Aus Linux-Magazin 05/2025

Mit Homematic-Hardware und OpenHAB oder FHEM Fußbodenheizungen steuern

© Rommel Gonzalez / 123RF.com

Richtig handlich wird die Integration einer Wärmepumpe ins Smart Home erst, wenn man auch die Fußbodenheizung über dieselbe Software steuert. Mit Hardware von Homematic und dem entsprechenden Access Point lässt sich das realisieren.

Zwar ist die letzte Heizsaison gerade vorbei, doch die nächste kommt garantiert – und mit ihr die Notwendigkeit, die Temperatur in den eigenen vier Wänden zu regeln. Die Vorstellung von angenehmer Wärme fällt sehr individuell aus, sodass es keine Regel geben kann, die immer und für jeden gilt. Smart-Home-Lösungen sorgen aber mit schlauer Technik zumindest dafür, dass die Regulierung der Heizung automatisch erfolgt und eine für jeden Raum zuvor festgelegte Temperatur erreicht und gehalten wird.

Im Linux-Magazin war das Heizen der eigenen vier Wände bereits mehrmals Thema. Ein zweiteiliger Workshop [2] befasste sich ausführlich mit Wärmepumpen von Rotax [1] (heute: Daikin) und ihrer Steuerung [2], an die sich ein CAN-Bus-Interface samt angeflanschtem Raspberry Pi andocken ließ, sodass sämtliche Daten der Wärmepumpe an Smart-Home-Lösungen wie FHEM [3] oder OpenHAB [4] flossen.

Die Lösung hat durchaus ihren Reiz: Wer zentrale Parameter der Wärmepumpensteuerung wie die Vorlauftemperatur für Wasser- und Heizkreisläufe einstellen kann (Abbildung 1), sorgt nicht nur für perfekte Wärme im Haus, sondern vergeudet auch keinen teuren Strom. In Kombination mit einer Smart-Home-Lösung wie den Produkten von Homematic ist es zudem möglich, eine dynamische Beschattung zu realisieren. Sie sorgt unter anderem dafür, dass Jalousien im Sommer nur dann offen sind, wenn es keine direkte Sonneneinstrahlung gibt. Im Winter sollen die Jalousien, wenn überhaupt, nur zum Stoßlüften geöffnet werden, zumindest in bestimmten Räumen.

Abbildung 1: Die Anbindung einer Wärmepumpe an FHEM ist sinnvoll und erlaubt das Erheben statistischer Daten wie der mittleren Vorlauftemperatur. In den einzelnen Räumen lässt sich die Temperatur dadurch aber nicht dynamisch steuern.

Abbildung 1: Die Anbindung einer Wärmepumpe an FHEM ist sinnvoll und erlaubt das Erheben statistischer Daten wie der mittleren Vorlauftemperatur. In den einzelnen Räumen lässt sich die Temperatur dadurch aber nicht dynamisch steuern.

Wirklich befriedigend ist der Ansatz in dieser Form aber immer noch nicht: Zwar lässt sich so die Wärmepumpe steuern, nicht aber die Temperatur in den einzelnen Räumen. Damit das gelingen kann, ist die komplette Kontrolle über die installierten Heizkörper nötig. Weil Wärmepumpen auch eine Kühlfunktion bieten, gilt für das Temperieren des Heims ohne Klimaanlage im Sommer dasselbe.

Eine Variation dieses Spiels bieten Fußbodenheizungen, die in Häusern mit Wärmepumpe heute sogar eher die Regel als die Ausnahme sind. So oder so: Sowohl für klassische Radiatoren mit einem Thermostat als auch für Fußbodenheizungen hat der Markt der Smart-Home-Lösungen längst Produkte in petto. Grund genug für mich, mich mit dem Thema noch ausführlicher zu befassen und die einmal konstruierte Lösung um die Fähigkeit zu erweitern, auch die Heizung in den einzelnen Räumen direkt zu beeinflussen.

Weil es nicht sehr zielführend ist, mehrere Smart-Home-Lösungen miteinander zu kombinieren, bleibt es bei Homematic. Die zum Elektronikanbieter ELV gehörende Marke hat sowohl Thermostate für klassische Radiatoren als auch Steuerungen für Fußbodenheizungen im Programm.

Nötige Hardware

Gegeben seien zunächst alle Komponenten, die der eingangs erwähnte Workshop bereits vorgestellt hat. Dazu gehören neben den elektrischen Rollladenaktuatoren von Homematic der Raspberry Pi mit CAN-Bus und installiertem PyHPSU, eine lokal laufende VM mit einem freien Klon der Homematic-Linux-Distribution für die eigene Control Unit (CCU3) sowie eine weitere lokale Instanz, in der eine Installation von FHEM läuft.

Die im Folgenden beschriebenen Schritte ließen sich mit OpenHAB ebenso realisieren. Sie unterscheiden sich dann zwar im Detail, nicht aber in den Funktionen. Die Homematic-Geräte sind nicht über das ebenfalls unterstützte Homematic-IP-Protokoll mit der Cloud verbunden, sondern mit der lokal laufenden Instanz der CCU3 gekoppelt, die im Hintergrund wiederum mit FHEM kommuniziert. Auf diese Weise weiß FHEM einerseits, wie es der Wärmepumpe im Augenblick geht, und kann andererseits auf bestimmte Ereignisse in Räumen automatisch reagieren – zum Beispiel auf den Sonnenstand zu einer bestimmten Uhrzeit.

Will man das Gespann nun um die Steuerung der Heizung erweitern und gleichzeitig im Homematic-System bleiben, macht der Anbieter einem das Finden der richtigen Lösung nicht ganz leicht. Klar ist die Sache, wenn im Haus klassische Radiatoren verbaut sind. Dann braucht man wahlweise einen Thermostat des Typs hmIP-eTRV-B, hmIP-eTRV-2 oder hmIP-eTRV-C, je nachdem, welche Funktionen man benötigt und wie viel Geld man auszugeben bereit ist. Der Hersteller stellt eine Tabelle mit einer Funktionsübersicht [5] zur Verfügung.

Die Regulierung von Fußbodenheizungen funktioniert anders: Hier findet sich üblicherweise pro Etage ein Heizkreisverteiler, über den sich Durchflussmenge und Druckausgleich pro Raum steuern lassen. Genau das ist der Punkt, an dem die Temperatursteuerung der Räume ansetzen muss. Homematic hat dafür beispielsweise den HmIP-FALMOT-C12 im Sortiment, der allerdings im Gespann mit dem Stellantrieb mit Motor HmIP-VDMOT zum Einsatz kommen muss. Wer wie der Autor des Artikels jeweils fünf Räume pro Etage auf zwei Etagen mit der Lösung bespielen will, benötigt zwei Controller sowie insgesamt zehn Stellantriebe.

Ganz günstig ist der Spaß nicht: Allein die Controller und Stellantriebe kosten zusammen mit fast 600 Euro. Hinzu kommt allerdings auch noch, dass das System nur funktionieren kann, wenn FHEM oder OpenHAB zu jedem Zeitpunkt tatsächlich wissen, wie warm es in einem Raum gerade ist. Die nötigen Raumthermometer gehören also ebenfalls auf die Einkaufsliste und schlagen mit rund 30 Euro für das Modell ohne Display und Steuerknöpfe zu Buche. In Summe muss man für zehn Heizkreisläufe auf zwei Etagen mit Investitionskosten von rund 1000 Euro rechnen.

Implementiert man das System auf Grundlage von Open-Source-Software mit FHEM oder OpenHAB, hat man wenigstens die Gewissheit, dass der Anbieter seine Cloud nicht irgendwann einfach abschalten und das persönliche Setup damit in ein extravagantes Stück Elektroschrott verwandeln kann.

Die Mühen der Installation

Weitere Kosten drohen möglicherweise für die Installation der Lösung. Wohlgemerkt: Zumindest in moderneren Gebäuden wird man bei einer Fußbodenheizung passende Ventile und Anschlüsse für die einzelnen Stellmotoren finden. Die vorhandenen Motoren ersetzt man dann einfach durch die Homematic-Version. Dieser Teil der Arbeit geht leicht von der Hand: alten Stellmotor abschrauben, neuen anschrauben, fertig. In den meisten Heizkreisverteilern findet sich zudem eine Hutschiene, auf die das Steuergerät von Homematic sich leicht installieren lässt, denn es hat auf der Rückseite eine entsprechende Aussparung.

Was die Sache wieder kompliziert macht, ist das leidige Thema Strom. Stellmotoren von Homematic werden direkt vom Steuergerät betrieben und erhalten von ihm ihre Betriebsspannung. Klassische Stellmotoren hingegen sind üblicherweise über die Thermostate in den jeweiligen Räumen unmittelbar an 230 Volt angeschlossen. Einen 230-V-Anschluss in den Verteilerkästen der Heizung (einen pro Etage) benötigt man zudem für den Betrieb des Steuergeräts selbst. Der ist aber oft nicht vorhanden, zumindest nicht in Form einer klassischen Steckdose. Wie immer gilt: Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur von Profis ausgeführt werden, für Laien besteht Lebensgefahr. Wer also nicht weiß, was zu tun ist, und nicht die passenden Nachweise hat, um diese Arbeiten ausführen zu dürfen, ruft besser den Profi.

Und wenn der schon da ist, kann er sich auch gleich um die Installation der Thermometer für die einzelnen Räume kümmern. Die sind zwar grundsätzlich batteriebetrieben, doch werden die meisten Bewohner einer Bleibe sich wünschen, dass die Homematic-Thermometer die (dann nutzlosen) klassischen Wandthermostate ersetzen. Homematic macht es hier zumindest etwas leichter: Ab Werk passen die Thermostate perfekt in diverse Schalterserien unter anderem von Busch-Jäger. Adapterplatten machen es möglich, sie auch mit den Schalterserien anderer Hersteller zu kombinieren.

Wer jedoch den vorhandenen Thermostat durch ein Homematic-Modell ersetzen möchte, muss den alten ausbauen (Achtung, wieder 230 Volt) und die in der Wand liegenden Adern isolieren, etwa durch eine geschlossene Wago-Klemme. Offene Adern stromführender Kabel in der Wand gehen jedenfalls gar nicht. Die Kabel abknipsen ist indes oft auch keine gute Idee: Gerade wer zur Miete wohnt, muss die Installation bei einem möglichen Auszug später eventuell zurückbauen. Dann ist es praktisch, wenn die ursprünglichen Adern noch vorhanden sind. So oder so: Der Elektriker des Vertrauens weiß, was zu tun ist.

Loslegen

Ein fertiges Setup auf Homematic-Basis für die Heizkreisverteiler in den eigenen vier Wänden sieht so aus wie in Abbildung 2. Dort erkennt man gut die nachträglich installierte Schuko-Steckdose auf der Hutschiene sowie das Homematic-Steuergerät. Abbildung 3 zeigt zum Vergleich die vorherige Situation mit direkt an 230 Volt angeschlossenen Standardstellmotoren. In Abbildung 4 sehen Sie zudem, wie ein in eine Standardschalterserieninstallation integrierter Wandthermostat mit Drahtlosverbindung von Homematic aussieht.

Abbildung 2: Die fertige Installation: Oben gibt es eine Schuko-Steckdose für die vorhandene Hutschiene sowie einen HmIP-FALMOT-C12 mit Stellmotoren für die Ventile der einzelnen Heizkreisläufe.

Abbildung 2: Die fertige Installation: Oben gibt es eine Schuko-Steckdose für die vorhandene Hutschiene sowie einen HmIP-FALMOT-C12 mit Stellmotoren für die Ventile der einzelnen Heizkreisläufe.

Abbildung 3: Tohuwabohu: So sah der Verteiler der Heizung vorher aus. Gut zu erkennen sind die alten Stellmotoren, die direkt an 230 Volt angeschlossen waren, allerdings alles andere als sauber.

Abbildung 3: Tohuwabohu: So sah der Verteiler der Heizung vorher aus. Gut zu erkennen sind die alten Stellmotoren, die direkt an 230 Volt angeschlossen waren, allerdings alles andere als sauber.

Abbildung 4: Nahtloser Ersatz: Wer Standardschalterserien von Busch-Jäger nutzt, kann dort die HmIP-Wandthermostate nahtlos integrieren. Für Schalterreihen anderer Hersteller stehen Adapter zur Verfügung.

Abbildung 4: Nahtloser Ersatz: Wer Standardschalterserien von Busch-Jäger nutzt, kann dort die HmIP-Wandthermostate nahtlos integrieren. Für Schalterreihen anderer Hersteller stehen Adapter zur Verfügung.

Das Homematic-Steuermodul verfügt über eine eigene Setup-Routine. Ist alles VDE-konform angeschlossen, muss sie nicht unbedingt ein Elektriker durchspielen. Sobald das Steuermodul Strom hat, beginnt es zuerst mit Kalibrierfahrten. Dabei prüft es zunächst für jeden seiner zwölf Ausgänge, ob ein Stellmotor angeschlossen ist, den es dann jeweils bis zu den Zuständen “komplett geschlossen” und “komplett offen” fährt. Eine Feder erkennt, wie weit der Pin im Inneren des Ventils (das Prinzip ist dasselbe wie bei Thermostaten an Standardradiatoren) ein- und ausfährt.

Nach Abschluss der Kalibrierfahrten des Steuermoduls sind im vorliegenden Beispiel eines zweistöckigen Hauses mit zwei separaten Fußbodenheizkreisläufen zunächst die beiden Steuermodule mit der lokalen Homematic-CCU zu verbinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die offizielle CCU3 von Homematic zum Einsatz kommt, die allerdings nur noch schwer zu bekommen ist, oder ein Raspberry Pi mit einem der vielen CCU-Klone, die die F/LOSS-Szene pflegt und verteilt.

Zum Hinzufügen loggt man sich zunächst im Webinterface der CCU ein und klickt oben auf Gerät anlernen. Weil die Homematic-Geräte für die Steuerung einer Fußbodenheizung samt und sonders Homematic-IP-Geräte sind, gibt man dann bei Homematic IP Gerät ohne Internetzugang anlernen den KEY und die SGTIN der neuen Geräte ein. Beide Informationen finden sich jeweils auf dem Aufkleber, der jedem der Geräte beiliegt. Wer die Aufkleber nicht mehr hat, kann das Gerät mit aktivem Internetzugang anlernen. Dann genügen die letzten vier Stellen der SGTIN, die notfalls auch auf der Rückseite des jeweiligen Geräts zu finden ist.

Dieselbe Prozedur gilt es für jeden installierten Wandthermostat zu durchlaufen. Sowohl bei den Steuermodulen als auch bei den Thermostaten geht man idealerweise Schritt für Schritt vor: Dann kann man nämlich das jeweilige Gerät im Anschluss gleich auch richtig benennen und stellt sicher, dass man mit dem Thermostat “Wohnzimmer” nicht tatsächlich die Temperatur im Arbeitszimmer misst. Nach Abschluss der Integration der HmIP-FALMOT-C12 und der Wandthermostate sollten in der lokalen Homematic-CCU die beiden Heizkreislaufsteuergeräte mit ihren diversen Kanälen und die Thermostate aufgelistet sein.

Übrigens: Homematic-Geräte nutzen kein klassisches Wi-Fi, sondern funken im unteren MHz-Bereich. Damit ist das Homematic-Netz im Hinblick auf Wände und andere Hindernisse zwar deutlich weniger störanfällig als ein 5- oder 6-GHz-WLAN. Je nach Bauweise der eigenen Bleibe und Positionierung der Geräte kann es aber trotzdem vorkommen, dass einzelne Wandthermostate in den jeweiligen Räumen nicht erreichbar sind.

In einem solchen Fall muss man sich mit einem Trick behelfen: Die schaltbare Steckdose HmIP-PS-2 hat einen integrierten Relay-Modus, fungiert also als eine Art Repeater innerhalb des Hauses. Das wäre eine mögliche Lösung, wenn die Verbindung von der CCU zu einzelnen Homematic-Geräten instabil ist. In den Einstellungen des Geräts ist der Relay-Modus allerdings ab Werk abgeschaltet und muss explizit aktiviert werden. Dazu sind die Steckdosen zuvor ebenfalls mit der lokalen CCU zu verbinden.

Nächste Schritte

Weiter geht es mit der Verbindung zwischen der Homematic-CCU und FHEM oder OpenHAB. Der Einfachheit halber beschränkt sich diese Beschreibung im Folgenden auf FHEM, entsprechende Hinweise zum Vorgehen mit OpenHAB oder einer anderen freien Smart-Home-Lösung finden sich im Netz aber zur Genüge. Wer sein Setup vollständig neu konstruiert und die CCU mit verbundenen Geräten sowie FHEM auf einem Raspberry Pi zum Laufen gebracht hat, konfiguriert im nächsten Schritt das HMCCU-Modul in FHEM für die Verbindung zu Homematic. Das führt dazu, dass die Homematic-Geräte auch in FHEM als Geräte auftauchen.

Jedes Gerät hat dabei im FHEM-Sprech einen Kanal oder mehrere Kanäle sowie Datenpunkte. Über letztere lassen sich die Homematic-Geräte steuern und auslesen. Für die bereits erwähnten schaltbaren Steckdosen zum Beispiel tauchen in FHEM drei Kanäle auf: Kanal 0 enthält Informationen zum Netz. Kanal 1 stellt den Datenpunkt STATE bereit, mit Informationen darüber, ob das Gerät Strom erhält (»true«) oder nicht (»false«). Kanal 3 liefert bei schaltbaren Steckdosen mit integriertem Stromzähler den Wert ENERGY_COUNTER, der den Stromverbrauch des Geräts erfasst.

Wichtig ist für die Arbeit mit FHEM und Homematic ein Verständnis des zugrundeliegenden Mechanismus für das Zusammenspiel der Komponenten. FHEM exponiert jeden Kanal eines Homematic-Geräts als Device, also als schaltbare Einheit. Nach der Verbindung der CCU mit FHEM tauchen dort entsprechend etliche neue Geräte auf, für die sich im Weiteren individuelle Aktionen konfigurieren lassen.

Unpraktisch: Die Kanäle der einzelnen Geräte in FHEM tragen ab Werk eher kryptische Namen. Hier empfiehlt es sich, die Geräte gleich nach der Integration in FHEM so umzubenennen, dass sich im weiteren Verlauf sinnvoll mit ihnen arbeiten lässt. Eine Umbenennung erfolgt in FHEM mit einem Kommando wie »defmod HmIP_FALMOT_C12_EG HMCCUDEV 001BXXXXXXXXXX«. Der Befehl setzt den Namen für das CCU-Gerät mit der Seriennummer »001BXXXXXXXXXX« auf »HmIP_FALMOT_C12_EG«. Ein eventuell vorhandener Wandthermostat lässt sich entsprechend mittels »defmod HMIP_WTH_WZ HMCCUDEV 00XXXXXXXXXX« umbenennen; hier hieße er nun »HMIP_WTH_WZ« für “Homematic IP Wandthermostat Wohnzimmer”.

Zum technischen Verständnis

Das genannte Steuermodul HmIP-FALMOT-C12 bietet grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Steuerung. Die eine Option führt über eine installierte CCU. Dabei schreibt eine Software wie FHEM für jeden einzelnen Kanal des HmIP-FALMOT-C12 die gewünschte Ventilstellung direkt als Konfigurationsparameter für das Gerät fest, und zwar in Abhängigkeit der Werte, die die ebenfalls mit CCU und FHEM verbundenen Wandthermostate liefern.

Die Steuerlogik liegt in diesem Fall bei FHEM: Meldet der Thermostat im Wohnzimmer, dass die Raumtemperatur bei 19 Grad liegt, obwohl sie dort 21,5 Grad betragen sollte, gibt FHEM dem Steuermodul der Fußbodenheizung den Befehl, das Ventil für den Heizkreislauf “Wohnzimmer” zu 75 Prozent zu öffnen. Warmes Wasser fließt durch die Fußbodenheizung, die Temperatur steigt. Vermeldet der Thermostat das Erreichen der Zieltemperatur, schließt FHEM den Heizkreislauf wieder. Der Vorteil an dieser Lösung: FHEM behält die volle Kontrolle. Der Nachteil liegt darin, dass der Nutzer in FHEM viel Logik selbst implementieren muss.

Der HmIP-FALMOT-C12 bietet eine Alternative: Beim Betrieb an einer lokalen CCU offeriert er auch eine Direktverbindung der einzelnen Steuerkreise der Heizung mit den jeweiligen Raumthermostaten. Thermostat und Steuergerät kommunizieren dann direkt miteinander, das Gros der Logik spielt sich direkt zwischen den beiden ab. Auf der einen Seite übermittelt der Thermostat in einem Raum kontinuierlich die tatsächliche Raumtemperatur und gleicht sie mit dem Sollwert ab. Auf der anderen wertet bei einer Direktverbindung das Steuermodul der Heizkreisläufe der Fußbodenheizung diese eingehenden Daten kontinuierlich aus und passt die Ventilstellung für die einzelnen Räume fortwährend an. Zwar gilt es weiterhin, die jeweiligen Werte aus allen Geräten in FHEM auszulesen und zu verwerten. In der Software selbst legt der Anwender aber nur noch für jeden konfigurierten Raumthermostat die Zieltemperatur fest.

Daraus ergibt sich übrigens eine unschöne Konsequenz, falls bereits Wandthermostate älteren Datums installiert sind: Eine Direktverbindung zwischen dem neueren HmIP-FALMOT-C12 und älteren Raumthermostaten ist nicht möglich. Die alten Geräte bieten weder via CCU noch via FHEM eine Option, die Wunschtemperatur als Parameter von außen mitgeteilt zu bekommen. Über die entsprechenden Funktionen verfügen nur Homematic-IP-Thermostate. Wer also noch Homematic-Thermostate hat, schaut in die Röhre und ist zur Neuanschaffung gezwungen.

Das beschriebene Szenario hat noch einen weiteren Vorteil: Kümmert sich der Stellmechanismus für die Heizkreisläufe eigenständig um das korrekte Erreichen der Raumtemperatur, greift auch der in der Firmware des Geräts vorgesehene Notfallmodus, sollten die übermittelten Werte des Thermostats unplausibel sein oder ein Thermostat ganz ausfallen. Gerade im Winter ist das wichtig: Fußbodenheizungen können durchaus einfrieren, was zu enormen Schäden, reichlich Reparaturbedarf und erheblichen Folgekosten führen kann. Solange das Steuermodul funktioniert und im Direktverbindungsmodus arbeitet, aktiviert es im Zweifelsfall das Notprogramm für einen Heizkreislauf und vermeidet auf diese Weise Schäden.

Wollte der Anwender per FHEM die volle Steuerung der Raumtemperatur samt Steuerung der Heizkreisläufe implementieren, müsste er sich auch darum selbst kümmern und die gesamte Notfalllogik in FHEM nachbauen. Obendrein gibt es in diesem Szenario einen Single Point of Failure, nämlich FHEM selbst.

Wunschtemperatur einstellen

Gegeben sei das bisher gebaute Szenario, in dem sowohl die Steuergeräte als auch die Raumthermostate mit der CCU und damit implizit auch mit FHEM verbunden sind. Die nächste Aufgabe besteht darin, das Steuergerät sowie den jeweiligen Raumthermostat in den Anlernmodus zu versetzen.

Dazu drückt man zunächst beim Steuergerät so lange »[D]«, bis der jeweils gewünschte Kanal (also Raum) ausgewählt ist. Dann erfolgt ein Druck auf die Taste mit dem Homematic-Logo (Systemtaste) für 4 Sekunden, bis diese schnell orange blinkt. Als Nächstes gilt es, am betroffenen Raumthermostat ebenfalls die Systemtaste vier Sekunden lang gedrückt zu halten. Die Verbindung der Geräte erfolgt automatisch. Blinkt die Systemtaste A auf beiden Geräten grün, ist der Anlernvorgang abgeschlossen, und Thermostat und Steuergerät sind dauerhaft miteinander verknüpft.

Der Rest ist relativ simpel: Weil nun sowohl die CCU mit den Geräten als auch die Thermostate mit den Steuermodulen verbunden sind, lassen sich sämtliche Kanäle in FHEM sowohl von den Thermostaten als auch von den Steuergeräten auslesen. Letzteres ist zwar nicht zwingend nötig, aber hilfreich, wenn man beispielsweise den Zustand des Steuergeräts – und insbesondere die Ventilpositionen – als statistischen Wert in FHEM verwenden möchte.

Listing 1 enthält als Beispiel die Konfiguration eines Raumthermostats in FHEM mit Einstellung der gewünschten Temperatur. Listing 2 zeigt komplementär die Einbindung des HmIP-FALMOT-C12 mit Auslesen der Ventilstellungen. Beide Beispiele nutzen die CCU-Distribution Debmatic auf Grundlage eines Raspberry Pi. Für die echte CCU von Homematic wären die Werte deckungsgleich. Zum Einsatz kommt zudem das Plugin myTemp für FHEM, das das Festlegen der Temperaturen anhand konfigurierbarer Werte ermöglicht (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mittels des Plugins myTemp für FHEM lassen sich die Temperaturen in den Räumen gut visualisieren und auf Wunsch auch einstellen.

Abbildung 5: Mittels des Plugins myTemp für FHEM lassen sich die Temperaturen in den Räumen gut visualisieren und auf Wunsch auch einstellen.

Listing 1

Integration eines Raumthermostats

defmod HMIP_WTH_WZ HMCCUDEV 00XXXXXXXXXXXX
attr HMIP_WTH_WZ IODev debmatic
attr HMIP_WTH_WZ ccureadingfilter .*
attr HMIP_WTH_WZ ccureadings 1
attr HMIP_WTH_WZ controldatapoint 1.SET_POINT_TEMPERATURE
attr HMIP_WTH_WZ event-on-change-reading .*
attr HMIP_WTH_WZ eventMap /datapoint 1.BOOST_MODE true:Boost/datapoint 1.CONTROL_MODE 0:Auto/datapoint 1.CONTROL_MODE 1:Manual/datapoint 1.CONTROL_MODE 2:Holiday/datapoint 1.SET_POINT_TEMPERATURE 4.5:off/datapoint 1.SET_POINT_TEMPERATURE 30.5:on/
attr HMIP_WTH_WZ genericDeviceType thermostat
attr HMIP_WTH_WZ room 03.Wohnzimmer_EG
attr HMIP_WTH_WZ stateFormat Gemessen: 1.ACTUAL_TEMPERATURE °C<br>Gewünscht:1.SET_POINT_TEMPERATURE °C<br>Luftfeuchte:1.HUMIDITY %
attr HMIP_WTH_WZ statedatapoint 1.SET_POINT_TEMPERATURE
attr HMIP_WTH_WZ stripnumber 1
attr HMIP_WTH_WZ subType thermostat
attr HMIP_WTH_WZ substexcl control
attr HMIP_WTH_WZ substitute SET_POINT_TEMPERATURE!#0-4.5:off,#30.5-40:on;;WINDOW_STATE!(0|false):closed,(1|true):open
attr HMIP_WTH_WZ webCmd control:Boost:Auto:Manual:Holiday:on:off
attr HMIP_WTH_WZ widgetOverride control:slider,4.5,0.5,30.5,1
setstate HMIP_WTH_WZ Gemessen: 22.2 °C<br>Gewünscht:23.0 °C<br>Luftfeuchte:57 %
[...]
setstate HMIP_WTH_WZ 2025-03-06 20:10:18 1.ACTUAL_TEMPERATURE 22.2
[...]
setstate HMIP_WTH_WZ 2025-03-06 20:10:18 1.SET_POINT_TEMPERATURE 23.0
[...]

Listing 2

Anbindung des HmIP-FALMOT-C12 in FHEM

defmod HmIP_FALMOT_C12 HMCCUDEV 00XXXXXXXXXXXX
attr HmIP_FALMOT_C12 IODev debmatic
attr HmIP_FALMOT_C12 ccureadingfilter (RSSI_DEVICE|LEVEL)
attr HmIP_FALMOT_C12 ccureadingformat datapoint
attr HmIP_FALMOT_C12 event-on-change-reading .*
attr HmIP_FALMOT_C12 icon sani_floor_heating_neutral
attr HmIP_FALMOT_C12 room 01.Heizung_UG,Debmatic
attr HmIP_FALMOT_C12 stateFormat { sprintf("RSSI: %d <br> 1.Ventil %.2f %% <br> 2.Ventil %.2f %% <br> 3.Ventil %.2f %% <br> 4.Ventil %.2f %% <br> 5.Ventil %.2f %%", ReadingsVal($name,"0.RSSI_DEVICE",0),\
ReadingsVal($name,"1.LEVEL",0)*100,\
ReadingsVal($name,"2.LEVEL",0)*100,\
ReadingsVal($name,"3.LEVEL",0)*100,\
ReadingsVal($name,"4.LEVEL",0)*100,\
ReadingsVal($name,"5.LEVEL",0)*100)\
}
setstate HmIP_FALMOT_C12 RSSI: -61 <br> 1.Ventil 57.50 % <br> 2.Ventil 57.50 % <br> 3.Ventil 57.50 % <br> 4.Ventil 57.50 % <br> 5.Ventil 0.00 %
setstate HmIP_FALMOT_C12 2025-03-06 21:30:04 1.LEVEL 0.575
setstate HmIP_FALMOT_C12 2025-03-06 21:30:04 1.LEVEL_STATUS 0
setstate HmIP_FALMOT_C12 2025-03-06 21:30:04 2.LEVEL 0.575
setstate HmIP_FALMOT_C12 2025-03-06 21:30:04 2.LEVEL_STATUS 0
[...]

Fazit

Das Steuern von Fußbodenheizungen auf Linux-Basis mit FHEM und CCU lässt sich per Software unkompliziert einrichten, die Bedienung fällt leicht.

Die Lösung bietet im Kontext eines Heizkreislaufs echten Mehrwert: Wer die Raumtemperatur dynamisch an den Bedarf anpasst, spart Heizkosten, schont die Umwelt und muss nie wieder dafür sorgen, dass ein Raum zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Temperatur hat. Darum kümmert FHEM sich automatisch. Verfügt eine verbaute Wärmepumpe über einen Kühlmodus, lässt sich das Setup sogar im Sommer sinnvoll nutzen. Zwar ist die nötige Investition am Anfang relativ hoch, über die Jahre rentiert sie sich aber durch sinkende Heizkosten.

FHEM bietet die ideale Lösung, um die Temperatur selbst zu steuern und grafisch darzustellen. Wieder einmal wird klar: Linux hat im Zirkus der Smart-Home-Lösungen und der Heimautomatisierung einen festen Platz. (jcb)

Infos

  1. Smart Home (Teil 1): Martin Gerhard Loschwitz, “Wärmespender”, LM 08/2024, S. 70, https://www.lm-online.de/50856
  2. Smart Home (Teil 2): Martin Gerhard Loschwitz, “Wohltemperiert”, LM 09/2024, S. 18, https://www.lm-online.de/50857
  3. FHEM: https://fhem.de/fhem_DE.html
  4. OpenHAB: https://www.openhab.org
  5. Vergleich der Thermostate: https://www.eq-3.de/downloads/download/uebersichten_listen/Vergleich_HmIP-Heizkoerperthermostate.pdf
DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 6 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben