestimmten Zeit mit einem bestimmten Inhalt tatsächlich verschickt hat (Abbildung 5), muss man obendrein auch noch einen “qualifizierten Sendebericht” vorlegen können, der außer der Absender- und Empfängernummer eine Kopie des gesamten übermittelten Faxes umfasst.

Abbildung 5: Das ist kein qualifizierter Sendebericht, weil die anhängende PDF-Datei die Fax-Metadaten nicht enthält. Hylafax lässt sich aber so einrichten, dass es Berichte verfasst, die deutschen Standards genügen.
In Hylafax ist das ab Werk nicht vorgesehen. Die Software entspringt der Feder vorrangig US-amerikanischer Entwickler, die sich für die Befindlichkeiten der deutschen Rechtsprechung eher nicht interessieren. Dennoch ist es möglich, entsprechende Berichte aus Hylafax heraus zu generieren. Dazu müssen Sie vor allem die oben bereits genannten Dateien erweitern und verändern. Obendrein gilt es, einige Anpassungen an den generischen Reportfunktionen von Hylafax zu hinterlegen.
Im Netz findet sich glücklicherweise eine komplette Anleitung für das Erstellen von qualifizierten Sendeberichten für Faxe nach deutschem Standard [3] samt der modifizierten Dateien für Hylafax. Die Beschreibung wurde zwar 2015 das letzte Mal geändert, für Hylafax-Standards ist das allerdings gewissermaßen “kürzlich”. Die Software selbst ändert sich praktisch nicht mehr.
Der leidige Fax-Client
Ein Thema kam in diesem Artikel bisher noch gar nicht zur Sprache, nämlich das Versenden von Faxen. Gemeint ist nicht das theoretische Hylafax-Setup, sondern die konkrete Frage, wie sich Faxe mit dem gebauten Hylafax-Setup effizient versenden lassen. Die Antwort auf diese Frage lautet: Es ist kompliziert.
Grundsätzlich gibt es mehrere Clients für den Hylafax-Server, die auf verschiedenen Betriebssystemen laufen. Yajhfc (Yet Another Java Hylafax Client [4]) zum Beispiel basiert auf Java und funktioniert entsprechend unter Windows, Linux und MacOS. Komfortabel ist die Software aber nicht. Nach der Erfahrung des Autors greifen die meisten Anwender auf eine digitale Fax-Funktion nur dann zurück, wenn sie so niederschwellig wie möglich zu verwenden ist, sprich: über die Druckerfunktion des eigenen Arbeitsplatzrechners.
Das erfordert allerdings einen virtuellen Druckertreiber, der die Daten im Hintergrund an Hylafax schickt. Der US-Hersteller iFAX liefert entsprechende Treiber für MacOS und Windows aus. Perfekt sind sie aber nicht, unter anderem, weil sie das Format für ausgehende Faxe ohne Konfigurationsmöglichkeit auf Letter setzen. Auf der Gegenseite kommt das Fax also immer mindestens verkleinert an, wenn das dortige Faxgerät automatisch das Bild so skaliert, dass es auf eine A4-Seite passt.
Alternativ verbinden Sie einen Mailserver so mit Hylafax, dass er Nachrichten an eine Adresse wie »fax@musterfirma.de« korrekt interpretiert, wenn sie einen PDF-Anhang haben und eine Telefonnummer im Betreff steht. Auch dazu finden sich im Netz mehrere Anleitungen.
Ende
Die vier Teile unseres FreePBX-Workshops haben eines deutlich gezeigt: Telefonanlagen sind zwar ein sperriges Thema, doch ihre Komplexität lässt sich dank FreePBX durchaus meistern. Die Lösung ist eine echte Zierde für die Open-Source-Gemeinschaft: Unter einer weitgehend brauchbaren GUI verstecken sich zahllose Konfigurationsmöglichkeiten für ein- und ausgehende Gespräche unter Verwendung aktueller Sicherheitsstandards wie Verschlüsselung.
Ein ordentlich gepflegtes FreePBX-Setup ist alles andere als Bastelwerk und rangiert auf Augenhöhe mit professionellen Telefonanlagen namhafter Hersteller. Allerdings sind solche Anlagen meist um ein Vielfaches teurer und bieten dennoch weniger Konfigurationsmöglichkeiten. Selbst unter der Annahme, dass man einen kleinen Desktop-PC und eine Proxmox-Lizenz für die Virtualisierung benötigt, halten sich die Anschaffungskosten für Material bei der Verwendung von FreePBX in überschaubaren Grenzen.
Obendrein ist das beschriebene Asterisk-Setup keine halbgare Lösung. Rufumleitung im Amt per SIP-Kommando 402 beherrschen längst nicht alle am Markt verfügbaren vorgeblich professionellen Telefonanlagen. Das vorgestellte Setup dagegen liefert diese Funktion, zumal der im ersten Teil beschriebene Asterisk-Patch es mittlerweile in den offiziellen Asterisk-Quelltext geschafft hat. Ein erheblicher Teil der Bastelei für diesen Aspekt des Setups fällt also weg.
Übrigens reizt das in unserer Workshop-Reihe beschriebene Vorgehen längst nicht alle Vorteile von FreePBX aus. Möchten Sie mehr als ein paar Telefone im Büro betreiben, finden Sie dafür in FreePBX alle nötigen Bauteile. Tatsächlich nutzen viele Callcenter-Anbieter Asterisk im Gespann mit FreePBX, um Hunderte Agentenplätze zu betreuen. Luft nach oben bleibt also genug, und einmal mehr stellt freie Software unter Beweis, dass sie eine echte Alternative ist und nicht nur hobbymäßige Bastelei. (jcb/jlu)
Infos
- IAXmodem: https://iaxmodem.sourceforge.net
- IAXmodem für CentOS 8: https://rhel.pkgs.org/8/lux/iaxmodem-1.3.3-1.el8.lux.x86_64.rpm.html
- Qualifizierte Sendeberichte mit Hylafax: https://1024k.de/hylafax/de/voip-fax-mit-asterisk-und-hylafax-04.html
- Yajhfc: https://www.yajhfc.de






