Das Beispiel in unserem Experiment “Programmieren mit KI” enthält notgedrungen einige Begriffe der Musiktheorie. Allen, denen die Namen und Zusammenhänge nicht geläufig sind, soll dieser kurze Artikel als Hilfestellung dienen.
Töne
Töne sind grundlegende Bestandteile von Musik. Die abendländische tonale Musik beruht auf der Heptatonik, bei der Tonleitern aus sieben Töne einer Oktave gebildet werden. Die sieben Stammtöne, die das Grundgerüst der tonalen Musik sind, bezeichnet man mit den ersten sieben Buchstaben des lateinischen Alphabets, also a, b, c, d, e, f, g. Im deutschen Sprachraum wurde im Laufe der Zeit aus dem b ein h. Unser b ist das erniedrigte h, das im angelsächsischen Raum b flat heißt. Die einfachste und grundlegendste Stammtonreihe lautet c**d**e**f**g**a**h**c. Sie kommt auf einem Klavier nur mit weißen Tasten aus. Beginnend mit dem letzten Ton wiederholt sie sich in der nächsthöheren Oktave.
Möchte man eine absolute Tonhöhe in Buchstabenschrift angeben, gehört zum Namen des Stammtons deshalb immer eine Angabe zur Oktave, aus der der Ton stammt. Die Oktaven werden durch Groß- und Kleinschreibung und zusätzlich optional tief- oder hochgestellte Ziffern gekennzeichnet. In den Programmierbeispielen haben wir das etwas vereinfacht.
Der Tonabstand in der Stammtonreihe ab c beträgt meist einen Ganztonschritt, außer zwischen e und f sowie zwischen h und dem c der nächsten Oktave – in beiden Fällen handelt es sich lediglich um einen Halbtonschritt.
Jeder Ton der Stammtonreihe lässt sich um ein oder zwei Halbtonschritte erhöhen oder vermindern. Erhöhen Sie ihn, gekennzeichnet mit dem Zeichen #,um einen Halbton, müssen Sie das Suffix “is” an den Namen anhängen: Aus c wird cis, aus f wird fis und so weiter. Wenn Sie den Ton um einen Halbtonschritt vermindern möchten, kommen das Zeichen b und die Endung “es” zum Einsatz: Aus c wird ces, aus f wird fes. Mit dem Doppelkreuz erhöht sich der Ton um einen Ganztonschritt, mit dem Doppel-b wird er einen Ganzton tiefer. Die Endsilbe verdoppelt sich ebenfalls jeweils: cisis oder feses.
Enharmonische Verwechselung
Dadurch können sich verschiedene Bezeichnungen für dieselbe Tonhöhenstufe ergeben: Einen Halbtonschritt nach e folgt f. Dieselbe Stufe erreichen Sie auch, wenn Sie e um einen Halbton zu eis erhöht oder g zu geses doppelt erniedrigen – f, eis und geses lassen sich also (bei temperierter Stimmung) prinzipiell austauschen. Der Fachbegriff dafür heißt enharmonische Verwechslung.
Instrumente spielen im Allgemeinen keine reinen Töne, sondern genau genommen Klänge. Bei einem mit einem Instrument gespielten Ton ist nicht nur die Frequenz einer einzelnen Sinusschwingung zu hören, sondern zusätzlich weitere Schwingungen, die ganzzahlige Vielfache der Grundschwingung sind. Unter anderem wegen der unterschiedlichen Anzahl und Intensität dieser sogenannten Obertöne klingt ein und derselbe Ton, gespielt beispielsweise von einer Flöte, einer Geige oder einer Gitarre jeweils anders. Ein anderer Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Gestalt der Lautstärke-Hüllkurve.
Intervalle
Jeweils zwei Töne bilden ein Intervall. Die Intervalle unterscheiden sich durch die Anzahl der Halbtonschritte zwischen den beiden Tönen eines Paars. Ausgehend vom Grundton c erreicht man nach zwei Halbtonschritten die große Sekunde d, nach vier Schritten die große Terz e, nach fünf Schritten die reine Quarte f, nach sieben Schritten die reine Quinte g, nach neun Schritten die große Sexte a, nach elf Schritten die große Septime h und nach zwölf Schritten die Oktave.
In dieser Aufzählung fehlen noch die kleine Sekunde (ein Halbtonschritt, c-cis), die kleine Terz (drei Halbtonschritte, c-es), die übermäßige Quarte oder verminderte Quinte (sechs Halbtonschritte, c-fis, c-ges), die kleine Sexte (acht Halbtonschritte, c-as) und die kleine Septime (zehn Halbtonschritte, c-b).
Mit englischen Namen tragen sämtliche kleinen Intervalle den Namenszusatz minor. Alle großen Intervalle heißen major und alle reinen perfect. Aus übermäßig wird augmented und aus vermindert diminuished. Die Intervallnamen selbst sind fast wörtlich übersetzt: Unison (Prime), Second, Third, Fourth, Fifth, Sixth, Seventh und Octave.
Tonarten
Beginnt eine Tonfolge mit einem anderen Ton als mit c, behält aber dieselbe Abfolge von Intervallen bei, nämlich zwei aufeinanderfolgende, durch einen Ganztonschritt getrennte Vierergruppen (Tetrachorde) aus Ganzton-Ganzton-Halbton, dann liegt eine andere Dur-Tonleiter vor. Ihr Name richtet sich nach dem Startton.
Denselben Aufbau bei einem anderem Ausgangston erhalten Sie, indem Sie die Töne der Tonleiter so um jeweils einen Halbtonschritt erhöhen oder erniedrigen, dass sich dieselbe Intervallstruktur wie bei C-Dur ergibt. So passt bei G-Dur das erste Tetrachord g-a-h-c noch ohne Eingriff auf das Muster. Im zweiten dagegen müssen Sie das f erhöhen, um den Ganzton-Ganzton-Halbton-Aufbau einzuhalten: d-e-fis-g. Das nötige Vorzeichen steht in Notenschrift dann nicht jedes Mal vor dem jeweiligen Ton, sondern schlicht einmal nach dem Notenschlüssel am Anfang jeder Zeile. Moll-Tonleitern sind mit einer anderen Struktur der Tetrachorde ähnlich aufgebaut.
Akkorde
Klingen drei oder mehr Töne zusammen, kommt als Ergebnis ein Akkord heraus. Akkorde bestehen aus Intervallen. Bezieht man alle Intervalle eines Akkords auf seinen Grundton und sortiert sie der Größe nach, ergibt sich ein Muster, dass für jeden Akkord dieses Typs in sämtlichen Tonarten gleich ist. Zum Beispiel besteht jeder Dur-Dreiklang in Grundstellung aus Grundton, großer Terz und Quinte. Wer dieselben Töne in anderer Reihenfolge anordnet, indem er entweder die Terz oder die Quinte den untersten Ton bilden lässt, der erzeugt eine sogenannte Dreiklangsumkehrung (aus c-e-g wird e-g-c und g-c-e). Der Akkord heißt allerdings in diesen Fällen ebenfalls C-Dur.
Über allen Stufen der Tonleiter lassen sich aus ihrem Tonmaterial Dreiklänge bauen (leitereigene Dreiklänge). Besonderer Bedeutung kommt in Dur den Dur-Dreiklänge der ersten, vierten und fünften Stufe (Tonika, Subdominante und Dominante) zu – die Grundkadenz. Sie bestimmte vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zum 20. Jahrhundert und teils noch bis in unsere Zeit die harmonische Grundlage der westlichen Musik. Steht die Tonleiter aus der Perspektive der harmonischen Verwandtschaft aus ihr gebildeter Dreiklänge im Fokus, spricht man von einer Tonart.
Akkorde können jeden beliebigen ihrer Töne verdoppeln, er erklingt dann in einer anderen Oktave noch einmal. Doch das ändert nichts an ihrer Bezeichnung. Allerdings können auch zusätzlich Töne hinzukommen. Je einfacher das Verhältnis der Schwingungszahlen der Akkordtöne ausfällt, desto harmonischer klingt der Akkord.
Zusatztöne bewirken mildere oder schärfere Dissonanzen und verändern die Klangfarbe. Besonders beim Dominantseptakkord verstärkt der Zusatzton außerdem dessen Bestreben, in die häufig nachfolgende Tonika überzugehen. Denn von seiner Terz braucht es lediglich ein Halbtonschritt zum Grundton der Tonika (in C-Dur: h in G7 zu c in C-Dur). Gleichzeitig ist seine kleine Septime nur einen Halbton von der Terz der Tonika entfernt (in C-Dur: f in G7 zu e in C-Dur). Anders formuliert bedeutet das: Die Dominante baut eine Spannung auf, die der Übergang in die Tonika löst.
In diesem stark verkürzten Abriss haben wir uns hauptsächlich auf den harmonischen Aspekt von Musik beschränkt, weil der in unserem Beispiel für die Artikel die Hauptrolle spielt. Ebenso wichtig sind für eine musikalische Untersuchung außerdem die Melodie, der Rhythmus und daneben viele weitere Gesichtspunkte der Musik wie Instrumentierung, Artikulation, Dynamik und so weiter. (csi)





